Es gibt offene Fragen: Dirk Panter, MDR Sputnik und die heimliche Radioreform
Bernd Reiher
01.09.2010
Dirk Panter.
Foto: Bernd Reiher
Die Popwelle Jump ist wieder einmal in die Schlagzeilen geraten. In einer Untersuchung der Thüringer Landes-Medienanstalt TLM wurde festgestellt: der Informationsanteil der öffentlich-rechtlichen Popwelle lag auch 2009 bei gerade einmal 14,4 Prozent und damit unter dem Anteil der privaten Konkurrenz Antenne Thüringen und Landeswelle.
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Ähnliches könnte jetzt auch wieder MDR Sputnik drohen. Nach dem Relaunch von 2006 wurde auch dessen Programm gerade wieder ein bisschen mehr auf Masse getrimmt. Durchgesetzt hat es Hörfunkdirektor Möller, Gegenwind aus der Intendanz hatte er scheinbar nicht. Dirk Panter ist der medienpolitische Sprecher der SPD im Sächsischen Landtag. Ihm haben wir ein paar Fragen zum jüngsten MDR-Radiostreich geschickt. Begeistert klingt er nicht.
Herr Panter, der MDR hat seinem Jugendkulturradio Sputnik die nächste Programmreform verpasst - warum war das aus Ihrer Sicht als Rundfunkrat nötig?
Panter: Erst einmal muss ich sagen, dass der Rundfunkrat im Vorfeld nicht über die Veränderungen informiert wurde. Von daher kann ich nicht sagen, was nötig war. Was ich aber höre und lese ist, dass sich die Programmverantwortlichen an Hand von Marktanalysen veranlasst sahen, das Programm von Sputnik zu verändern. Hierüber wird aber noch genauer zu reden sein.
Der Sputnik-Anhänger beim Highfield-Festival.
Foto: Bernd Reiher
Der MDR-Rundfunkrat war im Vorfeld nicht über diese Programmreform informiert - welche Anzeichen gibt es, dass er sich jetzt damit beschäftigen wird?
Panter: Bei der Einführung des neuen Sputnik-Programms und der ausführlichen Vorstellung dieser Veränderung im Rundfunkrat, war ich noch nicht Mitglied des Gremiums. Trotzdem wundert es mich als neues Rundfunkratsmitglied, dass eine damals umfassend vorgestellte Reform anscheinend jetzt so sang- und klanglos einkassiert wird. Ich gehe davon aus, dass der Rundfunkrat zumindest im Nachgang noch ausführlich informiert wird. Weitergehende Informationen durch die Programmverantwortlichen sind notwendig. Es gibt offene Fragen.
Dirk Panter.
Foto: Bernd Reiher
Sputnik Next Level war ein mutiger Versuch, interessantes Jugendradio nach Mitteldeutschland zu bringen. Warum jetzt wieder der Quotendruck, den es für Sputnik nicht mehr geben sollte? Woran ist das Experimentallabor des MDR gescheitert?
Panter: Was heißt gescheitert? Für mich ist das eine Frage der Prioritätensetzung. Wenn sich diese verändert hat, dann sollte darüber auch gesprochen werden. Und wenn Sie nach der Quote fragen: Die kann nicht das einzige Kriterium bei der Bewertung öffentlich-rechtlichen Rundfunks sein und deshalb möchte ich in Zukunft verstärkt über Qualität sprechen.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft von MDR Sputnik?
Panter: Kurzfristig hoffe ich auf eine Diskussion über diese Reform in all ihren Facetten und nicht nur über Marktanteile. Vielleicht steht am Ende ja sogar eine Reform der Reform. Langfristig wünsche ich mir, dass qualitativ hochwertiger Rundfunk im MDR seinen Platz behält bzw. findet, denn das wird immer seine Hörerinnen und Hörer haben.
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