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Schneller durchs Netz: EU fördert Leipziger Projekt zum semantischen Internet mit 6,5 Millionen Euro

Matthias Weidemann
Dr. Sören Auer (Mitte).
Dr. Sören Auer (Mitte).
Quelle: LOD2
Das Weltweite Netz, also World Wide Web, ist wohl eine der umwälzendsten technischen Entwicklungen der Neuzeit und hat unser Leben in vielerlei Hinsicht verändert. Die Entwicklung schreitet rasant voran und der Trend geht eindeutig in Richtung eines intelligenteren, „mitdenkenden“ Internets.

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Eines, das einfacher bedienbar ist und das Internet für noch mehr Menschen zugänglich macht. Seit dem 1. September ist ein neues, auf vier Jahre angelegtes und mit 6,5 Millionen Euro gefördertes EU-Projekt mit Namen LOD2“ am Start. Die Arbeitsgruppe "Agile Knowledge Engineering and SemanticWeb" (AKSW) des Instituts für Informatik der Uni Leipzig arbeitet mit LOD2 an einer neuen Version des Webs, in der voneinander unabhängige Daten miteinander verknüpft und so nutzbar gemacht werden sollen.

LOD, das steht für Linked Open Data, also „Vernetzte frei zugängliche Daten“ und springt damit auf den stark ins Rollen gekommenen Zug einer Internetbewegung auf, die frei zugängliche Daten (Open Sources) aus verschiedenen Quellen zusammenführt. Damit steigt der Wert für den Nutzer. Die Daten werden zu diesem Zweck für die Maschine lesbar beziehungsweise zu interpretierbaren Aussagen (so genannte RDF Triple) kodiert. Dann werden sie über Web-Adressen, die URLs, miteinander verknüpft.

Dr. Sören Auer (Mitte) mit seinem LOD2-Projekt-Team.
Dr. Sören Auer (Mitte) mit seinem LOD2-Projekt-Team.
Quelle: LOD2

Anders als in starren Formaten wie PDF kann der Computer diese Linked Data (vernetzten Daten) „verstehen“ und so zu weit komplexeren Informationen zusammensetzen. Dr. Sören Auer, LOD2-Projektleiter erklärt das an einem praktischen Beispiel: „Heute noch aufwändige Rechercheaufgaben, wie das Finden einer Wohnung in der Nähe eines Kindergartens mit einem freien Betreuungsplatz, werden mit Hilfe von Linked Data so quasi zum Kinderspiel".

Wichtig ist dabei zu wissen, dass LOD das bestehende Web keineswegs ersetzen, sondern vielmehr sinnvoll ergänzen soll, indem das bereits aus Dokumenten existierende Netz mit einem Netz aus Daten ersetzt, somit einen Zwischenschritt zum Semantischen Web darstellt, das die Bedeutung von Informationen im Internet für Computer verwertbar machen will. Die Nutzung von LOD ist einfach und an keine besonderen technischen Voraussetzungen geknüpft.

Bereits heute sind über 20 Milliarden Datensätze verfügbar und durch 395 Millionen Links miteinander verbunden. Mit der vernetzten Sicht auf verschiedene Datenquellen steht Linked Open Data für vielfältige, effiziente und für den Anwender brauchbare Erneuerungen im Umgang mit dem Web. Auch der Europäischen Union leuchteten diese Argumente für die Einführung von LOD ein, so dass sie das von Informatikern an der Uni Leipzig initiierte und auf vier Jahr ausgelegte Projekt mit immerhin 6,5 Millionen Euro im Rahmen des 7. EU-Forschungsprogramms förderte.

Dr. Sören Auer (Mitte) mit seinem LOD2-Projekt-Team.
Dr. Sören Auer (Mitte) mit seinem LOD2-Projekt-Team.
Quelle: LOD2
Darin arbeiten zehn internationale Projektpartner aus Industrie und Forschung unter Federführung der Arbeitsgruppe AKSW an der Realisierung und Weiterentwicklung einer technischen Infrastruktur für das Web der Daten. Wirtschaftliche und soziale Aspekte berücksichtigt das Projekt mit einem Daten-Intranet, das heterogene Informationslandschaften in großen Unternehmen kosteneffizienter vernetzt, und mit einem Netzwerk europäischer Datenbibliotheken, in dem frei verfügbare Daten der öffentlichen Verwaltung und aus der Regierungsarbeit (wie z.B. die erwähnten Kindergartenplätze oder Statistiken aus der Kommunalpolitik) leichter zugänglich und verwendbar werden.

"Demnach ist LOD2 für Bürger, Forscher und Industrie gleichermaßen relevant", ergänzt Sören Auer. "LOD2 verbessert nachhaltig die Nutzung des Webs als Informationsplattform, sei es in Bezug auf alltägliche Recherchefragen, den Zugang zu wissenschaftlichen Veröffentlichungen oder bei der effizienten Integration von Unternehmensdaten." Neben Auers Arbeitsgruppe arbeiten unter anderem die Freie Universität Berlin, der belgische IT-Dienstleister TenForce und das internationale Verlagshaus Wolters Kluwer an LOD2.

Angebot für Verleger freier Daten: Interessierten Unternehmen und Organisationen bieten die LOD2-Projektpartner die PUBLINK Linked Open Data Consultancy an. Diese kostenlose Beratung inkl. Entwicklungsunterstützung hilft Besitzern großer, für die Allgemeinheit interessanter Informationsbestände bei deren Veröffentlichung entsprechend dem Linked Open Data Paradigma.

Bewerbungsfrist für PUBLINK ist der 15.12.2010.

Weitere Informationen unter:
http://lod2.eu/Article/Publink.html

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