MDR am Katzentisch: Die 31 Millionen Hörstunden des Netzradio-Dienstleisters Phonostar
Bernd Reiher
07.02.2011
MDR-Funkhaus Leipzig.
Foto: Bernd Reiher
Die Firma Phonostar ist ein alter Hase im Internet-Radiogeschäft. Seit 2003 ist sie im Auftrag der Streams unterwegs. Der Hamburger Netzradio-Pionier hat jetzt eine Liste mit den bei ihm meistgenutzten Sendern veröffentlicht. Der MDR kommt dabei schlecht weg.
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Am 3. Februar hat der Webradio-Spezialist damit wieder einmal für Aufsehen gesorgt. Das Ergebnis ist nicht nur Tabelle, sondern Zündstoff zugleich. Immerhin sind bei Phonostar ganze 31 Millionen Hörstunden ausgewertet worden. Ein ordentlicher Messwert - handfester als die Media-Analyse. Auf dem Phonostar-Zettel geht es nicht um schwammige Senderbekanntheit, hier wird nach tatsächlicher Nutzung sortiert.
Der MDR-Hörfunk taucht allerdings erst am Ende des ersten Drittels auf. Die ersten 28 Plätze dieser „Top 100“ haben das Deutschlandradio, der Bayerische Rundfunk, der SWR, der Hessische Rundfunk, der NDR und die großen Privatradios unter sich aufgeteilt.
Die einzige Überraschung beim Blick auf diese „Top 100“ war das nicht. Die zweite war der Deutschlandfunk. Die Kölner Infobastion hat es auf Platz 6 geschafft und mit ihrem hohen Wort- und Klassikanteil die meisten Quotenjäger aus der Dance- und Mainstreamabteilung in den Schatten gestellt. Der dritte Hingucker kam vom WDR: Mit seinem „1Live“ hat ein öffentlich-rechtliches Jugendradio mit Qualitätsanspruch den ersten Platz übernommen. „Antenne Bayern“ kam auf Platz zwei. Das nur im Internet sendende Format „TechnoBase FM“ streamte sich auf Platz vier.
MDR-Hörfunkzentrale Halle und Hörfunkdirektor Johann Michael Möller.
Fotos: MDR, Daniela Höhn / Axel Berger
Radioangebote aus Sachsen oder vom Mitteldeutschen Rundfunk sind bei der Hörergunst allgemein erst auf den hinteren Plätzen zu finden. Den Anfang macht mit Platz 29 die eigentlich ebenfalls auf Masse getrimmte Popwelle MDR „Jump“. Das MDR-Vorzeigeradio „Figaro“ folgt erst auf Platz 38, hat allerdings einen Sprung von elf Plätzen nach vorn hingelegt. Sie wird in der Hörergunst aber stark vom Ballermann Radio auf Platz 39 bedrängt – die Klischee-Welle mit mediterranem Party-Anstrich hat ein sattes Plus von 462 Plätzen hingelegt.
Dann ein großes Loch, es reicht bis in die Mitte des letzten Drittels der Hörernutzungsübersicht. Die 71 für Radio SAW, Platz 73 für Rockland Radio, Antenne Thüringen auf 76. Erst auf Phono-Star-Platz 77 ist mit MDR 1 Radio Sachsen wieder ein gebührenfinanziertes Angebot des Mitteldeutschen Rundfunks zu finden. Der Schlagerfunk ist um 17 Plätze abgerutscht. Teil des Schlusslichtes in der Phonostar-Liste ist der Private Sächsische Rundfunk: Stream-Platz 97 für Radio PSR.
Ein bitteres Zeugnis, gerade für den quotenverliebten MDR-Hörfunk. 31 Millionen Phonostar-Stunden und ganze drei von acht gebührenfinanzierten Wellen auf hinteren Plätzen der „Top 100“. Die Tendenz ist nicht neu – mit Listen wie von Phonostar wird sie aber sichtbar.
Damit steht der MDR vor einem neuen Problem: Es wird immer deutlicher, dass seine Hörfunk-Politik ein Auslaufmodell ist. Gegenmaßnahmen wären Reformen in Richtung der Hörer und dafür ein Hörfunk-Direktor mit Radio-Blut. Die Macher allerdings werden das anders sehen. Am 9. März gibt es wieder eine Media-Analyse. Dann dürfte es wieder heißen: Alle waren erfolgreich und haben sich in einem schwierigen Markt behauptet.
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