DJV kritisiert Druck bei MDR-Intendantenwahl: Wer will eigentlich Bernd Hilder?
Redaktion
25.09.2011
Eingang MDR-Gelände Leipzig.
Foto: Matthias Weidemann (Archiv)
Ob man diese Frage überhaupt abschließend wird klären können, ist offen. Ebenfalls offen, wenn auch in anderer Hinsicht, die Reaktion des Deutschen Journalistenverbandes Sachsen (DJV Sachsen) auf die bisherigen Abläufe, welche nun am Montag, 26. September, in die Wahl Bernd Hilders zum neuen MDR-Intendanten münden sollen. Offen dagegen.
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Und so hat sich die 1. Vorsitzende des DJV Sachsen, Sabine Bachert-Mertz von Quirnheim, am 21. September hingesetzt und ein der L-IZ.de vorliegendes Schreiben an alle wahlberechtigten 43 Rundfunkräte formuliert, welches eines ganz deutlich zeigt: Nach dem Wahlverfahren am 5. September, den vielfältigen Fragen danach, der anschließenden klaren Positionierung des MDR-Personalrates sowie der allgemeinen Fragwürdigkeit des Auswahlprozederes kann sich kaum noch jemand vorstellen, wie die eventuelle Ernennung des LVZ-Chefredakteurs Bernd Hilder zum neuen MDR-Intendanten ohne ernsthafte Beschädigung von Amt und Person vonstatten gehen soll.
So schreibt Sabine Bachert-Mertz von Quirnheim im Namen des Journalistenverbandes zu den Vorgängen am 5. September im Verwaltungsrat: "Der DJV Sachsen hält das Verfahren, zu wählen bis das Ergebnis passt, für nicht geeignet, um eine so wichtige Position wie die des Intendanten einer in drei Bundesländern agierenden öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt zu besetzen."
Die Beeinflussung des gesamten Verfahrens bei Verwaltungs- und Rundfunkrat von außen scheint der Verbandsvorsitzenden dabei nahezu sicher und die Staatsferne der Entscheidungen nicht gegeben, wenn sie im Weiteren schreibt: "Vielmehr haben wir den Eindruck, dass seitens der Sächsischen Staatsregierung im Verwaltungsrat massiv Einfluss auf die Nominierung des Kandidaten genommen wurde. Es ist zu befürchten, dass diese Beeinflussung auch bei der Wahl am Montag Auswirkungen hat." Genährt wird diese Vermutung aktuell auch dadurch, dass auf Antrag eines Rundfunkratsmitgliedes nun geheim abgestimmt werden soll - was das gesamte Prozedere am 26. September nur noch intransparenter macht.
Das MDR-Gelände im Leipziger Südosten.
Foto: Matthias Weidemann (Archiv)
Doch die Kugel rollt und so bleibt Sabine Bachert-Mertz von Quirnheim nur noch eine Bitte an die Rundfunkräte und ein klares Fazit: "Ich bitte Sie, sich in Ihrer Entscheidung nicht durch zeitliche, sachliche und andere Zwänge oder Aspekte beeinflussen zu lassen. Der MDR braucht einen kompetenten Intendanten, der sich allein der pluralistischen Grundidee des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sowie der Meinungs- und Pressefreiheit verpflichtet fühlt. Das scheint derzeit und mit dem aktuell vorgeschlagenen Kandidaten nicht gegeben zu sein."
Dies kann nur eines bedeuten: Auch für den DJV Sachsen sind das gewählte Ernennungsverfahren und allein schon aus diesem Grund auch der Kandidat Bernd Hilder falsch gewählt, um nach einer langen Ära Udo Reiter einen der wichtigsten Posten in der ostdeutschen Medienlandschaft zu besetzen. Noch hofft man auf das Einschreiten des Rundfunkrates.
Dieser hat am Montag die Möglichkeit, sollte der Kandidat im ersten Wahlgang die Zwei-Drittel-Mehrheit nicht erreichen, das gesamte Wahlverfahren abzubrechen. Die Kandidatur Bernd Hilders würde scheitern, wenn sich dabei 22 Rundfunkräte zur Beendigung der bereits jetzt fragwürdigen Abläufe entscheiden würden und trotz des Zeitdrucks einen Neustart ins Auge fassen. Und sich damit der Haltung des MDR-Personals und des DJV Sachsen anschließen würden.
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