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LVZ-Chefredakteur Bernd Hilder bald MDR-Intendant? Der Personalrat hat da mächtig Zweifel

Michael Freitag
Dr. Gerd Schuchardt (SPD)
Dr. Gerd Schuchardt (SPD)
Foto: MDR / Axel Berger
Am 5. September 2011 gegen Abend stieg weißer Rauch über der Wahlrunde des MDR-Verwaltungsrates auf. Die sieben Mitglieder hatten sich nach vier Durchgängen geeinigt – Bernd Hilder sollte es sein, den man dem 43-köpfigen Gremium des MDR-Rundfunkrates als einzigen Intendanten-Kandidaten zur Wahl am 26. September 2011 vorschlagen würde. Doch nun formiert sich Widerstand gegen diese Entscheidung des hauptsächlich CDU-lastigen Gremiums im eigenen Hause.

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Schon die insgesamt vier Durchgänge der Einigungsrunde ließen eine komplizierte Debatte am 5. September vermuten. Kompliziert wohl auch, weil durch eine fehlende vorherige öffentliche Ausschreibung nur drei Kandidaten zur Auswahl standen, den MDR zukünftig nach zuletzt schwerem Fahrwasser und einer langen Ära Udo Reiter in die Zukunft zu führen. Einer von ihnen LVZ-Chefredakteur Bernd Hilder, welcher das Rennen mit fünf zu zwei Stimmen gegen Abend gewann.

In der Erklärung des Verwaltungsrates zur Entscheidung hieß es: „In seiner Präsentation hatte Herr Hilder dargestellt, dass er über langjährige Erfahrungen im Medienbereich sowohl in der ARD als auch im Bereich der Printmedien verfügt. Dies beinhaltet insbesondere seine journalistische Tätigkeit und seine Erfahrungen als Medienmanager. Konzeptionell stellte Herr Hilder seine Vorstellungen zur Weiterentwicklung der Programme und der Organisation im digitalen Zeitalter vor. Er betonte insbesondere die Notwendigkeit trimedialer Angebote.“

Bernd Hilder sei also aus Sicht des Gremiums fachlich durch seine geleisteten und bevorstehenden Taten geeignet, den Sender in die Zukunft zu führen. Doch längst scheinen ein großer Teil der Mitarbeiter des MDR eben daran massive Zweifel zu haben. So zumindest muss man das Schreiben interpretieren, welches der Personalrat des Senders namentlich auch an den Vorsitzenden des Rundfunkrates Johannes Jenichen vor wenigen Stunden übersandt hat.

Dr. Gerd Schuchardt (SPD) will zur Intendantenkandidaten-Kür Bernd Hilders im MDR-Verwaltungsrat noch vor dem 26. September einen Bericht vorlegen. Vier Durchläufe hatte das Gremium am 5. September 2011benötigt.
Dr. Gerd Schuchardt (SPD) will zur Intendantenkandidaten-Kür Bernd Hilders im MDR-Verwaltungsrat noch vor dem 26. September einen Bericht vorlegen. Vier Durchläufe hatte das Gremium am 5. September 2011benötigt.
Foto: MDR / Axel Berger

Unter anderem heißt es neben den Zweifeln am ausschreibungslosen Verfahren im Namen der Mitarbeiter des MDR zu den Qualifikationen von Bernd Hilder in den Fragen wie folgt: „… welche Erfahrungen der Kandidat im Bereich Fernsehen, Orchester, Verwaltung, Film (Prof. Reiter gilt als Filmintendant) und in der Rundfunkmedienpolitik einbringen kann. Hinterfragt wird auch, wie sich Herr Hilder zu unseren Klangkörpern positioniert.“

Wie immer spielen bei solchen kritischen Betrachtungen auch die letzten Stationen einer Karriere eine gewichtige Rolle, als letztes Zeichen vor Amtsantritt über die Entwicklung des Kandidaten. Weshalb der Personalrat im Namen der MDR-Mitarbeiter auch und explizit auf die bisherige Leistung Bernd Hilders bei der LVZ zu sprechen kommt: „Kritisch hinterfragt wird dabei auch sein bisheriges Wirken bei der LVZ, u. a. die als zu gering ausgeprägte investigative Berichterstattung, der Auflagenrückgang und der Onlineauftritt der LVZ.“ Selten liest man eine vernichtende Kritik in so kurzer zurückhaltender Form. Letztlich haben die Mitarbeiter des Senders ganz offensichtlich Zweifel an der Fähigkeit ihres eventuell zukünftigen Intendanten und am anstehenden Auswahlverfahren beim Rundfunkrat am 26. September selbst.

So möchten sie laut Schreiben zum ersten Punkt angemerkt wissen, „… dass die Führung des MDR mit 2.000 festangestellten Mitarbeitern und mehreren tausend freien Mitarbeitern, das Management der angegliederten Tochterunternehmen und die Zusammenarbeit im ARD-Verbund hohe Anforderungen an eine Führungskraft stellen.“ Und definieren diese auch. Denn hierzu seien, neben einer Vision für die Entwicklung des MDR und Konzepten, vor allem „politische Unabhängigkeit, möglichst breit gefächerte Erfahrungen im öffentlich-rechtlichen Aufgabenspektrum, Empathie, Führungsstärke, Motivation der Mitarbeiter und die Verkörperung einer vorbildlichen Unternehmenskultur“ vonnöten.

Noch Intendant des MDR - Dr. Udo Reiter wird zum 31. Oktober 2011 den Chefposten verlassen.
Noch Intendant des MDR - Dr. Udo Reiter wird zum 31. Oktober 2011 den Chefposten verlassen.
Foto: MDR/Martin Jehnichen
Die Kolleginnen und Kollegen fragen also, wo Bernd Hilder die erforderlichen Erfahrungen bisher nachweislich sammeln konnte, ob eben jene politische Unabhängigkeit gegeben ist und er die genannten Befähigungen auch in Hinblick auf seine aktuelle Tätigkeit besitzt. Was letztlich schlicht heißt, sie bezweifeln, dass all dies vorhanden wäre. Und das bisher vermittelte Bild zum zweiten Punkt, dem Auswahlverfahren am 26. September, scheint ein klares zu sein. Die Befürchtung also: Man wählt so lange, bis der einzige Kandidat durch ist.

Das scheint dann auch nicht im Interesse der MDR-Mitarbeiter, welche auf die Erfolge des Senders in den vergangenen Jahren ebenso, wie auf den Aufklärungsbedarf in Sachen Udo Foht-Affäre verweisen, wenn sie schreiben: „Die Belegschaft wünscht sich einen Intendanten, der 1. Wahl ist.“

Darüber hinaus schwebt seit der Entscheidung zum Kandidaten Bernd Hilder das nächste Ungemach im Raum. So könnte es sich nun als Problem bei der gewünschten „Staatsferne“ des Intendanten erweisen, dass sich seit Monaten ein hartnäckiges Gerücht hält. Dass dem Chefredakteur der LVZ seine hohe Nähe zur Sächsischen CDU im Auswahlverfahren hilfreich gewesen sein könnte. So steht bis heute durch Bernd Hilder oder Johannes Beermann undementiert im Raum, dass sich insbesondere der Chef der Sächsischen Staatskanzlei, Staatsminister Johannes Beermann (CDU) und weitere Kreise der Sächsischen Regierungspartei CDU für ihn hinter den Kulissen stark gemacht haben könnten. Was zwischen den vier Wahldurchgängen am 5. September in dieser Sache unter Umständen geschah, scheint längst nicht mehr nur den Personalrat des MDR zu interessieren.

Der Vorsitzende des MDR-Rundfunkrates, Johannes Jenichen ließ bereits am 15. September 2011 zur bevorstehenden Intendantenwahl in Richtung der 42 anderen Gremienmitglieder öffentlich verlauten: „Ich bitte die Rundfunkräte, dass sie nach bestem Wissen und Gewissen entscheiden. Das heißt, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk weder dem Staat noch einer gesellschaftlichen Gruppe ausgeliefert wird.“ Womit er im Vorfeld der anstehenden Intendantenkür auf die Notwendigkeit der Staatsferne des öffentlich-rechtlichen Rundfunks hinweisen wollte.

Eine Frage, die nun auch den "Spiegel" in seiner kommenden Ausgabe beschäftigen wird. Laut diesem heißt es in einem Vorbericht zur anstehenden Printausgabe, es hätte bei der Verwaltungsratswahl „massiven Druck hinter den Kulissen“ gegeben, für Bernd Hilder zu stimmen. Der Vorsitzende Dr. Gerd Schuchardt (SPD) würde diesbezüglich noch vor dem 26. September 2011 dem Rundfunkrat Bericht erstatten. Und eine Sondersitzung im Falle der Nichtwahl des Chefredakteurs der Leipziger Volkszeitung zum neuen Intendanten des MDR sei von seiner Seite in Vorbereitung. Zum Erreichen des neuen Postens braucht es an diesem Tage immerhin eine 2/3-Mehrheit des Rundfunkrates und die Zeit drängt. Am 31. Oktober 2011 soll für den derzeitigen Intendanten Dr. Udo Reiter Schluss sein beim MDR.

Es könnte dennoch im Falle einer Bestätigung dieser aktuellen Vorgänge gut sein, dass Bernd Hilder noch ein paar Tage länger in sein Büro am Petersteinweg fahren darf. Der Weg zur Altenburger Straße ist zumindest nun wieder etwas weiter als noch vor Tagen geworden und wirklich freudig erwartet wird er dort scheinbar nicht.

Die Mitglieder des MDR-Verwaltungsrates
Vorsitzender: Dr. Gerd Schuchardt (Thüringen, SPD), stellvertretende Vorsitzende: Prof. Günther Graßau (Sachsen), außerdem Birgit Diezel (CDU, Thüringen), Christian Schramm (CDU, Sachsen), Frank Möhrer (ex-Regierungssprecher der CDU Mecklenburg Vorpommern, nun Sachsen), Dr. Jürgen Weißbach (ex DGB-Chef, Sachsen-Anhalt), Dr. Karl Gerhold (CDU, Sachsen-Anhalt)

Die Gremien Verwaltungsrat und Rundfunkrat des MDR im Netz
www.mdr.de/unternehmen/organisation/struktur

Zu den Äußerungen Johannes Jenichen vom 15. September 2011
Johannes Jenichen spricht sich für die Staatsferne des Rundfunks aus

Wer sitzt im MDR Verwaltungsrat
Genauere Angaben über Mitglieder des MDR-Verwaltungsrates | Flurfunk Dresden

Zu einem Kreuzer-Artikel vom 7. September 2011
Die Trimedialität des Bernd Hilder

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