Eine merkwürdige Intendantenwahl am 26. September: Es wird so lange gewählt, bis es passt?
Matthias Weidemann & Michael Freitag
24.09.2011
Eingang MDR-Gelände Leipzig
Foto: Matthias Weidemann (Archiv)
Es geht um ein hohes Amt mit viel Verantwortung. Das Amt des Intendanten des MDR, Herr über eine Dreiländer-Anstalt und über 2.000 Angestellte und etwa noch einmal so viele freie Mitarbeiter. Ein Amt von großer Ausstrahlung im Wortsinne. Die Wahl in dieses Amt sollte also mit entsprechender Würde vonstatten gehen und fern von politischer Einflussnahme.
Anzeige
Doch was sich gegenwärtig in den hehren Hallen an der Kantstraße abspielt, ist des Amtes nicht würdig und beschädigt schon jetzt den künftigen Intendanten schwer, wer immer es auch werden mag. Am Montag werden in der Kantstraße ab 11 Uhr die Köpfe rauchen, stumm geschaltete Handys summen und die Buschfunkdrähte glühen, wenn der Rundfunkrat über den künftigen Intendanten des MDR per Wahl abstimmt. Der wurde in einer Art Vorausscheid schon am 5. September auf Vorschlag des siebenköpfigen Verwaltungsrates quasi auf dem Silbertablett serviert. Nämlich in Person des LVZ-Chefredakteurs Bernd Hilder (L-IZ berichtete).
Ganz ohne eine öffentliche Ausschreibung, wie sie sonst bei anderen öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten eigentlich üblich ist. Und obendrein hatte das Ganze noch einen schalen Beigeschmack, konnte Bernd Hilder doch erst im vierten Wahlgang die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit auf sich vereinen. Mit anderen Worten: Auch hier wurde bereits scheinbar so lange gewählt, bis es passte. Dabei soll es laut Insidern zugegangen sein, wie auf dem Bazar. Es wurde gefeilscht und geschachert auf Teufel komm raus. Dazu ist es inzwischen ein offenes Geheimnis, dass der CDU-nahe Bernd Hilder von der sächsischen Staatskanzlei protegiert wird.
Eingang zum Gelände des MDR in Leipzig. Durch eine hohle Gasse muss der Rundfunkrat am Montag, 26. September 2011
Foto: Matthias Weidemann (Archiv)
Das bestätigt auch die Redaktionsleiterin von "epd Medien", Diemut Roether, in einem TV-Interview zu dem Zapp-Beitrag "Streit um MDR-Intendantenwahl" (NDR): „Herr Hilder gilt allgemein als der Kandidat der sächsischen Staatskanzlei. Das heißt, die sächsische Staatskanzlei würde ihn gerne auf dem Posten des MDR-Intendanten sehen. Das hat natürlich mit Staatsferne nichts zu tun. Von daher kann ich verstehen, dass sich einige Leute ärgern. Einem der Kandidaten soll im Gegenzug dafür, dass er auf die Kandidatur verzichtet, sogar der Posten des Verwaltungsdirektors angeboten worden sein. Das spricht natürlich nicht für den Verwaltungsrat, wenn da so ein Postengeschachere stattfindet.“
Der Widerstand gegen die Wahl Hilders und das Wahlprozedere an sich kommt inzwischen auch schon aus den eigenen Reihen. So hat der Personalrat des MDR offen Zweifel an der Qualifikation Hilders angemeldet und sich verwundert darüber gezeigt, dass weder Bernd Hilder noch die sächsische Staatskanzlei den offenen Vorwurf der Staatsnähe dementierten. Laut Zapp-Sendung vom 21. September 2011 sagt ein Gutachten der Sächsischen Staatskanzlei, die öffentliche Ausschreibung dieses Postens sei verfassungsrechtlich bedenklich. Interessant ist dabei nicht das merkwürdige Fazit der Studie, sondern dass es sie überhaupt gibt. Denn was geht die Sächsische Staatskanzlei nach dem Gebot der Staatsferne des öffentlich-rechtlichen Sendebetriebs das Wahlprozedere überhaupt an?
Was geht die Sächsische Staatskanzlei nach dem Gebot der Staatsferne des öffentlich-rechtlichen Sendebetriebs das Wahlprozedere überhaupt an?
Foto: Matthias Weidemann (Archiv)
Auch aus den Reihen der Rundfunkräte wird die Front der Ablehnung breiter. So wird die Begründung, mit der Hilder vom Verwaltungsrat als Kandidat für dem MDR-Chefsessel ausgewählt wurde, als zu fadenscheinig beurteilt. Laut Zapp soll ein dem DGB angehörender Rundfunkrat gesagt haben, dass Hilder „mit so einer Bewerbung bei uns nicht mal zum Vorstellungsgespräch eingeladen worden wäre“.
Vertrauensverlust bereits jetzt an vielen Stellen. Zu mehr Vertrauen wird auch die Tagesordnung für den Wahlgang nicht beitragen, die ein wenig demokratisch anmutendes Prozedere in zwei Varianten vorschlägt: Entweder Hilder wird gewählt oder, falls die Zwei-Drittel-Mehrheit verpasst wird, folgen ein weiterer Wahlgang und gegebenenfalls weitere Wahlgänge. Frei nach dem Motto: Was nicht passt, wird passend gemacht. Und jetzt verkündet der MDR auch noch in einer Pressemitteilung, dass auf Antrag eines Mitglieds des Rundfunkrates die Wahl geheim durchgeführt wird. Öffentlich rechtlich bekommt hier eine ganz eigene Bedeutung. Bei der LVZ-Belegschaft hat inzwischen ein Hoffen und Bangen bezüglich des nicht gerade als beliebt geltenden Chefredakteurs eingesetzt. Ein Mitarbeiter, der nicht namentlich genannt werden will, gegenüber L-IZ: „Immerhin mussten wir es acht Jahre mit ihm aushalten. Es wäre schlimm, wenn er jetzt nicht zum Intendanten gewählt würde.“
Eine Konstellation, welche schon jetzt ein Fiasko zu sein scheint. Allein die Bewerbung Bernd Hilders hat auf dem bisher gegangenen Wege eine Tatsache deutlich werden lassen: Eigentlich möchte man ihn offenbar in beiden Häusern nicht wirklich zum Chef haben.
Am Mittwoch, dem 23. Mai um 19:30 Uhr wird Wolfgang Tiefensee, MdB (SPD), im BüroCafé Tiefensee, Gottschedstraße/Ecke Zentralstraße in Leipzig, mit Günter Gloser, MdB (SPD), Staatsminister a.D., Mitglied des Auswärtigen Ausschusses und Berichterstatter der SPD-Fraktion für den Nahen und Mittleren Osten, über den Aufstand in Syrien und die Auswirkungen auf die Region sowie den „Arabischen Frühling“ sprechen. mehr…
Eine Riesenanspannung auf dem Markt hat Frank Sennhenn, Vorstandschef der DB Regio AG, ausgemacht. Denn der Schienenpersonennahverkehr befinde sich inmitten einer „Vergabespitze“. Zwischen 2012 und 2014 werden insgesamt 260 Millionen Zugkilometer ausgeschrieben. Zwischen 2014 und 2017 werden weitere 100 Millionen folgen. mehr…
Am Donnerstag, dem 24. Mai, 19:00 Uhr begrüßt die Schaubühne zur Filmpremiere von "Aber das Leben geht weiter" die Regisseurin Karin Kaper. In ihrem Dokumentarfilm setzen drei polnische und drei deutsche Frauen, deren Familiengeschichte sich nach Ende des Zweiten Weltkrieges auf dramatische Art kreuzte, bewusst persönlich zum Thema „Flucht und Vertreibung“ ein Zeichen der Annäherung. mehr…
Am Ende hat wieder der Finanzminister gewonnen. Nicht nur den anderen Ministern gegenüber hat Georg Unland (CDU) den längeren Hebel in der Hand und kann die Richtung per Finanzzuweisung dirigieren, auch gegenüber Städten, Gemeinden und Landkreisen in Sachsen gibt er die Richtung vor. Und so hieß es am Freitag, 18. Mai, wieder einmal im Unland-Stil: „Wir sorgen vor!“ mehr…
Die Freiwilligen-Agentur Leipzig lädt am Dienstag, 22. Mai, Bürgerinnen und Bürger, die sich für ein Ehrenamt interessieren, herzlich zum Ehrenamtscafé in ihre Räumlichkeiten am Dorotheenplatz 2 ein. Von 16:00 bis 18:00 Uhr stellen fünf gemeinnützige Einrichtungen ihre ehrenamtlichen Angebote vor: Bürgerverein Kolonnadenviertel e. V., Durchblick e. V., Bürgerverein Waldstraßenviertel e. V., Jugendpresse e. V. und Caritasverband Leipzig e. V. mehr…
Am 6. Juni 2012 lädt die Hochschule für Telekommunikation Leipzig (HfTL) gemeinsam mit der Firma Würth Elektronik zu einem Industrieseminar in die Hochschule ein. Von 09:00 bis 15:00 Uhr werden in diesem praxisnahen Seminar Themen der Elektromagnetischen Verträglichkeit (EMV) diskutiert. mehr…
Am Donnerstag, 24. Mai, gibt es im Kulturclub „Horns Erben“, Arndtstraße 33, die nächste Show "Adolf Südknecht - The improvised alternative-history-show". Untertitel: Eine Kneipiersfamilie improvisiert die potenzielle Chronik des Südmeilen-Kiezes. Diesmal gibt's Folge 4: „Menschen, Messe, Megastadt!" mehr…
Tommi Sillanpää hat die SG LVB am Samstag vor 250 Zuschauern im letzten Saisonspiel zum 33:26 (19:10)-Sieg gegen die TSG Münster geschossen. Im Anschluss wählten ihn Fans, Mannschaft und Trainerteam sogar zum LVB-Spieler des Jahres - eines Jahres, in dem aus blaugelber Sicht vieles passte. mehr…
Zwei links, zwei rechts - wie langweilig! Mit Wolle kann man noch ganz andere Sachen machen. Mit Ruth Kindla hat der Buchverlag für die Frau jetzt eine Autorin ins Programm genommen, die das Stricken mit farbigen Garnen zu einer Kunst entwickelt hat. Ihre Geheimwaffe: verkürzte Reihen. Das Wichtigste, was man zum Funktionieren der verkürzten Reihen wissen muss, ist die Technik der Wendemasche. Rätsel über Rätsel. mehr…
In dem ca. 90 minütigen Solo-Programm wird der Roman „Nachdenken über Christa T.“ von Christa Wolf auf eine Sprecherin und eine Leinwand übertragen. Sprache wird ein Mittel des Bewusstseins, die handelnde Stimme wird ein aktives Medium, dass den Zuschauer verführen will, ihm auf seinem Erkenntnisweg zu folgen. mehr…
Das vorletzte Saisonspiel endete wieder mit einem Sieg für den SC DHfK. Nach sieben Auswärtsspielen ohne Sieg in Folge gewannen die Grünweißen mit 29:25 (14:11) beim TV Bittenfeld. Die Mannschaft von Trainer Uwe Jungandreas bestimmte das Spiel über weite Strecken und lieferte eine stabile Leistung ab. mehr…
Täglich gehts voran, man strebt und lebt nach vorn. Vollgas, Sommer wie Winter, keine Zeit zur Besinnung. Schön so eigentlich, bevor man noch auf dumme Gedanken kommt, einfach weiter, weiter, weiter. mehr…
Die Stadt Leipzig wird die Kampagne „Alle bleiben“ unterstützen, so beschloss es der Stadtrat am 16. Mai. Bei dieser Kampagne geht es vor allem um das humanitäre Bleiberecht für langjährig in Deutschland geduldete Roma aus den Teilrepubliken des ehemaligen Jugoslawien. Bei solch einem Thema rings um menschliche Schicksale konnte sich der NPD-Stadtrat Klaus Ufer nicht zurückhalten und meldete sich prompt zu einem Redebeitrag (siehe Audio). mehr…
Schock bei Lok Leipzig: Nur einen Tag nach dem Aufstieg in die Regionalliga ist Erfolgstrainer Willi Kronhardt von seinem Amt zurückgetreten. In einer Erklärung gab Kronhardt fehlende finanzielle Mittel für die Umsetzung seiner Vision von Fußball an. Außerdem soll auch Germania Halberstadt Interesse am 43-Jährigen haben. mehr…
Schon im Vorjahr gaben die Rasenballer nur das Gastspiel bei der Aufstiegsfeier in Chemnitz, wo ihre Niederlage die Himmelblauen jubeln ließ. Beim Auftritt in Halle hätte wegen der deutlichen Kieler Niederlage, auch ein Sieg der Leipziger den HFC nicht gestoppt. Es blieb beim torlosen, recht durchschnittlichen Spiel. mehr…