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Leipziger Medienwettbewerb: Visionale-Organisator Volker Pankrath im Interview

Daniel Thalheim
Visionale Co-Moderatoren-Casting im Centraltheater: Katja Schmidt, Co-Moderatorin Paula Schwetzler, Volker Pankrath und Katja Röckel (V.l.n.r.)
Visionale Co-Moderatoren-Casting im Centraltheater: Katja Schmidt, Co-Moderatorin Paula Schwetzler, Volker Pankrath und Katja Röckel (V.l.n.r.)
Bild: R. Arnold / Centraltheater
Was sind Medien und wie gehen Kinder und Jugendliche damit um? Der Leipziger Medienwettbewerb "Visionale" zeigt am 6. November - erstmals im Centraltheater- zum 21. Mal, dass die jungen Leipziger den älteren vielleicht etwas voraus haben. Das Zauberwort heißt "Medienkompetenz". Dabei geht es nicht immer nur ums Internet. Festivalleiter Volker Pankrath erzählt.

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Vor über einem Monat fand das Co-Moderatorencasting zur Visionale 2011 im Centraltheater statt. Wie ist es verlaufen?

Vorausgegangen war ein Aufruf an alle Mädchen und Jungen im Alter von 14 bis 17 Jahren in ganz Sachsen, die sich bewerben konnten. Gewonnen hat die 14jährige Schülerin Paula Schwetzler aus Leipzig. Sie wird bei der Preisverleihung zusammen mit unserem Moderator August durch Programm führen. Diese Form der Moderation machen wir in diesem Jahr erstmalig und wir sind auch schon gespannt, wie es beim Publikum ankommt. Paula kommt praktisch aus der direkten Mitte unserer Zielgruppe und hat sich mit einem tollen Video bei uns beworben. Sie hat sich gegen vier andere Bewerber durchgesetzt.

Sie beschreiben, dass die Visionale Sachsens ältester Medienwettbewerb ist. Wie lange gibt es die Visionale schon und was war und ist ihr Herausstellungsmerkmal gegenüber anderen Medienwettbewerben?


Die Visionale gibt es seit 1990 und findet in diesem Jahr zum 21. Mal statt. Das Herausstellungsmerkmal ist die Bandbreite an Medienformen, die der Wettbewerb bietet. Bis auf das Buch können die TeilnehmerInnen alle möglichen Medienformen einreichen. Filme, Hörspiele, Fotos oder auch Computerspiele und vieles mehr. Auf dem Medienfestival selbst wird diese Bandbreite präsentiert.

Andere Wettbewerbe konzentrieren sich meistens auf eine spezielle Medienform. Eine weitere Besonderheit der Visionale ist, dass sie auch eine große Zielgruppe anspricht. Es können sowohl Kinder als auch Jugendliche und junge Erwachsene teilnehmen. Das Spektrum reicht in diesem Jahr zum Beispiel von 8 bis 26 Jahre.

Gerade durch die medienpädagogische Arbeit in Leipzig und Sachsen bekommen die jüngeren TeilnehmerInnen die Möglichkeit, Produkte zu erstellen und einzureichen. Wir erhalten dadurch jährlich sehr facettenreichen Einsendungen. Wir bekommen einen guten Überblick, über die Themen und auch Sorgen, Kritik und Wünsche, die Kinder und Jugendliche haben und medial umsetzen. Da fällt mir spontan der Beitrag “Atomkraft – Nein Danke!” ein, der im Kino laufen wird.

Bis 2010 fand die Visionale im Werk II statt. 2011 erstmals im Centraltheater.
Bis 2010 fand die Visionale im Werk II statt. 2011 erstmals im Centraltheater.
Bild: www.visionale-leipzig.de

Welche Medienbereiche sind rückblickend bei ihren Medienwettbewerben am stärksten vertreten gewesen? Gibt es Entwicklungen?

Nach wie vor erhalten wir die meisten Einreichungen im Bereich Video, gefolgt von Radio, Fotografie und Multimedia-Interaktiv. In diesem Jahr waren es insgesamt 120 Produktionen Diese Reihenfolge hat sich in den letzten Jahren nicht geändert. Einen Film zu drehen, ist scheinbar immer noch die größte Herausforderung für die TeilnehmerInnen. Aber wir verzeichnen immer mehr Zuwachs im Bereich Multimedia-Interaktiv. Gerade im Zeitalter von Internet und medienkonvergenten Inhalten wird dieser Bereich immer wichtiger.

Politiker haben für Kinder und Jugendliche die Schaffung von Medienkompetenz als Bildungsbereich für sich entdeckt. Wie kommt das an und wie macht sich das bei den WettbewerbsteilnehmerInnen bemerkbar?

Im Rahmen der Visionale erachten wir übers Jahr natürlich die Vermittlung von Medienkompetenz als wichtigen Punkt im Bildungsbereich und dieses ist auch in unserem Konzept verankert. Dieses Thema ist besonders in der praktischen Arbeit der Medienpädagogen von Bedeutung. Auch Schulen erkennen zunehmend, dass die Vermittlung von Medienkompetenz, aber auch der Erwerb durch Lehrerinnen und Lehrer immer wichtiger wird. Gerade auch weil im Unterricht der Einsatz von Medien praktisch dazu gehört. Medien bestimmen zunehmend das Leben von Kindern und Jugendlichen und die kritische Auseinandersetzung mit den Inhalten muss erlernt werden.

Hier sind aber nicht nur die Kinder gefragt, sondern auch Eltern und Pädagogen gleichermaßen. Beim Wettbewerb selbst macht sie das vor allem bei den TeilnehmerInnen bemerkbar, die von PädagogInnen betreut werden und Beiträge einreichen. Dies ist zumeist bei den jüngeren der Fall oder natürlich auch bei den Schulklassen. Wir haben aber auch TeilnehmerInnen, die sich alles selbst beibringen und Beiträge zu Hause oder mit Freunden erstellen und dann einreichen. Und wir haben auch Teilnehmer, die schon mehrere Jahre immer wieder Beiträge einreichen und da geben uns natürlich auch die Beiträge Aufschluss über die Entwicklung.

Casting-Jury für die Visionale-Co-Moderation.
Casting-Jury für die Visionale-Co-Moderation.
Bild: R. Arnold / Centraltheater

Was ist mit den Eltern in Sachen Medienkompetenz?

Die Frage nach Medienkompetenz und Eltern ist eine gute und wichtige Frage zugleich. Viele Eltern wissen immer noch nicht, was ihre Kinder z.B. im Internet machen, welche Spiele sie spielen und welche Daten sie auch im Netz freigeben. Dies hängt natürlich von verschiedenen Faktoren ab. Oftmals sind die Kinder ihren Eltern in der Bedienung der Technik voraus. Auf der anderen Seite haben Eltern vielleicht wenig Zeit oder interessieren sich nicht für das, was ihre Kinder machen. Hier denke ich ist z.B. ein gemeinsames Lernen oder auch Spielen notwendig. Die Eltern müssen sich für die Themen ihrer Kinder interessieren. Deshalb finden wir es wichtig, dass die Kinder und Jugendlichen ihre Eltern mit zum Medienfestival mitbringen. Es kann vielleicht sein, dass diese dann den Beitrag ihres Kindes zum ersten Mal sehen oder Hören. Dieses gemeinsame Erlebnis ist sehr wichtig und die öffentliche Präsentation ist die Anerkennung der Leistungen der Kinder und Jugendlichen, egal ob am Ende dabei ein Preis rauskommt oder nicht. Hier bekommen sie die öffentliche Anerkennung, die sie in anderen Bereichen des Lebens nicht erhalten.

Politiker fordern auch Beschränkungen für das Internet. Also Angebote, die wie nach FSK-Stufen freigeben sind. Ist das begrüßenswert, wenngleich auch sinnvoll?

Beschränkungen und Verbote nutzen meistens nur bedingt, denn überall wo es Beschränkungen gibt, gibt es auch Wege, diese zu umgehen. Natürlich gibt es von vornherein Ausnahmen wie kinderpornografische Inhalte z.B.. Wichtig ist, dass man Kindern und Jugendlichen den kritischen und reflexiven Umgang mit Medien vermitteln, damit sie die Inhalte selber bewerten können, um sie zu verstehen und dann selbst auch ablehnen können. Dieser emanzipatorische Prozess ist dabei dynamisch und dauert eigentlich ein Leben lang an. Hier sind Eltern, PädagogInnen und auch LehrerInnen gefragt.

Können Sie schon einen lebendigen Eindruck vermitteln, was Besucher der Visionale am Centraltheater am 6. November erwartet?

Das Medienfestival wird neben der Präsentation der nominierten Beiträge wieder eine abwechslungsreiches Rahmenprogramm geben. Workshops, Mitmachangebote, es wird für jeden was dabei sein. Eine Übersicht finden Sie auf www.visionale-leipzig .de im Bereich Medienfestival. Hier geben wir den Besucher und auch gerade den Erwachsenen die Möglichkeit, selbst mal was auszuprobieren, um zu sehen, womit sich ihre Kinder in der Freizeit im Medienbereich beschäftigen. Im Mittelpunkt stehen aber die Produktionen der Teilnehmer.

Im großen Saal werden alle 15 nominierten Filme vorab laufen. An Hörstationen kann man sich alle Audiobeiträge anhören. Es wird eine Fotoausstellung geben und auch einen Multimedia Bereich. Es dürfte also in den 3 Stunden bis 17 Uhr nicht langweilig werden. An 2 PCs dürfen dann auch noch alle Besucher über den Publikumspreis abstimmen. Somit besteht auch für alle die Möglichkeit, selbst mal Jury zu spielen. Der Publikumspreis wird als letzter Preis vom Schirmherrn Burkhard Jung persönlich überreicht. Dieses wird noch einmal ein schöner Abschluss bevor wir alle Gäste zu einem kleinen Ausklang ins Parkettfoyer einladen. Insgesamt werden am 6.11. 13 Preise vergeben.

Wir freuen uns zudem, erstmalig im Centraltheater zu sein und sind gespannt, wie das Festival dort ankommt. Dies ist dort unsere Premiere.

Vielen Dank für das Interview.

Das Programm der Visionale 2011 im Internet
www.visionale-leipzig.de


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