Neue Wahl, deutliche Mehrheit: Karola Wille ist neue Intendantin des MDR
Ralf Julke & Matthias Weidemann
23.10.2011
Wahl diesmal gelungen: Karola Wille neue Intendantin
MDR/ Martin Jehnichen
Karola Wille wird die neue Intendantin des MDR. Das teilte der Sender am Sonntagnachmittag, 23. Oktober, mit. Im Rundfunkrat, der sich am Sonntag zur neuerlichen Intendatenwahl zusammenfand, erhielt die 52 Jahre alte gebürtige Chemnitzerin die Stimmen von 32 der 39 anwesenden Rundfunkräte.
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Das war deutlich über der notwendigen Zwei-Drittel-Mehrheit von 26 Stimmen. Noch vor vier Wochen scheiterte der Wunschkandidat der sächsischen Staatsregierung, der LVZ-Chefredakteur Bernd Hilder, in diesem Gremium. Er erhielt damals nur 12 Stimmen - weit davon entfernt, den Rundfunkrat als Kandidat zu überzeugen. Vorhergegangen war dem ein nicht wirklich zweckdienlicher Stimmenpoker im Verwaltungstrat des Senders, der aus den Kandidaten den Vorschlag zu küren hat, der im Rundfunkrat dann zur Abstimmung kommt.
Im Rundfunkrat sind Vertreter von Politik, Kirche, Gewerkschaften und anderen gesellschaftlich wichtigen Gruppen und Verbänden aus allen drei Ländern, in denen der MDR sendet, vertreten.
Prof. Dr. Karola Wille wird ab heute die Geschicke des MDR als neue Intendantin lenken
Foto: MDR/Martin Jehnichen
Notwendig wurde die Wahl, weil der bisherige Intendant Udo Reiter auf eigenen Wunsch vorzeitig aus dem Amt scheidet. Der 67-Jährige war seit Gründung des MDR im Jahre 1991 Intendant des Senders. 2008 war er noch einmal mit großer Mehrheit vom Rundfunkrat für eine vierte Amtszeit als Chef der Drei-Länder-Anstalt für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen bestätigt worden. Seine Amtszeit endet offiziell am 31. Oktober.
Karola Wille ist derzeit juristische Direktorin des Senders und war nach der neuerlichen Wahl im Verwaltungsrat die einzige Kandidatin für die Wahl im thüringischen Friedrichroda. Der Verwaltungsrat des MDR hatte Wille vor zwei Wochen einstimmig als Nachfolgerin des bisherigen MDR-Intendanten Udo Reiter vorgeschlagen.
Die Honorarprofessorin für Medienrecht an der Universität Leipzig steht seit 1996 an der Spitze der Juristischen Direktion des Senders. Seit 2003 ist sie auch stellvertretende Intendantin. Sie leitet im MDR auch die Arbeitsgruppe "Digitale Zukunft", die die Strategie des Senders in der sich durch neue Verbreitungswege ändernden Medienlandschaft steuert, kann also auch auf dem Gebiet deutlich mehr Vorarbeit aufweisen als ihr Kandidaten-Vorgänger.
Sie fiel auch bei der Aufklärung der derzeitigen diversen Finanzskandale im Sendergeflecht als treibende Kraft auf - die Mitarbeiter der Sendeanstalt trauen ihr durchaus zu, die Firmenstruktur zu modernisieren und die diversen Skandale weiter aufzuklären.
Nun sieht sich Karola Wille also vor die große Herausforderung gestellt, den Sender sowohl hinsichtlich der Verwaltungsstruktur als auch des Sendeinhaltes umzustrukturieren. Nicht nur dass sich die neue Intendantin mit Skandalen wie dem „Fall Foht“ befassen muss, wird auch von vielen Seiten von ihr verlangt, dem „Sender ein neues Gesicht“ zu verleihen. So äußerte sich im Nachgang an die heutige Wahl das Mitglied des Rundfunkrates Mike Mohring (CDU).
Gezeitenwechsel? Der amtierende Intendant Prof. Dr. Udo Reiter und die neue Intendantin ab 1. 11. 2011 Prof. Dr. Karola Wille nach dem heutigen Wahlgang im Rundfunkrat
Foto: MDR/Marco Prosch
Der Thüringer Fraktionschef der Christdemokraten meinte, dass man nicht mehr, 22 Jahre nach der Einheit, den MDR auf das „Niveau der Achim Mentzels oder anderer vergleichbarer Schlagerfuzzis“ reduzieren dürfe. Nur noch eine ganz kleine Minderheit fühle sich, so Mohring, als Ostdeutsche. Vielmehr zeigten Umfragen, dass sich die Mehrheit in erster Linie als Sachsen, Thüringer oder Sachsen-Anhalter fühlten.
Die künftige Intendanz werde eine Menge Aufgaben zu leisten haben, um unter Aufsicht der Gremien wieder zu einem vernünftigen Geschäftsgebahren zurückzufinden.“ Auch die neu gewählte Intendantin sieht Mohring kritisch und meint, dass es dem Sender gut getan hätte, wenn jemand von außen den MDR übernommen hätte.
Das dies für die CDU offenbar der vorherige Kandidat und Chefredakteur der LVZ, Bernd Hilder gewesen wäre, ist lange Zeit Thema in den Medien gewesen. Bis der Aspirant bei der Abstimmung krachend scheiterte. Zu dieser letztlich als Fiasko zu bezeichnende Nichtwahl wollte sich allerdings der CDU-Rundfunkrat Mohring gegenüber L-IZ.de auch auf direkte Nachfrage hin überhaupt nicht äußern.
Am 1.11.2011 tritt nun also Prof. Dr. Wille das Amt der MDR-Intendantin an. Das ihr der Handlungsbedarf bewusst ist, zeigt die heute umgehend ergangene Einladung an die Presse. Bereits am 2. November 2011 will sie laut MDR ihre Pläne für die Weiterentwicklung des Senders der Öffentlichkeit vorstellen.
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