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Ein Mantel aus Berlin: Leipziger Volkszeitung baut bis zu 53 Stellen ab

Ralf Julke
Leipziger Volkszeitung.
Leipziger Volkszeitung.
Foto: Ralf Julke
Gemunkelt wurde schon länger. Jetzt wurden die Zahlen konkret: Bis zu 53 Arbeitsplätze will die Geschäftsführung der Leipziger Volkszeitung (LVZ) abbauen, davon allein bis zu 25 Stellen in der Redaktion. Seit 2009 war das eigentlich erwartet worden. Damals hatte die Verlagsgruppe Madsack aus Hannover die Springer-Anteile an der LVZ gekauft.

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Damit wurde die LVZ endgültig Teil der Zentralisierungsstrategie, mit der Madsack seine Regionaltitel bündelt und - naja - effizienter macht. Das Prinzip ist zumindest einleuchtend: Der Inhalt für den Mantel der Regionaltitel, der sich vor allem aus nationalen und internationalen Meldungen speist, wird künftig zentral von einer einzigen in Berlin ansässigen Redaktion erarbeitet. Bislang beschäftigt auch die LVZ ein eigenes Team von Mantelredakteuren, deren Namen - bis auf den Interview-Mann Dieter Wonka - kaum ein LVZ-Leser tatsächlich kennt. Warum auch?

Wonka schafft es mit seinen großen Interviews mit den politischen Größen aus Berlin immerhin regelmäßig zu bundesweiter Aufmerksamkeit. Eine Aufmerksamkeit, die sich dann auch wieder von der LVZ so geschätzten Medien-Zitate-Ranking widerspiegelt. Da landet die Tageszeitung aus Leipzig immer wieder mal unter den meistzitierten Regionalzeitungen. Oder besser: landete. Denn natürlich kann Dieter Wonka die ganze Arbeit nicht allein machen. Und die Ausdünnungen in der LVZ-Redaktion, die schon in der jüngeren Vergangenheit erfolgten, zeigen längst Folgen.

Der Relaunch hat den Verlust an Stammlesern nicht aufgehalten.
Der Relaunch hat den Verlust an Stammlesern nicht aufgehalten.
Foto: Ralf Julke

2010 war die LVZ im PMG-Medien-Zitate-Ranking noch die Nummer 3 unter den ostdeutschen Regionalzeitungen - hinter dem in Berlin produzierten Tagesspiegel und der Berliner Zeitung. Vor der Berliner Morgenpost, der Mitteldeutschen Zeitung und der Sächsischen Zeitung. Die Sächsische Zeitung hat die LVZ in der Häufigkeit des überregionalen Zitiertwerdens mittlerweile weit hinter sich gelassen.

Das wird sich mit der neuen zentralen Produktion der Mantel-Inhalte für die Madsack-Zeitungen noch weiter verschieben. Die Berliner Dependance des Madsack-Konzerns soll auf 20 bis 25 Stellen aufgestockt werden - aber von der LVZ-Truppe sollen nur sechs Berliner Kollegen übernommen werden.

Die Eigenständigkeit des Leipziger Mantels soll in gewisser Weise erhalten bleiben: Der künftige LVZ-Chefredakteur bestellt dann einfach im Berliner Büro die Artikel, die er haben will. Ob er damit kreativ umgehen kann, hängt dann davon ab, wie viele Mantelredakteure er in Leipzig noch behalten darf. Denn normalerweise lebt ja der Mantel einer Regionalzeitung auch davon, wieviel gute Regionalgeschichten hier Platz finden.

Die Mantelgeschichten werden für Madsack-Zeitungen bald zentral in Berlin produziert.
Die Mantelgeschichten werden für Madsack-Zeitungen bald zentral in Berlin produziert.
Foto: Ralf Julke
Noch weiß niemand, wer Nachfolger für den bei der MDR-Intendantenkür so glücklos gescheiterten Chefredakteur Bernd Hilder wird. Dass der Chefredakteur des Dresdener LVZ-Ablegers Dresdner Neueste Nachrichten (DNN), Dirk Birgel, Nachfolger Hilders werden könnte, hat der Verlag am 8. November dementiert.

Zeitdruck gibt es bei der Personalreduktion im Peterssteinweg augenscheinlich auch, denn auch betriebsbedingte Kündigungen schließt die Geschäftsführung nicht aus, sollten sich nicht genügend Freiwillige für Altersteilzeit und Abfindungen finden.

Der Betriebsrat in Leipzig hat nun - kaum dass er mit den Tarifverhandlungen fertig ist - Verhandlungen zur Beschäftigungssicherung und einen Sozialplan eingefordert. Der Stellenabbau soll bis 2013 abgeschlossen sein.

Erst am 11. November hatten die Gewerkschaft ver.di und der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) einen Haustarifvertrag bei der LVZ erfolgreich unter Dach und Fach gebracht. Der Hausvertrag orientiert sich am neuen Flächentarifvertrag für die Zeitungsjournalisten vom August dieses Jahres. Er sieht unter anderem eine lineare Gehaltserhöhung für die Redakteurinnen und Redakteure in Höhe von 1,5 Prozent sowie eine Einmalzahlung von 280 Euro vor. Der neue Haustarifvertrag soll auch für Berufseinsteiger bei der Leipziger Volkszeitung vom ersten Tag an gelten.

"Tariflose Zustände darf es bei Zeitungen nicht geben“, sagte DJV-Tarifverhandlungsführer Kajo Döhring. „Priorität hat für uns der Flächentarifvertrag. Wo er nicht gilt, müssen faire Haustarifverträge den Rahmen für die qualitativ hochwertige Arbeit von Journalistinnen und Journalisten bilden.“

Parallel wurde auch für die Drucker und Verlagsangestellten ein Abschluss erzielt, der sich an den Flächentarifvertrag für diese Berufsgruppen anlehnt.

Aber die Print-Zeitung wird sich auch weiter ändern müssen. Denn die neue Reduktion beim Personal ist auch das Eingeständnis, dass bisherige Reformen keinen Erfolg hatten. Bernd Hilder ist es in seiner Zeit als Chefredakteur nicht gelungen, den Leserschwund der LVZ aufzuhalten. Das Problem hat nicht nur die LVZ. Aber 2007 gab es den groß plakatierten Versuch, mit einem Relaunch der Zeitung eine Trendwende einzuleiten. Die natürlich ausblieb, denn außer dass die Zeitung bunter wurde - aber nicht inhaltsreicher - ist ja nichts geschehen.

Naja. In der Druckerei vielleicht. Die verbraucht nun deutlich mehr bunte Farben (393 Tonnen im Jahr) als schwarze Farbe (295 Tonnen).


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