MDR kommt einfach nicht zur Ruhe: Weiterer Manager des Senders im Visier der Staatsanwaltschaft
Matthias Weidemann
04.11.2011
Karola Wille versprach eine neue Unternehmenskultur, doch der Schatten erweist sich als länger als gedacht.
Foto: Matthias Weidemann
Es war ein ebenso frommer wie nachvollziehbarer Wunsch, den Karola Wille anlässlich ihres Amtsantritts als MDR-Intendantin geäußert hatte: Nämlich, dass Ruhe und Ordnung einkehren sollten und das Vertrauen wiederhergestellt werden sollte angesichts der Kika-Affäre und des Skandals um den umtriebigen Unterhaltungschef Udo Foht.
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Jetzt hat auch die Senderchefin feststellen müssen, dass Wille, Wunsch und Wirklichkeit leider weit voneinander entfernt sind. Denn laut Kress-Report gibt es schon wieder neue Schlagzeilen, die den mitteldeutschen Vorzeigesender einmal mehr in schlechtes Licht rücken. So soll der Herstellungsleiter der Fernsehunterhaltung, Nobert May, ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten und vom Sender mit sofortiger Wirkung freigestellt worden sein. Im Zuge des Ermittlungsverfahrens gegen den MDR-Unterhaltungschef Udo Foht sei nunmehr auch ein Ermittlungsverfahren gegen Norbert May eingeleitet worden.
Das habe die Staatsanwaltschaft Leipzig mitgeteilt, so der MDR laut Kress am Freitag. Für die Dauer der Ermittlungen habe man Norbert May von seiner dienstlichen Tätigkeit freigestellt. Der MDR werde bei der Staatsanwaltschaft Akteneinsicht beantragen. Diese Meldung konterkariert ein Interview mit dem ausgeschiedenen MDR-Intendanten Udo Reiter, das (vom eigenen Sender) geführt wurde und in dem Reiter einmal mehr betonte, dass durch die undurchsichtigen Aktionen des Udo Foht dem Sender schließlich kein finanzieller Schaden entstanden sei. Und es klang in der fränkisch-bayrisch anmutenden Hemdsärmlichkeit des Ex-Intendanten so, als sei das alles gar nicht so schlimm, eine Lappalie eben.
Die Presse habe es eben so aufgebauscht und erst aus einer Nichtigkeit einen Skandal gemacht. Was soll aber bitte ein Redakteur jemandem im Interview sagen, der eigentlich sein eigener Chef ist? Soll er ihm weiter mit kritischen Fragen auf den Geist gehen oder sagen: „Danke für das ausführliche Interview, Chef... äh... Herr Professor Reiter.“ Weiter vom Prinzip des unabhängigen Journalismus kann man wohl kaum entfernt sein. Das jedoch auch noch (nicht zum ersten Mal) dem mündigen Zahler öffentlich-rechtlicher Gebühren als ein unabhängiges Interview anzudrehen, grenzt, mit Verlaub, an Häme. Man darf, kann und will hoffen, dass sich das bei Karola Wille endlich ändert. Wenn schon ein Interview, dann bitte nicht mit Journalisten des eigenen Senders. Wo bleibt da die Glaubwürdigkeit? Genau: Im Eimer.
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