Fortführung in Gefahr: Wählervereinigung und Grüne beantragen weitere Unterstützung für Radio Blau
Redaktion
08.11.2011
Radio Blau braucht auch 2012 Zuschuss.
Foto: Ralf Julke
"Gerade die traditionsreiche Bürgerstadt Leipzig, gerade Leipzig als Stadt der Friedlichen Revolution ist dem Modell eines freien, nichtkommerziellen Bürgerradios verpflichtet", meint Bert Sander, Stadtrat der Wählervereinigung Leipzig und Mitglied der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. Deswegen hat die Fraktion auch eine Projektförderung für den Radio-Verein Leipzig e. V. in Höhe von 10.000 Euro beantragt.
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Die aktuelle "Studie zur Leipziger Medien- und Kreativwirtschaft 2010" von Prof. Bentele, Dr. Liebert u. a. erfasst unter den Unternehmen/Organisationen der Medien- und Kreativwirtschaft in der Rubrik "Rundfunk und Medien" auch Radio Blau als wichtigen Bestandteil.
"Es wäre demnach also ein fatales Zeichen für die zukünftige substantielle Ausgestaltung des Clusters Medien- und Kreativwirtschaft, wenn gerade das einzige Bürgerradio der Stadt den Sparzwängen zum Opfer fallen sollte", meint Sander.
Radio Blau unterstütze durch seine Berichterstattung zahlreiche Projekte der Kreativwirtschaft - etwa den Hörspielsommer, die Leipziger Buchmesse, Designer's Open, die Leipziger Jazztage, das Ancient Trance Festival, die Musikmesse Pop Up, den D21 Kunstraum und den Leipziger Christopher Street Day.
Radio Blau braucht auch 2012 Zuschuss.
Foto: Ralf Julke
"Gerade auch durch diese Präsenz von Radio Blau werden für die Kreativwirtschaft zusätzliche, überregionale Marktzugänge organisiert", meint Sander. "Radio Blau hat Potenzial für das lokale, kulturelle und kreative Potenzial der Stadt, die Hochkultur und die freie Szene."
Dass Leipzig seit 2010 zum Netz der "Creative Cities" gezählt wird, sei auch ein Verdienst von Radio Blau.
"Nachdem allein 2010 eine Einmalzahlung für Radio Blau geplant war, konnten wir für dieses Jahr gegen den Willen der Stadtverwaltung wieder die 10.000 Euro zur Fortführung des Senders sichern", resümiert der Stadtrat. Sieht aber das nächste Finanzloch auf das Bürgerradio zurollen.
Die Situation für den Radiosender bleibe prekär, so Sander. Ohne die beantragte Förderung von 10.000 Euro sei der Betrieb 2012 nicht mehr aufrechtzuerhalten, und das, obwohl die Radioverantwortlichen und Vereinsmitglieder seit 2011 das gesamte Programm und die gesamte Sendestruktur ehrenamtlich koordinieren und organisieren. Die laufenden Kosten für Miet- und Betriebskosten, Energie- und Versicherungsanteile, für die Sende- und Leitungskosten zur Ausstrahlung des Programms, Arbeitsmittel und andere Sachkosten belaufen sich auf etwa 43.000 Euro im Jahr. Gefördert werden davon allein 8.600 Euro anteilige Sende- und Leitungskosten durch die Sächsische Medienanstalt. Erschwerend kommt hinzu, dass es ab Dezember 2011 keine geförderten Mitarbeitenden mehr bei Radio Blau geben wird, denn nach dem Auslaufen von drei AGH-Stellen im April dieses Jahres endet auch die seit 2008 geförderte Kommunalkombi-Stelle für journalistische Bildung.
Und obwohl das Dezernat Wirtschaft und Arbeit die Medien- und Kreativwirtschaft nun endlich als ernsthaften wirtschaftlichen Faktor wahrnehme und in seine politischen Strategien einzubauen versuche, sei wieder für 2012 von der Verwaltung kein Geld in dieser Position eingestellt.
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