Jugendpresse Sachsen und Schülerzeitungs-Akademie: Oft fehlt den jungen Redakteuren nur ein kleiner Mutmacher
Daniel Thalheim
27.01.2012
Das Team der Jugendpresse Sachsen.
Bild: Jugendpresse Sachsen
Vom 30. März bis 1. April findet in Dresden die erste Schülerzeitungs-Akademie statt. Initiator ist der Verein Jugendpresse Sachsen e.V. Die L-IZ sprach mit der Landesvorsitzenden Isabell Modla und ihrer Stellvertreterin Susann Kriegsteiner sowie Fabienne Kinzelmann, der Projektleiterin der Schülerzeitungs-Akademie. Sie erzählen über das Werden von Schülerzeitungen, ihren Potentialen und ihren persönlichen Weg zum Journalismus.
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Ende März startet die erste Sächsische Schülerzeitungs-Akademie der Jugendpresse. Warum erst jetzt?
Modla: Die Schülerzeitungs-Akademie ist nicht unsere erste Veranstaltung für den journalistischen Nachwuchs. Wir bieten schon lange mobile Akademien an, das sind eintägige Workshops für die Redaktionen, mit denen wir direkt an Schulen fahren, und organisieren Seminare zu journalistischen Themen. Nachdem die mobilen Akademien nun zu einer festen Größe in unserem Programm geworden sind und wir über die notwendigen Erfahrungen und die organisatorische Struktur für größere Projekte verfügen, haben wir uns überlegt, was wir Neues auf die Beine stellen können. Dabei haben wir nach etwas gesucht, das den jungen Schülerzeitungs-Machern auch Möglichkeiten zur Vernetzung untereinander bietet. So wurde nach und nach die Idee der Schülerzeitungs-Akademie geboren und wir sind sehr stolz, dass wir die Sächsische Zeitung als Kooperationspartner mit ins Boot geholt haben.
Kümmert sich um die Schülerzeitungs-Akademie: Fabienne Kinzelmann.
Bild: Jugendpresse Sachsen
Warum ist das Akademie-Wochenende notwendig für Nachwuchs-Journalisten?
Kinzelmann: Die Schülerzeitungs-Akademie ist vor allem sinnvoll für Schülerzeitungsmacher. Es geht darum, dass die Nachwuchstalente journalistische Kompetenzen erwerben, die sie dann in ihren Schülerzeitungen umsetzen können. Dafür erstellen sie vor Ort Beiträge unter der Anleitung von Profis. Anders als bei einer mobilen Akademie, bei der die gesamte Redaktion alle Bereiche durchläuft, können sich die jungen Journalisten bei der Schülerzeitungs- Akademie auf einen speziellen Bereich konzentrieren und sich so ganz besonderes Fachwissen aneignen.
Welche Angebote gibt es?
Kinzelmann: Die Layouter erhalten Tipps für die Gestaltung ihrer Zeitung, die Redakteure schreiben Beiträge und die Chefredakteure lernen, wie man eine Redaktion leitet, Nachwuchs anspricht und die Finanzierung abdeckt.
Modla: Neben den handwerklichen Grundlagen ist es in diesem Berufsfeld aber auch wichtig, über ein gutes Netzwerk zu verfügen. Meist ist es für die jungen Redakteure nicht so einfach, mit anderen Schülerzeitungsredakteuren in Kontakt zu treten. Hier wollen wir ansetzen und Schülerzeitungs-Macher aus ganz Sachsen zusammenbringen, damit sie ihre Erfahrungen austauschen und sich gleichzeitig Feedback von erfahrenen Schülerzeitungsredakteuren holen können – vielleicht stehen sie dann später auch auf dem Siegertreppchen eines Wettbewerbes, wie dem Sächsischen Jugendjournalistenpreis, den wir gemeinsam mit dem Kultusministerium ausrichten.
Landesvorsitzende Isabell Modla.
Bild: Jugendpresse Sachsen
Wo bemerkt ihr Defizite bei den Schülerzeitungen?
Krieglsteiner: Oftmals beim journalistischen Handwerk. Viele Schüler sind engagiert, wollen schreiben und ihre Meinung äußern, überblicken aber oftmals gar nicht, welche Möglichkeiten sie eigentlich haben. Mit der richtigen Darstellungsform können Themen für die Leser viel interessanter aufbereitet werden; das wissen viele Schülerzeitungsredakteure einfach noch nicht. Auch die journalistische Sorgfältigkeit wird bei Schülerzeitungen nicht immer ernst genommen. Hier liegt der Grund oftmals in fehlendem Know-How. Ein weiterer Bereich, in dem wir Defizite sehen, ist die Themenfindung und Themenumsetzung.
Inwiefern?
Krieglsteiner: Schülerzeitungs-Redakteure haben oft sehr gute Ideen, wissen aber nicht immer, wie sie aus dem, „was auf der Straße liegt“, dann auch eine gute Story machen, die auch noch zielgruppengerecht aufbereitet ist. Oft trauen sich die jungen Journalisten nicht, neue Dinge auszuprobieren oder auch mal schwierige Themen anzugehen, weil sie einfach nicht erkennen, wie und wo sie anfangen sollen.
Für welche journalistische Themenfelder interessieren sich Schülerzeitungsmacher in der Regel?
Kinzelmann: Vordergründig natürlich für jugendrelevante Themen, was sie gerade selber beschäftigt, was sie aus dem persönlichen Umfeld kennen. Das können Ereignisse sein wie die letzte Klassenfahrt oder ein Konzertbesuch, das können aber auch soziale Brennpunktthemen wie Magersucht und Drogenkonsum sein.
Krieglsteiner: Kreative Themen finden wir leider nicht immer in den Zeitungen. Deswegen wollen wir die Schülerzeitungs-Macher motivieren, sich auch einmal zu trauen, etwas anderes zu machen. Eine Schülerzeitung hatte bei einer mobilen Akademie das Thema Alkoholverkauf an Minderjährige geäußert und dass da rechtliche Vorschriften oft nicht eingehalten werden. Wir haben die Redakteure dann dazu ermutigt, doch einfach selber einen Test zu machen und zu sehen, wie die Geschäfte in ihrem Wohnort damit umgehen. Das Ergebnis haben sie dann in der nächsten Ausgabe ihrer Schülerzeitung veröffentlicht. Oft fehlt den jungen Redakteuren nur ein kleiner Mutmacher.
Susann Krieglsteiner.
Bild: Jugendpresse Sachsen
Was interessiert euch am Journalismus und wie seid ihr darauf gestoßen?
Krieglsteiner: Ganz klassisch über die Schülerzeitung. Ich wollte mich damals an der Schule engagieren, am Geschehen mitwirken und durchaus auch verändern. Die Schülerzeitung ist das beste Sprachrohr, um nicht nur selbst etwas zu bewegen, sondern auch um seinen Mitschülern die Gelegenheit zu bieten, sich einbringen zu können. Als Journalist muss man sich manchmal auch zum Ziel durchkämpfen und dabei lernt man auch sich selbst besser kennen.
Modla: Ich habe die Schülerzeitung immer gerne gelesen, aber erst während der Ausbildung angefangen für das Magazin meiner Bildungseinrichtung zu schreiben. In dieser Zeit habe ich auch redaktionelle Praktika bei einer maltesischen Zeitung sowie einer TV-Produktionsfirma absolviert.
Während meiner Ausbildung lernte ich die Jugendpresse Sachsen kennen und bin auch noch jetzt begeistert von den Möglichkeiten, die der Verband dem medieninteressierten Nachwuchs bietet. So war ich auf Recherchereise in Istanbul und Moskau, habe Teilnehmer beim Besuch des Europäischen Parlaments in Brüssel begleitet. Inzwischen kümmere ich mich vorrangig darum, dass auch andere Jungjournalisten Möglichkeiten zur Weiterbildung haben und organisiere daher verschiedene Seminare und Veranstaltungen. Dass man dabei auch noch viele wunderbare und nette Leute kennenlernt, ist ein prima Nebeneffekt.
Kinzelmann: Die Schülerzeitung ist der einzige Papierhaufen in der Schule, den Lehrer nicht bewerten dürfen. Außerdem kann man dort seine Meinung sagen, am Schulgeschehen mitwirken und so vielleicht auch etwas verändern. Das Spannende am Journalismus ist ja auch, dass man immer wieder interessante Geschichten kennenlernen darf und ganz tolle Leute trifft, das ist für Schüler auch aufregend.
Habt ihr noch einen Tipp, wie sich fortgeschrittene Nachwuchs-Journalisten einen guten Stil aneignen können?
Krieglsteiner: Bleibt euch treu, seid kritisch, verliert eure Neugierde nicht, werdet zu "Machern“. Nehmt eure Chancen wahr, die euch geboten werden, schreibt, schreibt und schreibt.
Kinzelmann: Und kommt am 30. März zur Schülerzeitungs-Akademie nach Dresden.
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