Hundert, Heft 2: Die Deutsche Nationalbibliothek im digitalen Zeitalter
Ralf Julke
19.05.2012
"Hundert" Nr. 2: Klangraum.
Foto: Ralf Julke
"Sprachraum" hieß das erste Jubiläumsheft der Deutschen Nationalbibliothek, die in diesem Jahr ihren 100. Geburtstag feiert. "Klangraum" heißt das zweite. Und müsste doch auch virtueller Raum heißen. Denn hier überschneiden sich die Welten. Und die Nationalbibliothek steht vor Herausforderungen, deren Lösung noch völlig in den Sternen steht.
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Denn bevor es um Musik geht und all die Freuden des modernen Urheberrechtsschutzes, geht es um einen nun schon vor sechs Jahren erteilten Sammelauftrag: Die Deutsche Nationalbibliothek soll seitdem auch Netzpublikationen sammeln. Denn die Entwicklung des Internet hat auch eine Differenzierung zur Folge gehabt: Nicht alles, was für den täglichen Lesebedarf der Deutschen produziert wird, erscheint noch in gedruckter Form.
Das betrifft nicht nur Bücher, die immer öfter als E-Book oder Print-on-demand-Publikation erscheinen, das betrifft auch Dissertationen und ganze Zeitungen. Während man sich die PDF-Version von Büchern durchaus schicken lassen und sie zentral speichern kann, wird es bei Online-Zeitungen schon schwierig. Im ersten Schritt machte man es sich einfach: Man ließ sich die E-Paper-Version der Print-Zeitungen schicken. Was natürlich eher Mumpitz ist, weil die Zeitung ja zumeist in gedruckter Form genauso aussieht. Das eigentlich drängende Problem aber hält die Fachleute bis heute in Atem: Wie bewahrt man all das andere, was an relevanter Textproduktion im Netz passiert, für spätere Generationen? Wie und was speichert man da?
Technisch ist man zwar mittlerweile so weit, das Netz auf die relevanten Seiten hin zu durchkämmen. Web-Harvesting nennt sich das Prinzip. Die Gefahr dabei - so Reinhard Altenhöner, IT-Leiter der Deutschen Nationalbibliothek - ist der überflüssige Beifang. Mit unübersichtlichen Datenbergen ist niemandem gedient. Und die Speicherung soll ja auch so sinnvoll und übersichtlich erfolgen, wie das bislang mit den Druckmedien auch passiert.
"Hundert" Nr. 2: Klangraum.
Foto: Ralf Julke
Ob der Spagat gelingt, wird ab Sommer 2012 zu sehen sein. Dann wird die digitale Bibliothek der Deutschen Nationalbibliothek mit den Ergebnissen des Web-Harvesting befüllt. "Nur durch Archivierung der Inhalte kann das digitale kulturelle Erbe für zukünftige Generationen bewahrt werden", schreibt Ulrich Erler. Und weist auf den durchaus wichtigen Fakt hin, dass die Lebensdauer von Web-Ressourcen in der Regel 100 Tage beträgt. Dann werden Inhalte oft gelöscht, überschrieben, ausgetauscht. Denn das Netz bildet ja die aktuelle Kommunikation ab, ist nicht als Archiv konzipiert, auch wenn Mega-Kraken wie Facebook alles archivieren, was ihnen in die Fänge kommt.Und dann an der Börse versilbern.
Auch deshalb sind die meisten Diskussionen um Internet und Urheberrecht so dissonant. Denn die Arbeitsprinzipien der Deutschen Nationalbibliothek zeigen, wie man mit geistigem Eigentum so schützend wie möglich umgeht. Auch die geernteten Ergebnisse aus dem Internet landen nicht wieder in großen Maschinen, die sie dem nächstbesten Kunden als Marketingmasse anbinden. Lesen kann man das Geerntete wieder nur im geschätzten Raum der Bibliothek selbst. Zu Studien- und Forschungszwecken etwa.
Noch knobeln die Verantwortlichen freilich an den richtigen Ordnungssystemen. Denn die digitalen Pakete sind um ein Vielfaches komplexer als die traditionellen Printprodukte. Max Dax etwa schreibt in diesem Heft einen recht bedenkenswerten Artikel über die Probleme der Archivierung etwa aller Bob-Dylan-Auftritte. Irgendwo bei 3.000 Konzerte sind das, fast alle von begeisterten Dylan-Anhängern mitgeschnitten, im analogen Zeitalter auch analog getauscht - doch mittlerweile digital in der Welt. Jedes Konzert ein Unikat, denn Dylan liefert seinen Konzertbesuchern niemals Dutzendware, überrascht mit immer neuen Interpretationen und Stücken. Wie archiviert man so etwas? Und schafft auch noch all die logischen Verknüpfungen, von denen Webmaster so gern träumen?
Und wie macht man das dann mit anderen, ebenso aktiven Musikern? Dass die klassischen Formate von Schellackplatte bis CD im Deutschen Musikarchiv, das seit 2010 in der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig heimisch ist, zu finden sind - keine Frage. Aber auch hier wird mit modernster Technik digitalisiert, bevor ein Tonwerk herausgegeben wird. Wie komplex die Arbeit des Archivs ist, erzählt Christian Sälzer. Und fast nahtlos ist natürlich die Überleitung zu den aktuellen Urheberrechtsdiskussionen.
Dass man da gerade in der arg gebeutelten Musikbranche schon ein ganzes Stück weiter ist als in der deutschen Presselandschaft, diskutiert Ulrich Erler in einem Interview mit dem Medienunternehmer Tim Renner. Der natürlich auch freundlich darauf hinweist, dass auch andere Länder da schon weiter sind als Deutschland. Denn beim Urheberrecht geht es nicht wirklich ums Recht des Urhebers auf eine anständige Honorierung. All die Gesetzeswerke wie ACTA lenken davon nur ab, in denen geht es eher um den Zugriff von großen Konzernen auf das geistige Eigentum anderer. Nicht ohne Grund steht dort in riesengroßen Lettern das Wort "Produktpiraterie" über allen Paragraphen. Das hat mit kreativem Schaffen nichts zu tun. Genauso wenig wie das deutsche Abmahnungswesen, das längst zu einer ganz eigenen Art von Wegelagerei und Piraterie geworden ist.
Das Grundproblem ist: Die großen Torwächter haben noch immer nicht akzeptiert, dass sich die Wege der Distribution verändert haben, dass ein produzierender Konzern nicht mehr den Markt beherrscht, weil er über die Verteiler verfügt. Das Internet macht heute jeden zum Verteiler und zum Käufer. Und die Engpässe entstehen genau dort, wo die Inhaber der Rechte ihr Produkt nicht zu einem fairen Preis oder gar nicht anbieten. Wo Preis und Qualität stimmen und dem Nutzer barrierefrei zur Verfügung stehen, werden die Produkte - seien es Musikstücke oder Filmclips - auch gekauft. Illegale Download-Börsen wie Megaupload oder kino.to haben die Lücke nur gnadenlos ausgenutzt. Sie haben den Suchenden das als illegalen Download angeboten, was die großen Rechteinhaber im Netz nicht anbieten wollten.
Auch die Zeitreise durch die Geschichte der Nationalbibliothek wird in diesem Heft fortgesetzt - in diesem Teil die Geschichte der zwei deutschen Nationalbibliotheken. Denn in Frankfurt am Main entstand ja 1946 ein westdeutsches Pendant, nachdem keineswegs mehr klar war, ob die neuen Machthaber im Osten die gesamtdeutsche Sammelaufgabe in Leipzig weiter zulassen würden. Die Gefahr bestand tatsächlich. Helmut Rötzsch, von 1961 bis 1990 Direktor der Deutschen Bücherei, erzählt aus dieser Zeit, in der er durchaus auch mal unkonventionelle Ministerunterstützung bekam, als die DB aus allen Nähten zu platzen drohte. Und das Wichtigste: Die Beziehungen auch zum Westen blieben erhalten, die westdeutschen Verleger beschickten das Leipziger Haus auch in den kalten Jahren mit kostenlosen Belegexemplaren, so dass es 1990, als beide Häuser zusammengeführt wurden, keine nennenswerten Lücken im Leipziger Bestand gab.
Dafür viele Geschichten über die "Giftkammer", in der aber auch in DDR-Zeiten nur ein kleiner Teil der Bestandes steckte, etwa der aus der NS-Zeit. Die Buchproduktion aus westdeutschen Verlagen war praktisch immer verfügbar. Das dritte Heft der "Hundert"-Reihe erscheint im Juli.
Im Rahmen des Wave-Gotik-Treffen 2013 in Leipzig präsentieren die Passage Kinos am Sonntag, dem 19. Mai um 11:30 Uhr in den Passage Kinos den Horrorfilm Evil Dead – das Remake des Originals „Tanz der Teufel“ (OT: The Evil Dead) aus dem Jahr 1981. Für WGT-Besucher mit einem gültigen Festival-Bändchen ist der Eintritt frei! mehr…
Auszüge aus Liedsammlungen des Bach-Umkreises erklingen am Pfingstsonntag, dem 19. Mai, um 15 Uhr im barocken Sommersaal des Bach-Museums Leipzig im Rahmen eines moderierten Konzerts. In der Interpretation von Studenten der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig werden ausgewählte Lieder von Thomaskantor Johann Friedrich Doles (1715-1797) und Johann Ernst Bach (1722-1777) voraussichtlich erstmals wieder seit der Mitte des 18. Jahrhunderts aufgeführt. mehr…
Pfingsten gilt als der Geburtstag der Kirche. Für die sächsische evangelische Landeskirche bedeutsam ist zugleich das Pfingstfest 1539. Gottesdienste nach evangelischer Lehre in Anwesenheit Martin Luthers symbolisieren die Einführung der Reformation in Leipzig. Für Superintendent Martin Henker „mehr als ein städtisches, nur lokales Ereignis“. mehr…
Um nun den Politikern den Elster-Saale-Kanal attraktiv zu machen, schlagen die Analysten der "Touristischen Potenzialanalyse" ja auch noch eine Aufwertung des eigentlich komplett langweiligen Gebietes um den Kanal herum vor. "Das Kerngebiet ist das einzige Gebiet rund um Leipzig, in dem touristisch außer Geschäftsreisetourismus bislang wenig passiert ist. Trotz seiner zentralen Lage liegt das Gebiet abseits der touristischen Ströme. Dies gilt nicht nur für den privat motivierten Urlaubstourismus, sondern auch für den Tagestourismus." mehr…
Es hat ein bisschen gedauert, aber irgendwann hat man sich auch durch die 400 Seiten "Touristische Potenzialanalyse und Betrachtung der Grobvarianten der Trassen des Projektes Anbindung des Elster-Saale-Kanals an die Saale für das Gebiet der sächsischen und sachsen-anhaltinischen Kommunen und Landkreise" gewühlt - 2011 erstellt und 2013 Grundlage jener Leipziger Ratsvorlage, die eine Zustimmung des Stadtrates für den 106 Millionen Euro teuren Ausbau des Kanals abholen will. mehr…
"Tatatata!" macht das Sächsische Kultusministerium am gestrigen Freitag, 17. Mai. Zum kommenden Schuljahr 2013/2014 wolle man 510 Neueinstellungen von Lehrkräften an den allgemein- und berufsbildenden Schulen vornehmen, verkündete es. Darüber hinaus sollen im Umfang von 83 Stellen bis zum Ende des laufenden Schuljahres befristete Arbeitsverhältnisse zum neuen Schuljahr entfristet werden. mehr…
Dem SC DHfK fehlt nur noch ein Punkt zum Klassenerhalt. Nach einem 29:26 (13:12)-Heimsieg der 2.Liga-Handballer gegen Eintracht Hildesheim scheint das Minimal-Saisonziel greifbar nah. Im zweiten und letzten Heimspiel von Michael Biegler trumpften vor allem Gabor Pulay, Matthias Gerlich und die 1.699 Zuschauer groß auf. Der Funke solle überspringen, forderte Aufsichtsrat und Co-Trainer Stefan Kretzschmar im Vorfeld der Heim-Partie gegen Hildesheim vom Publikum. mehr…
Viel zu trinken soll ja gesund sein und den Körper von innen schön feucht halten, so wird’s gesagt. Aber immer nur stilles Wasser oder ungesüßten Tee hinter zu gluckern ist irgendwann einfach öde und man verzehrt sich nach etwas frischem, spritzigem, mit feinem Geschmack. Natürlich könnte man sich in Momenten wie diesen ganz einfach eine Saftschorle mixen oder eine Cola einverleiben. Könnte man, theoretisch. mehr…
Pöbeleien und schwerste Beleidigungen über soziale Netzwerke nehmen immer mehr zu. Nach einer aktuellen Untersuchung des Bündnisses gegen Cyber-Mobbing war bundesweit bereits fast jeder fünfte Schüler und Jugendliche Opfer einer solchen Attacke. "Auch in Leipzig nimmt das Problem immer mehr zu", berichtet Villa-Geschäftsführer Oliver Reiner. mehr…
Ersatzbusse fahren in Stötteritz am Wochenende 25./26. Mai zwischen dem Haltestellen Altes Messegelände und Stötteritz, Holzhäuser Straße ersatzweise für die Straßenbahnlinie 4. Grund dafür sind die andauernden Bauarbeiten der DB AG an der Eisenbahnbrücke in der Stötteritzer/ Papiermühlstraße in Höhe der Schönbachstraße, teilen die LVB mit. In den Nächten vom 24. bis 26. Mai fährt zudem der Nachtbus N8 mit örtlicher Umleitung. mehr…
Aus gesundheitlichen Gründen muss der für den 22. Mai 2013 im Literaturhaus Leipzig geplante Auftakt der neuen Veranstaltungsreihe "Zwie Sprache" mit Nadja Küchenmeister (Berlin) und Andreas Reimann (Leipzig) auf den Spätsommer verschoben werden. Am Mittwoch, 22. Mai, startet im „literaturcafé“ vom Haus des Buches um 19:30 Uhr mit „Zwie Sprache“ eine neue Veranstaltungsreihe. Zu erleben sind in der Begegnung „Zwei Stimmen, zwei Schreibweisen, zwei Temperamente“. Den Auftakt der neuen Lesereihe, die künftig zweimal pro Jahr stattfinden soll, bilden Nadja Küchenmeister und Andreas Reimann. mehr…
Das deutsch-türkische Verhältnis ist leidlich verworren. Die etwa 1,6 Millionen Türken in Deutschland stellen nicht nur die größte Minderheit, sie sind auch Teil einer deutschen Gesellschaft, die sich allzu oft darüber definiert, eben diesen Teil zu diskriminieren. Zu den Rufen nach einer Leitkultur gesellen sich mediale Debatten über den EU-Beitritt der Türkei, die Geschichte der Gastarbeiter in Deutschland, Kopftücher und Religionsfreiheit, die Integrationsproblematik und ihr Scheitern, Moscheenbau, Döner Kebab, Parallelgesellschaft. mehr…
Am Samstag, 25. Mai, findet zum 21. Mal in Leipzig der Aktionstag Lehrstellen statt. Auch in diesem Jahr präsentieren sich etwa 150 Unternehmen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen von 10 bis 14 Uhr im Zentrum für Aus- und Weiterbildung Leipzig am Ritterschlösschen und suchen ihren Fachkräftenachwuchs. Der größte Open-Air-Berufsorientierungstag in Mitteldeutschland hat mittlerweile einen festen Platz im Veranstaltungskalender von Jugendlichen, Eltern und Unternehmen der Region gefunden. mehr…
Auch Opa wird nicht vergessen in dieser kleinen Reihe, die Barbara Brüning aufgelegt hat. Man freut sich ja immer über solche kleinen Geschenkideen für die liebe Verwandtschaft. Und immer nur Zigarren und Schnaps kann man ja Opa auch nicht schenken. Einen neuen Bierhumpen für seine Sammlung - oder doch besser ein Buch voller Kreuzworträtsel? Opa ist ein schwieriges Thema. mehr…
Am Donnerstag, den 02.05.2013, lud der OV Ost der Leipziger SPD Mitglieder sowie interessierte Bürgerinnen und Bürger zu einer Informationsveranstaltung zum Ausbau von Kita-Plätzen in der Stadt ein. Bildungsbürgermeister Thomas Fabian stellte dabei Bedarfszahlen dar und sprach über Mittel und Wege sowohl kommunaler Träger als auch privater Organisationen im frühkindlichen Bildungsbereich. mehr…
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- Termine Stadtrat 2013 am 23.01., 20.02., 20.03., 17.04., 15.05., 19.06., 10.07., 18.09., 16.10., 21.11., 11.12.
- Positionierung: in ungeraden Monaten: Die Linke oben, Die Grünen unten