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Die Schildbürger und Facebook: Sachsen sucht die Zukunft des Lernens in sozialen Quasselbuden

Redaktion
Manche halten digitales Schnattern für Bildung.
Manche halten digitales Schnattern für Bildung.
Foto: Ralf Julke
An der TU Dresden ist ein neues Forschungsprojekt zum Thema "Lernen in Sozialen Medien" angelaufen, meldete am Donnerstag, 9. August, das Wissenschaftsministerium. Unter dem Titel „Software Engineering Sozialer und Allgegenwärtiger Medien“ (SESAM) will eine interdisziplinär zusammengesetzte Nachwuchsforschergruppe in den nächsten zweieinhalb Jahren dem Potenzial der neuen Medien für die Wissensvermittlung und das selbst motivierte Lernen von jungen und älteren Menschen auf den Grund gehen.

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Das Sächsische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst fördert dieses Vorhaben über Mittel des Europäischen Sozialfonds (ESF) mit sage und schreibe 1,8 Millionen Euro. An dem Projekt beteiligt sind die Juniorprofessur für Software Engineering ubiquitärer Systeme (SEUS), die Juniorprofessur Emerging Communications and Media und die Juniorprofessur für Kunst und ihre Didaktik mit dem Schwerpunkt neue Medien. Mit SESAM werde der Anspruch der TU Dresden untermauert, exzellente und relevante Forschung im Freistaat Sachsen zu gewährleisten, befindet das Ministerium.

Der Laie staunt. Der Profi wundert sich. Facebook & Co. als neue Schule?

„Die Verbreitung von Sozialen Medien und die steigende Nutzung von mobilen Endgeräten hat dazu geführt, dass Informationen heute allgegenwärtig verfügbar sind. Wie wir diese Technologien nutzen können, um Menschen jeden Alters und sozialen Hintergrunds das flexible Lernen in der Informationsgesellschaft zu erleichtern, darauf richtet sich unser Forschungsinteresse“, erklärt Juniorprofessor Dr. Thomas Schlegel von der Fakultät Informatik der TU Dresden, der das Projekt koordiniert. „Neue Modelle und Softwaretechnologien sind notwendig, um Lerninhalte individuell für unterschiedliche Endgeräte, Orte und Situationen verfügbar zu machen.“

Der Wunderglaube, die reine Verfügbarkeit jeder möglichen Information sei schon die Ausgangsbasis für erfolgreiches Lernen, ist augenscheinlich bei den Leuten, die die Kommunikationsplattformen im Internet als Schlüssel zu allen Erfolgen begreifen, unerschütterlich.

Für modernes Lernen sei ein Schreibtisch oder Klassenzimmer nicht mehr unbedingt erforderlich, befindet das Ministerium, das auch Professuren für einen Studienerfolg an sächsischen Hochschulen nicht so wichtig findet.

Informationen könnten per Internet und Mobilfunk heute an jedem Ort zugänglich gemacht werden. Der Nutzer entscheide dann selbst und situationsabhängig, wann und wo er Lerninhalte abrufen möchte.

Kann er das heute noch nicht?

Manche halten digitales Schnattern für Bildung.
Manche halten digitales Schnattern für Bildung.
Foto: Ralf Julke
Und wofür wird das Geld des Steuerzahlers (das ja die Gelder aus dem ESF-Fonds auch nur sind) eigentlich ausgegeben?

Um allgegenwärtiges Lernen zu ermöglichen, wollen die insgesamt neun Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler der Informatik, Kommunikationswissenschaften und Kunstpädagogik gemeinsam an neuen Technologien forschen, erklärt das Ministerium, und innovative Konzepte wollen sie auch erforschen.

"Heutzutage nutzen immer mehr Menschen das Internet und haben damit Zugriff auf gewaltige Datenmengen, vernetzen sich und tauschen sich über vielfältige Themen aus", preist das Ministerium seine neue Fördergabe an. "Die Sozialen Netzwerke wie Facebook, Twitter oder auch YouTube haben dabei das Informations- und Kommunikationsverhalten insbesondere der jungen Generation revolutioniert. Der internationale Austausch, das gemeinsame Arbeiten an Projekten über Ländergrenzen hinweg, das Teilen von Informationen mit vielen – all dies ist für junge Menschen bereits gelebter Alltag. Doch auch immer mehr ältere Menschen entdecken die Neuen Medien und deren Vorteile."

Das hätte auch in einer Werbebroschüre der drei Unternehmen stehen können. Wissenschaftlich klingt das nicht. Bewiesen ist davon so gut wie nichts.

Also noch einmal die Frage: Was soll mit den 1,8 Millionen Euro nun angestellt werden?

"Die Nachwuchsforschergruppe geht der Frage nach, inwiefern Soziale Medien für die Wissensaneignung dieser unterschiedlichen Anwender nutzbar gemacht werden können. Im Fokus steht dabei die Frage, ob Soziale Medien das Potenzial haben, junge und ältere Menschen hinsichtlich des Lernens zusammenzubringen und welche Informationstechnologien und Methoden hierfür eingesetzt werden können und entwickelt werden müssen. Um die individuelle Wissensaneignung und die Anforderungen älterer Menschen zu ermitteln, kooperiert das junge Forscherteam eng mit der Dresdner Seniorenakademie."

Das klingt dann schon anders. Irgendwie, als sei nach all der Werbemusik auf einmal die Luft raus. Junge Leute sollen älteren Semestern zeigen, wie sie in den sozialen Quasselbuden die Informationen bekommen, die sie suchen.

Irgendwie bestätigt sich der alte Verdacht: Trau keiner Professur, die nicht in der Lage ist, sich in simplem Deutsch zu beschreiben. Dahinter steckt dann nur - auf Englisch - heiße und teure Luft. Die Juniorprofessur von Thomas Schlegel nennt sich Juniorprofessor für Software Engineering ubiquitärer Systeme (SEUS). "Ubiquitär" heißt einfach "überall vorkommend".

Professor Georg Christoph Lichtenberg hätte ganz sicher seinen Spaß mit so einer Professur gehabt. Auch als Senior-Professor.

"Die hochqualifizierte Ausbildung und Förderung von Nachwuchsforschern ist ein wichtiger Motor für den Wissenschaftsstandort Sachsen. Die Ergebnisse zielen auf eine breite Einsetzbarkeit in Wirtschaft und Gesellschaft ab. Denn fortschrittliche soziale Bildungs- und Informationsnetzwerke für den Freistaat stärken die Region und ihre Attraktivität für hochqualifizierten Nachwuchs", trötet das Ministerium noch hinterher. Und tut geradeso, als hätten die sozialen Quasselbuden überhaupt schon irgendetwas für die Bildung von irgendwem bewirkt.

Man könnte ja dasselbe Forschungsprojekt auch mit einem anderen schönen "ubiqitären System" umsetzen: Litfaßsäulen zu Beispiel. Funktionieren seit 150 Jahren, stehen überall rum und junge und alte Leute laufen dran vorbei und lernen genauso viel wie bei Twitter und Facebook.

Und was schreibt das Ministerium drüber über so eine Nachricht? - "Sachsen erforscht die Zukunft des Lernens". Das möchten wir gern mal sehen.

Wofür der ESF-Fonds eigentlich gedacht ist, kann man hier nachlesen:
http://de.wikipedia.org/wiki/ESF


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