Die Schildbürger und Facebook: Sachsen sucht die Zukunft des Lernens in sozialen Quasselbuden
Redaktion
10.08.2012
Manche halten digitales Schnattern für Bildung.
Foto: Ralf Julke
An der TU Dresden ist ein neues Forschungsprojekt zum Thema "Lernen in Sozialen Medien" angelaufen, meldete am Donnerstag, 9. August, das Wissenschaftsministerium. Unter dem Titel „Software Engineering Sozialer und Allgegenwärtiger Medien“ (SESAM) will eine interdisziplinär zusammengesetzte Nachwuchsforschergruppe in den nächsten zweieinhalb Jahren dem Potenzial der neuen Medien für die Wissensvermittlung und das selbst motivierte Lernen von jungen und älteren Menschen auf den Grund gehen.
Anzeige
Das Sächsische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst fördert dieses Vorhaben über Mittel des Europäischen Sozialfonds (ESF) mit sage und schreibe 1,8 Millionen Euro. An dem Projekt beteiligt sind die Juniorprofessur für Software Engineering ubiquitärer Systeme (SEUS), die Juniorprofessur Emerging Communications and Media und die Juniorprofessur für Kunst und ihre Didaktik mit dem Schwerpunkt neue Medien. Mit SESAM werde der Anspruch der TU Dresden untermauert, exzellente und relevante Forschung im Freistaat Sachsen zu gewährleisten, befindet das Ministerium.
Der Laie staunt. Der Profi wundert sich. Facebook & Co. als neue Schule?
„Die Verbreitung von Sozialen Medien und die steigende Nutzung von mobilen Endgeräten hat dazu geführt, dass Informationen heute allgegenwärtig verfügbar sind. Wie wir diese Technologien nutzen können, um Menschen jeden Alters und sozialen Hintergrunds das flexible Lernen in der Informationsgesellschaft zu erleichtern, darauf richtet sich unser Forschungsinteresse“, erklärt Juniorprofessor Dr. Thomas Schlegel von der Fakultät Informatik der TU Dresden, der das Projekt koordiniert. „Neue Modelle und Softwaretechnologien sind notwendig, um Lerninhalte individuell für unterschiedliche Endgeräte, Orte und Situationen verfügbar zu machen.“
Der Wunderglaube, die reine Verfügbarkeit jeder möglichen Information sei schon die Ausgangsbasis für erfolgreiches Lernen, ist augenscheinlich bei den Leuten, die die Kommunikationsplattformen im Internet als Schlüssel zu allen Erfolgen begreifen, unerschütterlich.
Für modernes Lernen sei ein Schreibtisch oder Klassenzimmer nicht mehr unbedingt erforderlich, befindet das Ministerium, das auch Professuren für einen Studienerfolg an sächsischen Hochschulen nicht so wichtig findet.
Informationen könnten per Internet und Mobilfunk heute an jedem Ort zugänglich gemacht werden. Der Nutzer entscheide dann selbst und situationsabhängig, wann und wo er Lerninhalte abrufen möchte.
Kann er das heute noch nicht?
Manche halten digitales Schnattern für Bildung.
Foto: Ralf Julke
Und wofür wird das Geld des Steuerzahlers (das ja die Gelder aus dem ESF-Fonds auch nur sind) eigentlich ausgegeben?
Um allgegenwärtiges Lernen zu ermöglichen, wollen die insgesamt neun Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler der Informatik, Kommunikationswissenschaften und Kunstpädagogik gemeinsam an neuen Technologien forschen, erklärt das Ministerium, und innovative Konzepte wollen sie auch erforschen.
"Heutzutage nutzen immer mehr Menschen das Internet und haben damit Zugriff auf gewaltige Datenmengen, vernetzen sich und tauschen sich über vielfältige Themen aus", preist das Ministerium seine neue Fördergabe an. "Die Sozialen Netzwerke wie Facebook, Twitter oder auch YouTube haben dabei das Informations- und Kommunikationsverhalten insbesondere der jungen Generation revolutioniert. Der internationale Austausch, das gemeinsame Arbeiten an Projekten über Ländergrenzen hinweg, das Teilen von Informationen mit vielen – all dies ist für junge Menschen bereits gelebter Alltag. Doch auch immer mehr ältere Menschen entdecken die Neuen Medien und deren Vorteile."
Das hätte auch in einer Werbebroschüre der drei Unternehmen stehen können. Wissenschaftlich klingt das nicht. Bewiesen ist davon so gut wie nichts.
Also noch einmal die Frage: Was soll mit den 1,8 Millionen Euro nun angestellt werden?
"Die Nachwuchsforschergruppe geht der Frage nach, inwiefern Soziale Medien für die Wissensaneignung dieser unterschiedlichen Anwender nutzbar gemacht werden können. Im Fokus steht dabei die Frage, ob Soziale Medien das Potenzial haben, junge und ältere Menschen hinsichtlich des Lernens zusammenzubringen und welche Informationstechnologien und Methoden hierfür eingesetzt werden können und entwickelt werden müssen. Um die individuelle Wissensaneignung und die Anforderungen älterer Menschen zu ermitteln, kooperiert das junge Forscherteam eng mit der Dresdner Seniorenakademie."
Das klingt dann schon anders. Irgendwie, als sei nach all der Werbemusik auf einmal die Luft raus. Junge Leute sollen älteren Semestern zeigen, wie sie in den sozialen Quasselbuden die Informationen bekommen, die sie suchen.
Irgendwie bestätigt sich der alte Verdacht: Trau keiner Professur, die nicht in der Lage ist, sich in simplem Deutsch zu beschreiben. Dahinter steckt dann nur - auf Englisch - heiße und teure Luft. Die Juniorprofessur von Thomas Schlegel nennt sich Juniorprofessor für Software Engineering ubiquitärer Systeme (SEUS). "Ubiquitär" heißt einfach "überall vorkommend".
Professor Georg Christoph Lichtenberg hätte ganz sicher seinen Spaß mit so einer Professur gehabt. Auch als Senior-Professor.
"Die hochqualifizierte Ausbildung und Förderung von Nachwuchsforschern ist ein wichtiger Motor für den Wissenschaftsstandort Sachsen. Die Ergebnisse zielen auf eine breite Einsetzbarkeit in Wirtschaft und Gesellschaft ab. Denn fortschrittliche soziale Bildungs- und Informationsnetzwerke für den Freistaat stärken die Region und ihre Attraktivität für hochqualifizierten Nachwuchs", trötet das Ministerium noch hinterher. Und tut geradeso, als hätten die sozialen Quasselbuden überhaupt schon irgendetwas für die Bildung von irgendwem bewirkt.
Man könnte ja dasselbe Forschungsprojekt auch mit einem anderen schönen "ubiqitären System" umsetzen: Litfaßsäulen zu Beispiel. Funktionieren seit 150 Jahren, stehen überall rum und junge und alte Leute laufen dran vorbei und lernen genauso viel wie bei Twitter und Facebook.
Und was schreibt das Ministerium drüber über so eine Nachricht? - "Sachsen erforscht die Zukunft des Lernens". Das möchten wir gern mal sehen.
Im vierten Anlauf hat es für den 1.FC Lok endlich mit einem Punkt gegen den ZFC Meuselwitz geklappt. Vor 2.774 Zuschauer boten beide Mannschaften lockere Fußballkost mit vier schönen Toren. Im Mittelpunkt stand allerdings der bewegende Heimspiel-Abschied von Lok-Trainer Marco Rose nach geschaffter Mission Klassenerhalt. mehr…
RB Leipzig bleibt diese Saison weiter ungeschlagen. Der Regionalliga-Meister schlug am Sonntag den Tabellenzweiten Carl Zeiss Jena mit 5:4 (3:2). Für die Bullen trafen Kammlott (5., 35.), Schulz (24.), Rockenbach (74.) und Morys (81.). In der Relegation fordern die Leipziger die Sportfreunde Lotte heraus, die ebenfalls am Sonntag mit einem Sieg die West-Meisterschaft klar machten. mehr…
Am Freitag, 17. Mai, war Weltfernmeldetag. Das Statistische Landesamt Sachsens fühlte sich deshalb bemüßigt, mal ein paar Zahlen zu den DSL-Anschlüssen in Sachsen zu veröffentlichen. Ist ja immerhin Streitthema, seit die Telekom beschlossen hat, das Datenbudget der Breitband-Kunden zu drosseln und für Mehrbedarf zur Kasse zu bitten. Aber in Sachsen ist das Thema auch deshalb brisant, weil weder alle Haushalte mit DSL - noch überhaupt mit einem Internetzugang - ausgerüstet sind. mehr…
Die Gretchenfrage der gesamten City-Tunnel-Inszenierung lautet: "Wie hältst Du es mit dem Fernzug?" Der Wunsch nach erhellender Auskunft geht an die Deutsche Bahn, und er wird - je nach Geschäftsbereich und Stimmungslage - mehr oder weniger verschämt beschieden. Meistens mit einem faszinierend eindeutigen "Vielleicht." mehr…
So kurz vor der Neuwahl des Umweltbürgermeisters in der Stadtratssitzung am 10. Juli gibt es noch einmal richtig Ärger für Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal (Die Linke). Ein kleiner Vogel ist nicht schuld daran, auch wenn er Eisvogel heißt. Er wurde im Frühjahr 2013 endlich wieder im Floßgraben gesichtet, nachdem er von Ausbauarbeiten und erstem Bootsverkehr massiv gestört wurde. Nun ist er wieder da. Der Bootsverkehr wurde gedrosselt. mehr…
Man will mit der dem Leipziger Stadtrat präsentierten Variante des Elster-Saale-Kanals mit aller Macht ein touristisches Projekt aus dem Boden stampfen, für das es nicht mal einen Nutzungsdruck gibt. Die Autoren der "Touristischen Potenzialanalyse" versuchen einfach hochzurechnen, wieviele Männer in der Region nach dem Bau des Kanals vielleicht geneigt wären, sich ein Motorboot zuzulegen. mehr…
Am Tag des Eurovision Song Contest bekamen die Lok-Frauen für ihre Darbietung beim 1.FC Lübars null Punkte. Zwar saßen Haar und Kostüm perfekt, doch verdarb eine kurzzeitige Disharmonie schon in der ersten Strophe die gesamte Performance. Nur 9 (neun!) Minuten reichten aus, um sich durch 4 (vier!) Gegentore bereits zur Halbzeitpause den Tag nachhaltig verderben zu lassen. mehr…
Mancher Teilnehmer der Diskussion um das Projekt "Elster-Saale-Kanal" verfolgt schon mit Verwunderung den Vorgang, dass dem Stadtrat von Leipzig am 15. Mai lediglich eine einzige, und zwar die teuerste Variante zum Abnicken vorgelegt werden sollte. Das haben die Grünen erst mal verhindert und eine Verschiebung der Abstimmung auf die Ratsversammlung am 19. Juni beantragt. mehr…
Allein über das Bildungs- und Teilhabepaket werden in Leipzig aktuell an 16 Schulen Schulsozialarbeit finanziert. Die erfolgreiche Förderung zusätzlicher Schulsozialarbeit aus den Mitteln des Bildungs- und Teilhabepakets droht am 31. Dezember 2013 auszulaufen. Auch das Förderprogramm "Chancengerechte Bildung des Freistaates Sachsen", worüber 1,6 Schulsozialarbeiterstellen an der Nachbarschaftsschule finanziert werden, läuft voraussichtlich Anfang 2014 aus. mehr…
Die neue Rundgangreihe zu „Sanierungs- und Fördergebiete“ in der zwischen April und Mai 2013 mehrere Rundgänge zu verschiedenen Themen angeboten werden, geht weiter. Der nächste Rundgang findet am Dienstag, 21. Mai, um 17:30 Uhr vor der Marienkirche, Oberdorfstraße Ecke Lochmannstraße, statt. Es handelt sich um einen Rundgang durch das Sanierungsgebiet Stötteritz, mit Standpunkten an der Marienkirche, dem Gutshof und Herrenhaus. mehr…
Das Familiencafé Yellow möchte unbekannte Lebensmittel vorstellen. Im Kochkurs werden deshalb Rezepte aus der ganzen Welt ausprobiert. Gerichte aus Mexiko, Italien, Indien, Österreich und dem Orient standen bereits auf Speisezettel im Kochkurs. Bei der Zubereitung tragen wir unserem einheimischen Gaumen Rechnung. Das bedeutet, die Speisen werden nicht zu scharf und auch nicht mit zu viel Knoblauch zubereitet. mehr…
Das Ensemble Fimmadur, eine junge Vokal-Formation aus aktiven und ehemaligen Thomanern, lädt am Freitag, 7. Juni zu einem Konzert in die Villa Thomana, Sebastian-Bach-Straße 3. Beginn ist 19:30 Uhr. Karten sind an der Abendkasse erhältlich (10,00 Euro; 8,00/5,00 Euro ermäßigt). Unter dem Titel „Porträt“ veröffentlichten die fünf aktiven und ehemaligen Thomaner im Dezember 2012 ihre erste CD. mehr…
Am Pfingstmontag, 20. Mai, veranstaltet die Deutsche Gesellschaft für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung (DGM) e.V. zusammen mit ihren Landes- und Regionalvereinen den diesjährigen Deutschen Mühlentag. Die zentrale und offizielle Auftaktveranstaltung des diesjährigen Deutschen Mühlentages findet an der Windmühle Johanna im Hamburg Wilhelmsburg statt. Schirmherr der Veranstaltung ist der dortige Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg, Olaf Scholz. mehr…
Die Bildungsmesse Leipzig Südost denkt weiter: Eingebettet in die Feierlichkeiten zum 150. Geburtstag der Sozialdemokratie im Mai 2013 in Leipzig findet am Samstag, 25. Mai, in deren Gründungsstadt eine Bildungsmesse statt. - Wie entwickelt sich Bildung nach dem 150. Jahrestag der Sozialdemokratie in Stadtteilen und ihren Strukturen weiter? mehr…
"Leipzig liest" war die Devise der Leipziger Buchmesse in diesem Jahr. Wir Leipziger lesen nicht nur zur Buchmesse. Wir lesen immer, meint die Autorengruppe by Chance. Wo: auf dem Sofa. Im Grünen. Im Bett. In der Badewanne. In Gaststätten. Überall. Und wir lesen im Leipziger Osten. Wir, das sind Leute, die sich zufällig getroffen haben. Deshalb nennen wir uns „by Chance“. mehr…