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Finale für den Rochlitz-Preis 2009: Wer war denn eigentlich Friedrich R.?

Ralf Julke
Friedrich Rochlitz.
Friedrich Rochlitz.
Bis zum Mittwoch, 29. Juli, wurde die Ausschreibung des Friedrich-Rochlitz-Preis für Kunstkritik 2009 verlängert. Bis dahin können Nachwuchsjournalisten Besprechungen zu Leipziger Kulturveranstaltungen aus den Jahren 2008 und 2009 einreichen, erklärt die Gesellschaft für Kunst und Kritik e. V.

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Neben dem 1. Preis, der mit 100 Euro dotiert ist, gibt es Eintrittskarten, Theatergutscheine und Abonnements zu gewinnen. Zudem werden die drei besten Texte bei der Preisübergabe in der Spinnerei vorgetragen.

Erinnert wird mit dem Preis an den Publizisten Friedrich Rochlitz, Begründer der Allgemeinen Musikalischen Zeitung (AMZ), teilt der Verein mit, der den Preis vergibt. Als bedeutendste Musikzeitschrift des 19. Jahrhunderts hätte die AMZ zum beruflichen Erfolg von Komponisten wie Mozart und Beethoven beigetragen und E. T. A. Hoffmanns Weg zum Literaten geebnet.

Was sich dieses Jahr sogar zum Jubiläum rundet, denn es war just das Jahr 1809, in dem Rochlitz als Redakteur der in Leipzig erscheinenden AMZ dem verunglückten Theaterkapellmeister und Theaterdirektor Ernst Theodor Amadeus Hoffmann anbot, für die AMZ Musikkritiken zu schreiben. Zuvor hatte Rochlitz schon Hoffmanns Geschichte "Ritter Gluck" in derselben veröffentlicht.

Die berühmteren Werke aus der Feder Hoffmanns erschienen dann freilich fast alle erst als Buch nach seiner Rückkehr in den Staatsdienst 1814. In so mancher Geschichte gibt es dann auch kleine Anspielungen auf Hoffmanns kurzes Leipzig-Intermezzo als Musikdirektor 1813.

Rochlitz selbst 1769 in Leipzig geboren, besuchte die Thomasschule, studierte in Leipzig Theologie und Philosophie, war mit Schiller bekannt und hatte mit Goethe einen intensiven Briefwechsel. Man kannte ihn in Weimar so gut, dass ihm am 14. September 1800 durch Herzog Carl August von Sachsen-Weimar der Titel eines Herzoglich Sächsischen Weimarischen Hofrats verliehen wurde.

Friedrich Rochlitz in einer modernen Pop-up-Version.
Friedrich Rochlitz in einer modernen Pop-up-Version.
Foto: Gesellschaft für Kunst und Kritik e.V.
Der von Woldemar Biedermann 1887 herausgegebene Briefwechsel von Goethe und Rochlitz ist so ungefähr das Einzige, was aus Rochlitz' Schaffen immer wieder einmal aufgelegt wird. Selbst seine kleine Schrift "Tage der Gefahr. Ein Tagebuch der Leipziger Schlacht" findet man eher selten. Aus seinen musikalischen Aufsätzen werden die Bach-Texte noch am häufigsten zitiert.

Romane und Erzählungen hat er auch geschrieben. Aber im Grunde wurde davon seit dem 19. Jahrhundert nichts wieder aufgelegt. Kann man natürlich fragen: Woran liegt's? Ist das alles unlesbar geworden? Oder ist Rochlitz – wie so mancher Zeitgenosse der werbewirksamen Klassiker – einfach nicht berühmt genug?

Die AMZ hat er 1798 übrigens auch nicht allein gegründet sondern mit einem gewissen Gottfried Christoph Härtel zusammen, den Musikinteressierte ebenfalls bestens kennen – als die zweite Hälfte des Verlagsnamens Breitkopf & Härtel. Bis 1818 war Rochlitz Redakteur der AMZ.

1837 machte er noch einmal Leipziger Geschichte: Er gründete den (ersten) Leipziger Kunstverein, dessen Mitglieder sich ein hohes Ziel setzten: Sie wollten Leipzig ein Kunstmuseum verschaffen. Dafür kaufte und sammelte der Verein schon einmal fleißig Bilder. Etwas, was Rochlitz auch nicht neu war: 1810 hatte er die Witwe des Kaufmanns Daniel Winkler, Henriette Hansen, geheiratet und war so in den (mit-)Besitz der berühmten Winklerschen Kunstsammlung gelangt.

Auf diesen ersten Kunstverein bezog sich die Gründung des Neuen Leipziger Kunstvereins 1990, der sich wie sein Vorgänger als Unterstützer des Bildermuseums betrachtet, nicht zu verwechseln mit dem 1993 gegründeten Kunstverein Leipzig.

Ein Mann, den es ganz gewiss wiederzuentdecken lohnt. Auch wenn ein Preis in seinem Namen in einer eher von Kunstkritik freien Stadt wie Leipzig schon seltsam wirkt. Sollte man da nicht erst das verfügbare Feuilleton stärken und dann einen Preis ausloben? So wird so mancher Kritiker etwas hilflos sein, einen verwertbaren Beitrag beisteuern zu können. Denn auch hier gilt: Nicht das Genie macht den Meister, sondern die Übung.

Die Jury besteht dann aus Claudia Euen (Kreuzer), Christoph Gurk (Centraltheater), Friederike Haupt (FAZ) und Claudius Nießen (DLL).

Eingeliefert werden können Texte in Form von klassischen Rezensionen, Leserbriefen, kleinen Abhandlungen oder literarischen Skizzen. Solchen Dingen eben, die auch E.T. A. Hoffmann so gern schrieb. "Schnurrereien", wenn sie gut gelangen.

Der Preis wird bereits zum vierten Mal von der Gesellschaft für Kunst und Kritik e. V. vergeben, die damit den Blick auf Kulturveranstaltungen schärfen, die Lust am Schreiben fördern und Nachwuchskritikern eine Plattform bieten möchte.

www.myspace.com/rochlitzpreis


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