Leipziger Zeitreise: 225 Jahre Parkidylle mit Schwanenteich
Ralf Julke
28.07.2009
Vor 50 Jahren noch einmal erneuert: die Anlage mit dem Schwanenteich.
Foto: Ralf Julke
"Erleuchtung der Welt" heißt die große Ausstellung zum 600-jährigen Uni-Jubiläum im Alten Rathaus. Aber nicht nur in die Wissenschaften zog die "Erleuchtung" ein. Die Leipziger erlebten die "Erleuchtung" ihrer Stadt ganz praktisch. Und ein hübsches Teil dieser Erleuchtung ist jetzt 225 Jahre alt: der Schwanenteich.
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Das fehlt ein wenig in der Uni-Jubiläums-Ausstellung. Ein Kapitelchen beschäftigt sich zwar mit den universitären Bauten in der alten Stadt. Dass die Stadt sich aber in diesem erhellenden Jahrhundert selbst veränderte und modernisierte (was sehr viel auch mit der Universität und ihren Absolventen zu tun hat) wird dagegen nicht gezeigt. Sprengt vielleicht den Rahmen. Aber nur vielleicht.
Erster Akteur in der erhellenden Geschichte: Franz Conrad Romanus, 1671 in Leipzig geboren und 1686 bis 1692 Jurastudent in Leipzig, den Leipzigern besser bekannt als Bürgermeister und Erbauer des Romanushauses am Brühl – und als Hauptfigur des legendären Betrugsskandals, der ihn für den Rest seines Lebens auf die Festung Königstein brachte.
Dabei hat er gleich in seiner ersten Amtszeit 1701 angefangen, Leipzig für das erleuchtete Jahrhundert fit zu machen – indem er nämlich – pünktlich zum 24. Dezember 1701 – die Stadtbeleuchtung einführte. Eine kleine Revolution, die man sich im elektrischen Zeitalter gar nicht mehr recht vorstellen kann: Vorher war die noch mittelalterliche Stadt nach Einbruch der Dunkelheit finster. Wer unterwegs war, musste seine eigene Fackel oder Laterne mitnehmen.
Doch noch ein anderes Licht ließ Romanus in die Stadt: Er ließ den ersten Teil der Wassergräben vor den Stadtmauern verfüllen. Womit er die Grundlage schuf für den späteren Promenadenring, den ältesten städtischen Landschaftspark Deutschlands. Auf Romanus geht Teil 1 dieser Anlage zurück: der so genannte Untere Park gleich gegenüber dem Hauptbahnhof. Der wurde später noch mehrmals umgestaltet. Und 1819 kam hier das Denkmal für den – naja – in diesem Falle falschen Bürgermeister zur Aufstellung: das Denkmal für Carl Wilhelm Müller.
Der hat natürlich für einen wesentlich größeren Teil des Promenadenrings die Verantwortung. Und da ist man jetzt im Jahr 1784. Da gab nämlich der amtierende Bürgermeister C. W. Müller (der ebenfalls – wie Romanus – an der Uni Leipzig Jura studiert hatte) seinem Stadtbaudirektor Johann Carl Friedrich Dauthe den Auftrag, die alten Grabenanlagen zwischen dem Hallischen Tor im Norden und dem Grimmaischen Tor im Osten umzugestalten in eine Parkanlage. Da war das Stück Park aus der Romanuszeit mit eingeschlossen.
Von Dauthe vor 225 Jahren erstmals angelegt: Schwanenteich mit Park.
Foto: Ralf Julke
Aber besonders stadtbildprägend wurde der Teil im Osten, wo Dauthe (der die Uni nicht besucht hat, dafür ab 1776 Lehrer an der Kunstakademie war) ein Stück des alten Stadtgrabens erhalten ließ und daraus den Schwanenteich formte, umgeben von einem Stück englischen Parks und im Süden übergehend in den Schneckenberg.
Den sieht der Parkbesucher heute nicht mehr. Dabei gehörte der kleine künstliche Hügel eigentlich zum Ensemble der Leipziger Heiligtümer: Im April 1813 schrieb Theodor Körner auf dem Schneckenberg sein berühmtes Lied "Lützows wilde verwegene Jagd". Und bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts war der Hügel natürlich der nächstgelegene und darum umso beliebtere Rodelberg der Leipziger Räbchen. Bis 1864, bis der Schneckenberg eingeebnet wurde, um das Neue Theater an dieser Stelle zu errichten. Das stand da bis 1943, bis es von Bomben getroffen wurde. Heute findet man dort das 1956 bis 1960 erbaute Opernhaus.
Verschwunden ist damit auch der künstliche Wasserfall, der auf der Nordseite des Neuen Theaters in den Schwanenteich plätscherte.
Ganz original ist der Park und der Schwanenteich auch nicht mehr, wird man erfahren, wenn man im Grünflächenamt nachfragt: Im Zusammenhang mit dem Opernneubau wurde die Anlage 1959/1960 noch einmal umgestaltet, der Teich neu angelegt.
1784 wurde übrigens auch der Augustusplatz erstmals gestaltet – zwei große runde, von Bäumen eingefasste Rasenplätze wurden angelegt. Den Namen bekam der Platz aber erst 1839. Dafür musste der 1750 geborene sächsische August erst einmal König werden (1806) und 1813 an der Seite Napoleons die Völkerschlacht bei Leipzig verlieren, was ihm die preußische Kriegsgefangenschaft eintrug und – posthum – den seinerzeit größten Platz aller deutschen Städte. 40.000 Quadratmeter. Davon sieht man heute nicht mehr viel: Er wurde in den letzten 19 Jahren kräftig zugebaut mit allerlei sehenswertem Stadtmobiliar.
Da ist es in der Anlage am Schwanenteich etwas beschaulicher. Einige Denkmäler laden ein zum Kranzniederlegen oder Nachdenken – einmal der 1876 errichtete Eisenbahn-Obelisk zu Ehren der Initiatoren der Leipzig-Dresdner Eisenbahn, zum anderen das 1983 eingeweihte Richard-Wagner-Denkmal. Seit 2003 findet man hier auch das Denkmal für die während der Zeit des Nationalsozialismus ermordeten Leipziger Sinti und Roma.
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