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Leipziger Zeitreise: Das Börsenblatt – seit 175 Jahren amtlich

Redaktion
Börsenblatt 1835.
Börsenblatt 1835.
Es gibt Jubiläen, da muss man einfach durcheinander kommen. Zum Beispiel, weil es gleich zwei Startpunkte gab – wie beim "Börsenblatt des Deutschen Buchhandels". Das gab's schon im Jahr 1834. Aber zum amtlichen Blatt des Börsenvereins wurde es erst vor 175 Jahren.

Gestalter im Handwerk
Gestalter im Handwerk Zweijähriger berufsbe-
gleitender Studiengang

Im Januar 1835 wurde das „Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel und für die mit ihm verwandten Geschäftszweige“ erstmals bei B. G. Teubner gedruckt. Den vorangegangenen Börsenblatt-Jahrgang 1834 hatte noch die ebenso renommierte Leipziger Firma Breitkopf & Härtel hergestellt.

Doch Benedictus Gotthelf Teubner (1784-1856) konnte ein günstigeres Angebot unterbreiten, dank einer im September 1834 erworbenen Schnellpresse von Koenig & Bauer.

Das 1834 bei Breitkopf & Härtel erschienene Börsenblatt.
Das 1834 bei Breitkopf & Härtel erschienene Börsenblatt.
Foto: EAGLE Leipzig
Anfang 1835 wechselte nicht nur das Druckereiunternehmen, sondern das Eigentum am Börsenblatt ging zu Jahresbeginn auch an den Börsenverein des deutschen Buchhandels über. Am Freitag, 2. Januar 1835, stand erstmals die Bezeichnung „Amtliches Blatt des Börsenvereins.“ auf dem Titelblatt, direkt unter dem Vermerk: „Herausgegeben von den Deputirten des Vereins der Buchhändler zu Leipzig.“

Erster Vorsteher des Börsenvereins war damals Theodor Christian Friedrich Enslin aus Berlin. Benedictus Gotthelf Teubners Freund, der Leipziger Stadtrat Friedrich Fleischer, hatte den Vorsitz des Vereins der Buchhändler zu Leipzig inne.

Später, im Nachruf auf Friedrich Fleischer, diese „Koryphäe unseres Standes“, war im Börsenblatt zu lesen: „Er war es, der den ersten Gedanken faßte zur Herausgabe unseres Börsenblattes, zur Gründung einer deutschen Buchhändlerbörse, unserer Bestellanstalt, die heute eine Notwendigkeit für den deutschen Buchhandel ist, und zu unserer Buchhändler-Lehranstalt ... “

Teubner, der bereits 1831 den Druck der traditionsreichen „Leipziger Zeitung“ übernommen hatte und später auch das von ihm selbst gegründete „Dresdner Tageblatt“ in seiner Dresdner Filiale produzierte, sollte der Druckauftrag für das Börsenblatt mehr als ein halbes Jahrhundert lang erhalten bleiben. Es erschien wöchentlich, dann zweimal pro Woche und schließlich „täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage“.

Herstellungsort war die Teubnersche Offizin am Leipziger Augustusplatz. Teubner hatte 1821 den ersten repräsentativen Neubau am späteren Augustusplatz errichtet, Ecke Grimmaischer Steinweg, direkt gegenüber von Universität und Universitätskirche, dort, wo heute das Radisson-Hotel steht.

Ab 1835 dann bei Teubner erschienen: Börsenblatt des deutschen Buchhandels.
Ab 1835 dann bei Teubner erschienen: Börsenblatt des deutschen Buchhandels.
Foto: EAGLE Leipzig
Anschließend wechselte das Börsenblatt in den benachbarten, schrittweise entstehenden neuen Teubner-Firmenkomplex Augustusplatz / Poststraße / Querstraße / Teubners Hof, bis dann Redaktion und Expedition des Börsenblattes für abermals mehr als ein halbes Jahrhundert im 1888 eingeweihten Deutschen Buchhändlerhaus ihr Domizil fanden. Auf diesem, dem Börsenverein von der Stadt Leipzig geschenkten Grundstück im Graphischen Viertel, steht heute das Haus des Buches (Gerichtsweg 28, zwischen Gutenbergplatz und Teubnerstraße).

Pünktlichste Ablieferung ist ein Haupterfordernis, hatte Teubner von Anfang an gefordert: letzte Revision nebst dem Imprimatur spätestens 14 Uhr, nur in außerordentlichen Fällen eine Prolongation von zwei bis drei Stunden. Der Druck musste exakt 17 Uhr beginnen, damit die Auslieferung der Auflage am Folgetag früh 9 Uhr erfolgen konnte.

Am 2. Januar 2009 feierte man in Frankfurt am Main „175 Jahre Börsenblatt“. Doch Eigentümer dieses bis heute wichtigsten Branchenblattes ist der Börsenverein eben erst seit 1835. Im Band „B. G. Teubner zum 225. Geburtstag“, der am 21. Februar 2009 im unabhängigen Wissenschaftsverlag „Edition am Gutenbergplatz Leipzig“ erschien, kann man lesen: „Zweifellos wird das Jubiläum 1835-2010 (und auch B. G. Teubners Anteil daran) Anfang 2010 dann entsprechend gewürdigt werden“ ...

Ein Kalenderblatt mit freundlicher Zuarbeit von Jürgen Weiß.

www.stiftung-teubner-leipzig.de


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