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20 Jahre deutsche Einheit: Bundespresseamt macht Station in Leipzig

Ralf Julke
Info-Tour zum 20. Jahrestag der Einheit.
Info-Tour zum 20. Jahrestag der Einheit.
Foto: Ralf Julke
Man hätte es ja fast vergessen: Die wiedergewonnene deutsche Einheit jährt sich in diesem Jahr zum 20. Mal. Im Oktober wird das eine Flut von Medienbeiträgen auslösen, Politiker werden reden. In Bremen finden die offiziellen Feierlichkeiten statt. In Leipzig macht jetzt das Bundespresseamt Station.

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Vom 19. bis 21. August macht die Informationstour des Bundespresseamtes zum 20. Jahrestag der Deutschen Einheit auf dem Burgplatz Station. Mit einer Ausstellung, einem Quiz, Wettspielen und Musik werden die Besucher eingeladen, sich über die Ereignisse vor 20 Jahren und das bislang Erreichte zu informieren und auszutauschen.

Leipzigs Verwaltungsbürgermeister Andreas Müller wird das Programm am 19. August um 10:30 Uhr eröffnen. Die Ausstellung ist an den Veranstaltungstagen zwischen 10:00 und 18:00 Uhr geöffnet. Die Deutschland-Tour ist am 1. Juli, dem 20. Jahrestag der Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion, in Berlin gestartet. Sie führt durch über 50 Orte: von Flensburg bis Konstanz und von Dresden bis Düsseldorf. Ihr Ziel ist am 3. Oktober dann Bremen.

Dass die Tour am 1. Juli startete, sagt eigentlich genug. Denn die Einheit war eigentlich mit der D-Mark schon geschaffen. Der Rest war nur noch Protokoll, auch wenn die Regierung de Maizière noch bis zum 2. Oktober im Amte blieb. Die Weichen waren sogar schon viel früher gestellt worden: Im April 1990, als die "Allianz für Deutschland" die Mehrheit holte für die letzte Volkskammer.

Am 3. Oktober knallten die Sektkorken und Feuerwerkskörper zwar bei einem organisierten Fest. Die Feuerwerkskörper knallten auch schon am 1. Juli 1990 früh um 0 Uhr. Ganz unorganisiert. Da fuhren auch Autokorsos hupend durch Leipzig und auf dem Marktplatz feierten junge Leute mit jeder Menge Schampus die Ankunft der eigentlich heiß Ersehnten: der D-Mark. Und etliche Tausend Leipziger konnten es gar nicht erwarten, sie endlich in den Händen zu halten. Die 100 DM Begrüßungsgeld aus dem überschwänglichen Maueröffnungsherbst waren ja längst ausgegeben. Viele stellten sich schon drei Stunden vor Schalteröffnung bei Banken, Sparkassen und an Sonderschaltern an. Was dann für Trubel am frühen Morgen sorgte. Schon am Nachmittag hatten sich die Schlangen wieder aufgelöst.

Und noch etwas geschah ganz offiziell an diesem Tag: Die Stadt Leipzig verlor die Zuständigkeit für das Eintreiben von Steuern - mit Ausnahme der Gemeindesteuer. Diese Aufgabe übernahmen an diesem Tag drei neue Finanzämter.

Schon vor dem 1. Juli hatten sich die Regale in den Kaufhallen geleert. Die Betreiber behaupteten zwar, die Leipziger hätten sich mit Vorräten eingedeckt. "Seit einigen Tagen ist im Handel der Teufel los", schreibt Martin Naumann in seinem "Wende-Tage-Buch". "Preissenkungen bis zu 75 Prozent lassen die Leute wie besessen kaufen." Die Regale sollten leer werden. Man bestellte einfach nichts mehr bei ostdeutschen Unternehmen, sondern füllte die Lager schon einmal bis zur Decke mit all den begehrten "Westwaren", die es ab dem 2. Juli für das schöne neue Westgeld zu kaufen geben sollte.

Infotour des Bundespresseamtes macht auf dem Burgplatz Station.
Infotour des Bundespresseamtes macht auf dem Burgplatz Station.
Foto: Ralf Julke

Am 6. Juli schreibt Naumann in sein "Tage-Buch", was folgen musste: "Die Landwirtschaft hat Absatzprobleme." Am 10. Juli demonstrierten die Bauern, die ihre Milch nicht mehr absetzen konnten. Eines der größten Versäumnisse dieser Währungsunion, die eben auch eine sofortige Wirtschaftsunion und eine Komplettunion der Absatzmärkte war. Der Ostdeutsche Absatzmarkt wurde einfach über Nacht von westdeutschen Lieferanten übernommen. Die Handelsketten sollten folgen: Noch im Sommer 1990 kamen über 200 HO-Läden in Leipzig zur Ausschreibung.

Bereits am 1. Juli erwischte es die erste Leipziger Zeitung: Aus wirtschaftlichen Gründen wurden die "Mitteldeutschen Neuesten Nachrichten" eingestellt. Da waren es noch drei: Die LVZ, die Union und das Sächsische Tageblatt, aus dem am 1. August das Leipziger Tageblatt werden sollte. Ab dem 27. Juli stützte die Regierungskoalition der DDR in eine Dauerkrise, die damit endete, dass die SPD am 19. August austrat.

Noch bevor die DDR beerdigt war, ging es auch in den ostdeutschen Parteien um ein wesentlich wichtigeres Datum als den verwaltungstechnischen 3. Oktober: die Bundestagswahlen am 2. Dezember.

In den Sommer 1990 fällt noch eine Entscheidung mit teuren Langzeitfolgen: Am 22. Juli beschloss die Volkskammer die Wiedereinführung der ehemaligen Länder auf ostdeutschem Gebiet, die zwar größer sind als die alten DDR-Bezirke, im konföderalen Zusammenspiel der Bundesrepublik aber allesamt zu klein sind.

Und was bringen nun die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundespresseamtes auf ihrer Tour mit nach Leipzig? - Eine Open-Air-Ausstellung zeigt den Weg zur Deutschen Einheit und den Aufbau der neuen Länder in den letzten 20 Jahren. Historische Bilder und Filmdokumente bieten einen anschaulichen Rückblick auf die jüngste deutsche Geschichte. Außerdem gibt es ein spannendes digitales Wettpuzzeln und andere multimediale Angebote. Bei einem Quiz kann jeder beweisen, wie gut er sich im wiedervereinten Deutschland auskennt.

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Was ist los in Leipzig?
Als Hauptgewinn winkt ein Wochenende in Berlin. Cargo-Bags, Regenschirme oder Kaffeebecher sind vor Ort zu gewinnen. Die Bands "Gut Zeit" und "The Shakers" sorgen zwischendurch für musikalische Unterhaltung.

www.bundesregierung.de/deutschland-tour

www.bremen.de/tag_der_deutschen_einheit

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