120 Jahre und noch einen Tag älter: Lene Voigts Geburtstag wird jetzt am 2. Mai gefeiert
Ralf Julke
30.04.2011
Lene Voigt.
Foto: Lene-Voigt-Gesellschaft
Am Sonntag, 1. Mai, gibt es ein ganz besonderes Gastspiel von Tom Pauls im Kabarett Sanftwut. Es ist ein Geburtstagsgastspiel für Lene Voigt zu ihrem 120. Geburtstag. Offiziell ist dieser Geburtstag am 3. Mai ... 3. Mai? Nein. Stimmt nicht. Auch wenn's noch fast überall so steht. Die Forschung der Lene-Voigt-Gesellschaft bringt immer neue Überraschungen mit sich.
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Über das Haareraufen von Peter Hinke, Mitglied im Vorstand der Gesellschaft und Verleger der sechsbändigen Lene-Voigt-Werkausgabe, hat die L-IZ schon mehrfach berichtet. Denn als die Reihe konzipiert wurde, steckten Monica und Wolfgang U. Schütte und Gabriele Trillhaase, die das Projekt maßgeblich tragen, noch mitten in den Forschungsarbeiten, durchforsteten die Zeitungsarchive der Republik. Denn Lene Voigt veröffentlichte ja nicht nur in Leipziger Blättern.
Aber nicht nur eine umfassende Darstellung ihrer Texte war Ziel der Ausgabe. Das Sahnetupferl sollte am Ende die erste richtige große Biographie der "Leipziger Nachtigall" werden. Und da gab es logischerweise erst recht keine Vorarbeiten. Dafür etliche Anekdoten, Erinnerungen und augenscheinlich einen kleinen Irrtum, der sich in alle Nachschlagewerke fortpflanzte. Der von Lenes Geburtstag am 3. Mai.
Selbst die Lene-Voigt-Gesellschaft hatte sich jahrelang auf das überlieferte Datum verlassen - und war eifrig am falschen Tag zum Grabbesuch auf den Südfriedhof gegangen.
Edelgard Langer, die neue Vorsitzende der Lene-Voigt-Gesellschaft, war es, die sich auf die Suche nach dem Geburtsnachweis der Dichterin gemacht hat. Im Meldeblatt der Stadt Leipzig wurde sie fündig. Und siehe da: Helene Wagner, die Tochter des Schriftsetzers Karl Bruno Wagner und von Alma Maria Wagner, geb. Pleißner, wurde nicht am 3. Mai geboren, wie es auch die ersten Bände der Lene-Voigt-Ausgabe noch vermelden (und selbst die seriösesten Nachschlagewerke). Geboren wurde das begabte Kind schon einen Tag zuvor, am 2. Mai. So steht es im Meldeblatt.
In diesem Jahr wird ihr 120. Geburtstag gefeiert: Lene Voigt.
Foto: Lene-Voigt-Gesellschaft
Es war ein Donnerstag. Und der Geburtsort war die Sidonienstraße 14, die heutige Paul-Gruner-Straße, bei Hebamme Alma Jansen.
In der Biographie wird es stehen. Wie so manches, was so noch nirgendwo über Lene Voigt zu lesen stand. Die kleine Frage ist nur: Wann? - Denn so wie sich die Gesamtausgabe als Forschungsprojekt mit immer neuen Entdeckungen entwickelt hat, ist natürlich auch von der ursprünglichen Veröffentlichungsplanung einiges ins Rutschen gekommen. Als erstes die Zahl der Bände: Sechs Bände werden es zwar - aber sechs Bände reine Werkausgabe. So viele neue Texte haben sich gefunden, dass jetzt ein eigener Band "Fernes Erinnern" mit Texten aus dem Nachlass Lene Voigts in Vorbereitung ist, offiziell Band 6 der Ausgabe.
Auch hier wird für Manchen Neues und Überraschendes zu lesen sein, denn sowohl nach ihrem Veröffentlichungsverbot unter den Nazis als auch in der DDR konnte Lene Voigt keine Texte von sich mehr drucken lassen.
"Die Biografie der Lene Voigt" - ursprünglich als sechster Band der Ausgabe gedacht - steht jetzt als Extra-Titel im Vorschaukatalog der Connewitzer Verlagsbuchhandlung. Für Freunde der begnadeten Leipzigerin natürlich ein Geschenk. "Auf dem Grabstein haben wir das Datum schon geändert", erklärt Edelgard Langer. Auf der Homepage der Gesellschaft ist es auch geändert. Langer: "Und jetzt rufen natürlich die Mitglieder unserer Gesellschaft verunsichert an, welches Datum nun stimmt."
Und der Besuch auf dem Südfriedhof wird in diesem Jahr auch am richtigen Tag stattfinden.
Am Montag, 2. Mai, um 14:30 Uhr trifft sich die Lene-Voigt-Gesellschaft am Südfriedhof, Eingang Völkerschlachtdenkmal, um den 120. Geburtstag ihrer Dichterin Lene Voigt an ihrem Grab zu würdigen. Und am Nachmittag gibt's eine kleine Geburtstagsfeier im Ratskeller Kaffeekabinett unterm Motto „De Juuchend un unsre Lene“.
Und die Herausgeber der Lexika und literarischen Wanderkarten dürfen nun ans Korrigieren gehen.
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