Mit großen Schritten zum Luther-Jubiläum: Sachsen bekommt jetzt auch einen Lutherweg - mit Station in Leipzig
Ralf Julke
13.08.2011
Übergabe des Förderbescheides durch Minister Frank Kupfer.
Foto: Tourismusverband "Sächsisches Burgen- und Heideland" e.V.
Staatsminister Frank Kupfer hat am Freitag, 12. August, in Waldheim (Landkreis Mittelsachsen) den Förderbescheid für den Lutherweg in Sachsen übergeben. Das benachbarte Sachsen-Anhalt besitzt schon seit 2008 einen Lutherweg, in Thüringen wird an einem solchen gearbeitet. Mit dem sächsischen Lutherweg wird auch Leipzig Teil der großen Luther-Wanderbewegung in Mitteldeutschland.
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An dem nun entstehenden Wanderweg, der 2013 komplett ausgeschildert sein soll, liegen 22 sächsische Dörfer und Städte, in denen der Reformator Martin Luther und seine Frau Katharina von Bora gelebt und gewirkt haben oder in denen die Reformation besondere Auswirkungen hatte.
„Ich erhoffe mir vom Lutherweg eine Stärkung des ländlichen Raumes, der mir als Minister besonders am Herzen liegt“, sagte Kupfer. „Der Wandertourismus trägt zunehmend zur Wertschöpfung im ländlichen Raum bei. Hier hat der Lutherweg Potential, Tages- und Wandertouristen sowie Pilger in die Region zu locken. Die Lutherdekade lenkt bis 2017 die Aufmerksamkeit auf Sachsen als Stammland der Reformation. Das ist eine große Chance.“
Träger des Lutherweges ist der Tourismusverband „Sächsisches Burgen- und Heideland e. V.“. Er koordiniert die Etappenorte, die Beteiligten aus Kirche und Tourismus und kümmert sich um die Vermarktung. Das Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft unterstützt das etwa 800.000 Euro teure Projekt mit rund 660.000 Euro aus der Richtlinie „Integrierte Ländliche Entwicklung“. Mit Hilfe der Förderung kann der Tourismusverband den Lutherweg entwickeln, das heißt: Orte für das Projekt gewinnen, regionale Partner einbinden, touristische Angebote erstellen, eine konkrete Route festlegen und diese beschildern. Ein Großteil des Geldes ist zudem notwendig, um den Lutherweg bekannt zu machen, zum Beispiel auf Messen, bei Veranstaltungen, mit Flyern und mit einem Internetauftritt.
Übergabe des Förderbescheides für den Lutherweg durch Minister Frank Kupfer.
Foto: Tourismusverband "Sächsisches Burgen- und Heideland" e.V.
„Anliegen des Lutherwegs ist es, den Benutzern nicht nur die Schönheit der Landschaft vor Augen zu führen, sondern ebenfalls die gesellschaftliche Bedeutung der Reformation auch für unsere Zeit vor Ort nahe zu bringen“, so Landrat Volker Uhlig. „Viele Impulse des reformatorischen Denkens und Handelns Martin Luthers wie die Frage nach dem Gewissen, die Bedeutung der Freiheit und Aussagen über das Verhältnis von Staat und Kirche spielen auch heute noch für viele gesellschaftliche Bezüge, auch im Landkreis Mittelsachsen, eine wichtige Rolle.“
Der Lutherweg verläuft auf zwei Trassen im westlichen Teil von Sachsen und bildet einen Rundweg zwischen Bad Düben/Torgau und Zwickau - der genaue Verlauf soll noch festgelegt werden, die angelaufenen Orte stehen aber schon fest. So verläuft der westliche Arm der Route von Zwickau über Crimmitschau und Neukieritzsch nach Leipzig, von wo der Wanderer dann über Eilenburg und Löbnitz nach Bad Düben weiterläuft, wo er auf den Lutherweg in Sachsen-Anhalt stößt.
Thomaskirche zu Leipzig: Hier predigte Martin Luther zu Pfingsten 1539.
Foto: Ralf Julke
Leipzig ist gleich mehrfach mit Luther verbunden. Hier fand 1519 die berühmte Disputation in der Hofstube des herzoglichen Schlosses zwischen Luther und Eck statt, die zu einer großartigen Marketingaktion für die Reformation wurde. In Leipzig hatte Luther auch seinen Drucker, Melchior Lotter in der Hainstraße, und hier war er nach der Einführung der Reformation im albertinischen Sachsen 1539 gern gesehen als Prediger in den umgewidmeten Kirchen. Und auch jener Mann, der ihn erst richtig wütend auf die Ablassmethoden der katholischen Kirche gemacht hatte, lebte in Leipzig - der Dominikanermönch Johannes Tetzel.
„Mit dem Lutherweg werden neue Gästegruppen für Sachsen angesprochen“, sagt Dr. Manfred Graetz, Vorsitzender des Tourismusverbandes Sächsisches Burgen- und Heideland e. V. „Wir sind uns sicher, dass dadurch die Zahl der Ankünfte und Übernachtungen in unserer ländlichen Region weiter gesteigert wird. Die Erfahrungen der Partner in anderen Bundesländern zeigen, dass sich auch die Aufenthaltsdauer der Besucher verlängern kann.“
Dass der sächsische Lutherweg jetzt aus der Taufe gehoben wird, hat natürlich noch einen anderen Grund, denn als Baustein passt das logischerweise zur Luther-Dekade, die 2017, zum 500. Jahrestag des Thesenanschlags, ihren Höhepunkt finden wird.
Der Lutherweg in Sachsen wird Teil des Mitteldeutschen Lutherweges, der heute schon durch Sachsen-Anhalt führt. Geplant ist auch eine Route durch Thüringen, die streckenweise bereits realisiert ist, anderenorts ebenfalls noch entwickelt werden muss. Im Ergebnis soll der Lutherweg in allen drei Ländern Wirkungsstätten und Wege Martin Luthers und anderer Reformatoren verbinden. Die Länder kooperieren seit Anfang 2011 intensiver, um gemeinsam einen mitteldeutschen Lutherweg zu erreichen.
Der Lutherweg in Sachsen schließt von Wittenberg kommend in Bad Düben an. Er soll in Altenburg Anschluss haben an den Lutherweg in Thüringen, das heißt zu wichtigen Stätten der ersten Lebensphasen des Reformators wie Eisenach mit der Wartburg oder Erfurt als Studienort Luthers. Der Lutherweg in Sachsen-Anhalt besteht seit Mitte 2008 und führt über 410 Kilometer und 34 Stationen in 20 Kommunen.
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