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Grauwacke zum Mitnehmen: Neue Karl-Heine-Ausstellung in der Liebfrauenkirche

Gernot Borriss
Eröffnung der Karl-Heine-Ausstellung.
Eröffnung der Karl-Heine-Ausstellung.
Foto: Gernot Borriss
Im Lindenauer Kirchencafe in der katholischen Liebfrauenkirche würdigt eine neue Ausstellung einen bürgerlichen „Helden der Arbeit“. An der Karl-Heine-Straße 110 geht es um das Wirken Karl Heines (1819 - 1888) im Leipziger Westen. Als Souvenir gibt es für jeden Besucher ein Stück Heine-Knack: original Grauwacke vom Karl-Heine-Kanal.

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Ernst Carl Erdmann Heine hieß der „Mann, der Leipzig zur Industriestadt machte“. So der Titel der grundlegenden Heine-Biografie, die Ulrich Krüger im Herbst 2007 abschloss. Das Werk erschien nach dem Tod des Autors 2008.

Heine gilt zugleich als „Schöpfer der Westvorstadt“ und gab Leipzigs westlichen Vorstädten Plagwitz, Lindenau und Schleußig ihr Gesicht, so der Lindenauer Historiker Rainer Müller am Dienstagabend im Kirchencafé in der katholischen Liebfrauenkirche an der Karl-Heine-Straße 110.

Damit wären wir bei einer weiteren Facette des Wirkens des Tatmenschen Heine. „Wir leben als Gemeinde an der Karl-Heine-Straße“, unterstrich Gemeindepfarrer Thomas Bohne bei der Ausstellungseröffnung, „die Geschichte der Gemeinde ist eng mit Karl Heine verbunden.“

Henriette Rossner-Sauerbier, Angelika Pohler, Rainer Müller (v.l.n.r.).
Henriette Rossner-Sauerbier, Angelika Pohler, Rainer Müller (v.l.n.r.).
Foto: Gernot Borriss

Die von Heine maßgeblich vorangetriebene Industrialisierung Leipzigs führte viele Menschen in die alte Messestadt, die hier eine Arbeit und eine Perspektive suchten. Unter ihnen auch zahlreiche Katholiken, insbesondere aus den damaligen östlichen preußischen Provinzen. Im Stammland der Reformation stellte diese Situation für die evangelisch-lutherische Mehrheitsgesellschaft in Leipzig eine Herausforderung dar. Nicht immer ging sie souverän damit um.

Doch für Karl Heine war es offenbar eine Selbstverständlichkeit, dass Menschen sich Gotteshäuser nach ihrer Facon errichten können. Nachdem er bereits gegenüber der damaligen Pleißenburg ein Grundstück zur Errichtung der katholischen Trinitatskirche zur Verfügung gestellt hatte, entstand auch die Liebfrauenkirche in Lindenau nebst einer katholischen Schule auf ursprünglich Heineschem Grund.

Doch die Ausstellung „Karl Heine und der Leipziger Westen – Vision und Realität“, die noch bis zum 3. Dezember 2011 im Kirchencafé gezeigt wird, ist keine kirchengeschichtliche Exposition. Auf Bildern, Schautafeln und mit Ausstellungsstücken wird die Entwicklung des Leipziger Westens während der industriellen Revolution nachgezeichnet, wie sie maßgeblich von Karl Heine geprägt wurde.

Heine-Knack zum Mitnehmen

Ein Korb voller Grauwacke.
Ein Korb voller Grauwacke.
Foto: Gernot Borriss
Und damit jeder Besucher sich etwas Besonderes mitnehmen kann, gibt es nach dem Ausstellungsbesuch ein Stück Grauwacke gratis. Eben dieses hartnäckige Gestein war zu brechen, als Karl Heine den später nach ihm benannten Kanal bauen ließ. So erhielt es den Namen Heine-Knack.

Auf dem Kanal wurden Erdmassen in die neu entstehenden Stadtteile und Orte transportiert. Denn vor dem Anlegen von Straßen und dem Bauen von Häusern und Fabriken mussten die Flussniederungen erst einmal trocken gelegt und teils um mehrere Meter aufgeschüttet werden.

Ein besonders kostbares Ausstellungsstück beherbergt die Vitrine in der Mitte des Ausstellungsraumes. Dort liegt eines der wenigen erhaltenen Exemplare der Jubiläumsschrift zum 50-jährigen Bestehen der Leipziger Westend Baugesellschaft (LWB) aus. In dieser LWB bündelte Heine gegen Ende seines Lebens seine unternehmerischen Aktivitäten zur Erschließung des Leipziger Westens.

Das 1938 erschienene Werk stammt aus dem Privatbesitz von Angelika Pohler, die als Projektleiterin für den Aufbau und die Präsentation der Ausstellung verantwortlich zeichnet. Ihr zur Seite standen Gerd Mitter und Rainer Müller.

Vater Pohler arbeitete noch in dem Unternehmen, das seinen Sitz gegenüber dem Bushof Lindenau hatte. Nach 1945 wurden die Heine-Nachfahren im Osten Deutschlands enteignet, und mit ihr die historische LWB. Bei der Beschäftigung mit dem Wirken Heines und den Aktivitäten der damaligen LWB kam Angelika Pohler „aus dem Staunen nicht mehr raus“, wie sie sagt.

Auch bürgerliche Helden der Arbeit gelten wieder

Chronik zum 50jährigen Bestehen der Westend Baugesellschaft.
Chronik zum 50jährigen Bestehen der Westend Baugesellschaft.
Foto: Gernot Borriss
Um Heine bei der Ausstellungseröffnung zu würdigen, kommen zwei seiner Freunde und Zeitgenossen zu Wort. Historisch gewandet, gibt Rainer Müller erst den Lindenauer Arzt und „Turnvater“ Dr. Ferdinand Goetz (1826 - 1915) und dann den Leipziger Berufsschuldirektor Oskar Pache (1843 - 1906). Goetz verweist auf den gemeinsamen Einsatz für den Bau einer Turnhalle in Lindenau um 1860, der ersten ihrer Art auf einem Dorf. Heine „scheute niemals vor einer Aufgabe zurück“, lobt Pache nach einem 1888 erschienenen Text, er sei ein „Held der Arbeit“ gewesen.

Manches, was Heine begann, blieb unerledigt. So der Kanal, der bis zur Saale verlängert und dadurch über Saale und Elbe Leipzig eine Wasserverbindung zum Seehafen Hamburg und den Meeren herstellen sollte. Für den Durchstich, also die Vollendung des Projekts, setzt sich Sabine Heymann vom Verein Wasserstadt ein. Sie findet es schön, dass sich viele Bürger und Initiativen dieser Thematik zuwenden. Anders sei das Projekt „Durchstich“ nicht zu stemmen, sagt sie zu L-IZ.

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Als beeindruckendes Beispiel hebt Heymann den Hafengottesdienst hervor, den die Evangelisch-Lutherische Nathanaelgemeinde alljährlich zum Leipziger Wasserfest feiert. Sie wünscht sich künftig einen ökumenischen Gottesdienst, das würde Heine sicher gefallen.

„Endlich gilt wieder, was Menschen geschaffen haben“, ist Henriette Rossner-Sauerbier sichtlich beeindruckt von der Ausstellung. Die Tänzerin und Schauspielerin ist eine der Urenkelinnen Heines. Auch ihre Familie vom Zeitzer Zweig der Heine-Nachfahren fand im Arbeiter- und Bauern-Staat DDR keine Heimat. „Industriepioniere waren da nicht gefragt“, sagt sie. Seit 1990 lebt Henriette Rossner-Sauerbier wieder in Leipzig und Zeitz.

Die Ausstellung „Karl Heine und der Leipziger Westen – Vision und Realität“ ist bis zum 3. Dezember 2011, mittwochs bis freitags, jeweils von 15:00 bis 18:00 Uhr, im Lindenauer Kirchencafé, Karl-Heine-Straße 110, zu sehen. Schulklassen und Gruppen werden um vorherige Anmeldung gebeten unter Tel. 0341 87056944 oder E-Mail: info@kirchencafe.net.

www.kirchencafe.net


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