Leipziger Forschungsprojekt: Wilhelm Wundts wissenschaftlicher Briefwechsel erstmals online einsehbar
Redaktion
08.09.2011
Wilhelm Wundt.
Foto: Institut für Psychologie der Universität Leipzig
"Vielen Dank für Ihre herzlichen Grüße", schreibt Wilhelm Ostwald aus dem "Landhaus Energie" am 15. September 1913 an den Geheimen Rat Prof. Dr. W. Wundt in Heidelberg. Zwei große Wissenschaftler, die der Universität Leipzig im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts zu Weltruhm verhalfen. Nachzulesen jetzt im Briefwechsel Wilhelm Wundts.
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Wissenschaftler des Instituts für Psychologie der Universität Leipzig haben jetzt erstmals eine Edition des Wissenschaftlichen Briefwechsels von Wilhelm Maximilian Wundt (1832 bis 1920) erstellt. Wundt, der 1879 in Leipzig das weltweit erste Institut für experimentelle Psychologie gegründet hatte, zählt zu den großen Gelehrten seiner Epoche. Er gilt gleichsam als Begründer der experimentellen Psychologie und der Völkerpsychologie. 1902 wurde er zum Ehrenbürger der Stadt Leipzig ernannt. Seit 1920 ist eine Straße in der Südvorstadt nach ihm benannt, seit 1992 auch ein Platz. Aber den kennen nur Eingeweihte, denn es ist ein Park-Platz im eigentlichen Sinn - im Clara-Zetkin-Park nahe der Rennbahn.
1875 war der Mediziner zum Ordentlichen Professor für Philosophie an die Universität Leipzig berufen worden. 1879 gründete er das weltweit erste Institut für Experimentelle Psychologie an der Universität Leipzig zunächst als Privatinstitut. Ab 1883 wurde es dann zu den offiziellen Instituten der Universität Leipzig gerechnet. 1917 trat er von seinem Lehramt zurück.
Die Edition seines wissenschaftlichen Briefwechsels wurde jetzt von einer Arbeitsgruppe unter der wissenschaftlichen Leitung von Dr. Maximilian Wontorra in einem dreijährigen Forschungsprojekt umgesetzt, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanziert wurde. Ab sofort ist sie im Internet unter der Adresse www.uni-leipzig.de/~wundtbriefe/ einsehbar.
Wilhelm Maximilian Wundt (1832 bis 1920).
Quelle: Institut für Psychologie der Universität Leipzig / Montage L-IZ
Die Hauptwerke Wundts sind unter anderem deshalb mittlerweile gut zugänglich, weil sie von Forschern des Instituts für Psychologie in mehrfacher Auflage zunächst auf CD-ROM, dann online neben vielem anderen Material zur Leipziger Psychologiegeschichte zur Verfügung gestellt wurden. Was für eine umfassende Würdigung aber noch ausstand und als ein wissenschaftsgeschichtliches Desiderat immer wieder eingefordert wurde, war eine Edition des Briefwechsels.
Der wissenschaftliche Nachlass Wundts, der dem Institut für Psychologie und der Universität von seinen Erben als Schenkung zur Verfügung gestellt wurde, steht ab sofort für die psychologiehistorische Forschung und für die interessierte Öffentlichkeit in großen Teilen online zur Verfügung. Diese erste Edition soll in den kommenden Jahren noch komplettiert werden.
Bislang sind etwas mehr als 1.200 Briefe seines wissenschaftlichen Nachlasses digitalisiert, etwa 300 davon transkribiert, sowie chronologisch und exemplarisch nach Adressaten und strukturell nach angesprochenen Themen klassifiziert.
"Wundts Handschrift ist schwer lesbar", erklärte Prof. Dr. Erich Schröger vom Institut für Psychologie eine Schwierigkeit bei der Forschungsarbeit an dem Projekt.
Wilhelm Maximilian Wundt (1832 bis 1920).
Quelle: Institut für Psychologie der Universität Leipzig
"Wir konnten auf sehr guten Vorarbeiten des Instituts und des Universitätsarchivs aufbauen", sagte Dr. Wontorra. Einen großen Teil der Transkriptionen und der Erstellung der Regesten habe Dr. Wontorra jedoch auch selbst übernommen.
Die Edition enthält unter anderem einen Brief an den Wiener Philosophen und Pädagogen Wilhelm Jerusalem (1854 bis 1923) vom 16. Februar 1892, in dem Wundt die Entwicklungsgeschichte des Leipziger Instituts in knappen Worten und damit eher atypisch für seinen ansonsten meist wortreichen Stil wiedergibt. Dennoch zeigt der Brief den rapiden Aufstieg des Leipziger Instituts unter Wundts Ägide. Der Gelehrte betreute in seiner Leipziger Zeit mehr als 160 Dissertationen erstgutachterlich. Viele seiner zahlreichen ausländischen Promovenden und Mitarbeiter gründeten in ihren Heimatländern eigene psychologische Institute.
In einem weiteren Brief unterbreitete Wundts erster Volontärassistent und Promovend James McKeen Cattell (1860 bis 1944; erster Professor für Psychologie in den USA an der University of Pennsylvania in Philadelphia) ihm das Angebot, im nächsten akademischen Jahr sechs bis acht Vorlesungen an der Columbia University zu halten. Der Psychologe Cattell war unter anderem Herausgeber des renommierten Wissenschaftsjournals "Science".
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