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1911 – 2011: 100 Jahre Hochschule für Frauen – die Henriette-Goldschmidt-Schule in Leipzig

Gastbeitrag von Gerlinde Kämmerer
Henriette Goldschmidt.
Henriette Goldschmidt.
Plakat: LOP-Gesellschaft (Ausschnitt)
Im November 2011 begeht die Henriette-Goldschmidt-Schule in der Goldschmidt-Straße ihr 100. Gründungsjubiläum. Der 19. Louise-Otto-Peters-Tag am 18. und 19. November bezieht sich auf das Thema, denn Henriette Goldschmidt war eine enge Mitstreiterin von Louise Otto-Peters, wenn es um die Verbesserung der Bildungs- und Erwerbsmöglichkeiten für Frauen ging.

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Henriette Goldschmidt lebte seit 1858 mit ihrem Mann, dem Rabbiner Abraham Meyer-Goldschmidt, in Leipzig. Hier wurde sie mit den Ideen des Begründers der Kindergärten Friedrich Fröbel bekannt, die ihr ganzes Leben bestimmen sollten. 1865 war sie in Leipzig Mitbegründerin des Frauenbildungsvereins und später auch aktiv im Allgemeinen deutschen Frauenverein tätig. 1871 gründete sie den Verein für Familien- und Volkserziehung, dem 150 bedeutende Leipziger Persönlichkeiten als Förderer beitraten. Sie initiierte mehrere Volkskindergärten und Bildungsstätten für Frauen in Leipzig.

Zum 86. Geburtstag im Jahr 1911 krönte sie ihr Lebenswerk mit der Eröffnung der Hochschule für Frauen, erste ständige Einrichtung ihrer Art in Deutschland, die im November 2011 das 100. Gründungsjubiläum begeht. Finanziell wurde diese Gründung ermöglicht durch die großzügige Förderung Leipziger Bürger, vor allem aber durch Dr. Henri Hinrichsen (1868 – 1942), Inhaber der weltbekannten Edition Peters Leipzig, und seine Frau Martha Hinrichsen.

Die Hochschule für Frauen bot Frauen und Mädchen wissenschaftlich fundierte Ausbildungsmöglichkeiten für soziale, pädagogische, medizinische und naturwissenschaftliche Berufe. Die Verbindung von Erziehungswissenschaft und Frauenbildung, basierend auf Schillers Menschheitsideal und Fröbels Erziehungskonzeption, brachte Henriette Goldschmidt national und international hohe Achtung und Wertschätzung ein.

Henriette Goldschmidt.
Henriette Goldschmidt.
Plakat: LOP-Gesellschaft (Ausschnitt)

Nach Goldschmidts Tod wurde die Hochschule ab 1921 als Sozialpädagogisches Frauenseminar Leipzig geführt. Mit Machtergreifung der Nationalsozialisten und unter neuer Leitung änderten sich auch hier Ausbildungsinhalt und -geist. Jüdische Mädchen wurden nicht mehr aufgenommen, die Erinnerungen an die jüdische Gründerin H. Goldschmidt wie den jüdischen Stifter Dr. Henri Hinrichsen wurden systematisch getilgt, vom Abhängen ihrer Bilder, Verdecken der Büsten, Beseitigen der Gedenktafeln bis hin zur Entfernung von Exlibri in der ebenfalls von Hinrichsen gestifteten Lehrbuchsammlung.

In der DDR erhielt die Schule den Namen der Begründerin und fungierte als Pädagogische Fachschule für Kindergärtnerinnen. Heute bietet die Schule als Berufliches Schulzentrum 11 Sozialwesen der Stadt Leipzig Mädchen und Jungen Ausbildungsmöglichkeiten. Der Schulbetrieb findet derzeit hinter stark beschädigter Fassade statt. Das deutschlandweit einmalige 100. Gründungsjubiläum der Schule könnte für die Stadt ein würdiger Anlass sein, demnächst die Sanierung der Außenfront zur Straßen- wie Hofseite des Gebäudes in Angriff zu nehmen.

Henriette Goldschmidt.
Henriette Goldschmidt.
Plakat: LOP-Gesellschaft
Die Louise-Otto-Peters-Gesellschaft e.V. bietet zum Jubiläum - in Kooperation mit der Edvard-Grieg-Gedenkstätte e.V. - an zwei Terminen auch einen Monolog „Im Hause Hinrichsen" an. Die Gedenkstätte befindet sich in den ehemaligen Wohnräumen des Verlegers und Stifters Henri Hinrichsen, also ein fiktiver Monolog von Martha Hinrichsen an authentischem Ort. Zwei Stadtspaziergänge ergänzen das Veranstaltungsangebot zum Thema.

Stadtspaziergang „Die Hochschule für Frauen und ihre Begründerin Henriette Goldschmidt” mit Gerlinde Kämmerer am Dienstag, 1. November, 15:00 Uhr, und Sonntag, 20. November, 10:30 Uhr. Treffpunkt Eingang Grassi-Museum, Johannisplatz. Dauer: 1,5 Stunden. Teilnahmegebühr: 5 Euro. Für Mitglieder der Gesellschaft 3 Euro. Für TeilnehmerInnen des LOP-Tages frei.

„Zum Tee im Hause Hinrichsen“ am Mittwoch, 2. November, 19:00 Uhr, und Freitag, 18. November, 19:30 Uhr, in der Grieg-Begegnungsstätte, Talstraße 10. Mit Steffi Böttger und Uta Sander. Am Flügel: Dietmar Nawroth. Gemeinschaftsveranstaltungen mit der Grieg-Begegnungsstätte Leipzig e.V., Teilnahmegebühr: 3 /erm. 2 Euro.

19. Louise-Otto-Peters-Tag, „Henriette Goldschmidt und die Hochschule für Frauen zu Leipzig", Vorträge und Diskussionen am Freitag, 18. November, und Sonnabend, 19. November, im Heinrich-Budde-Haus, Lützowstraße 19.

www.louiseottopeters-gesellschaft.de


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