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Ein Stück historische Innenstadt: Die Schlossgasse wird zur Fußgängerzone

Ralf Julke
Schlossgasse von der Petersstraße aus gesehen.
Schlossgasse von der Petersstraße aus gesehen.
Foto: Ralf Julke
Für rund 410.000 Euro soll im ersten Halbjahr 2012 die Schlossgasse zwischen Petersstraße und dem Eingang zur Passage im Petersbogen als Fußgängerzone ausgebaut werden. So beschloss es die Dienstberatung des Oberbürgermeisters auf Vorschlag von Baubürgermeister Martin zur Nedden am Dienstag, 18. Oktober. Eine der ältesten Gassen Leipzigs übrigens, die seit Jahren ein kümmerliches Dasein führt.

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"Damit setzen wir ein weiteres Vorhaben aus dem Maßnahmeplan autoarme Innenstadt um“, betonte zur Nedden. Das rund 410.000 Euro teure Vorhaben wird mit knapp 100.000 Euro aus dem Programm „Städtebaulicher Denkmalschutz“ gefördert.

Wie in Fußgängerzonen üblich, gibt es in der Schlossgasse künftig keinen Höhenversatz zwischen „Fahrbahn“ und „Gehbahn“ mehr. Die Gestaltung des Straßenbelags orientiert sich an der Passage des Petersbogens: Die „Fahrbahn“ wird mit dunkelgrauem Sandstein befestigt, die „Gehbahnen“ mit hellerem Granit. Außerdem werden zehn Fahrradbügel aufgestellt.

Da im Bereich des Burgplatzes die Schlossgasse durch einen Bauzaun eingeengt ist, könne der Seitenstreifen in diesem Bereich nicht weiter geführt werden. Der Bauzaun sperrt das berühmte Loch am Burgplatz gegen neugierige Blicke ab. Ein Loch übrigens, das in diesem Jahr genauso wie der im April 2001 eröffnete Petersbogen seinen 10. Geburtstag erlebte. Ein Loch, das sich auch noch an durchaus historischer Stelle befindet, denn bis zum Neubau des Neuen Rathauses auf den Fundamenten der Pleißenburg 1899/1905 befand sich hier ein Teil des Leipziger Grabensystems. Der Graben trennte hier die Stadt von der Pleißenburg.

Heute endet die Schlossgasse an der Passage Petersbogen.
Heute endet die Schlossgasse an der Passage Petersbogen.
Foto: Ralf Julke

Die Stadt endete quasi auf der südlichen Seite der Schlossgasse, die sich - wie die weiterführende Schulgasse - einst hinter den Stadtmauern befand. Diese wurden erst im 18. Jahrhundert niedergelegt - aber noch nicht bebaut. Wie es hier vor über 200 Jahren aussah, schildert Friedrich Gottlob Leonhardi so: Die "eine Seite der Schloßgasse besteht größtentheils aus einigen kleinen Gärten und Gartenhäusern, welche auf alten zur Pleißenburg gehörigen, itzt aber demolirten Vestungswerken angebauet worden sind."

Das heißt: Wer damals - durchs Peterstor kommend - links abbog, war in der Schlossgasse und sah links besagte Gärten. Rechts standen noch die kleinteiligen Häuser des mittelalterlichen Leipzig, von denen fünf dem späteren Neubau des Klingerhauses zugeschlagen wurden.

Auf der Südwestseite sperrt ein Zaun die Schlossgasse vom Jahrhundertloch ab.
Auf der Südwestseite sperrt ein Zaun die Schlossgasse vom Jahrhundertloch ab.
Foto: Ralf Julke
Die Schlossgasse endete nicht wie heute in einer Einkaufspassage, sondern auf dem Schlossplatz, der in etwa dem Dreieck zwischen der heutigen Ratsfreischulstraße (damals Schulgasse), Burgstraße und Schlossgasse entspricht. Der heutige Burgplatz gehörte damals praktisch komplett zur Pleißenburg - übrigens genauso wie die komplette Markgrafenstraße, die erst 1898 entstand - genauso wie die Lotterstraße und die Hugo-Licht-Straße.

Im 17. Jahrhundert hatte die Schlossgasse übrigens - genauso wie die Schulgasse - noch keinen Namen. Das kritisierte 1696 der Leipziger Chronist Johann Jakob Vogel, der in seinem "Leipziger Chronicon" schrieb, es gebe noch eine Reihe von Gassen und Straßen ohne Namen, darunter "die Gasse hinter dem Schlosse". Was auch die Schulgasse meinen könnte. Die alte Leipziger Burg, zeitweilig auch als Markgräfliches Schloss genutzt, lag damals wohl nördlich der heutigen Ratsfreischulstraße. Darüber streiten sich zwar die Stadtchronisten heute, denn der Zungenschlag, die 1550/1567 von Hieronymus Lotter errichtete Pleißenburg stünde auf dem Gelände der alten markgräflichen Burg, hält sich bis heute.

Tatsächlich entstand sie zum größten Teil auf dem Gelände des St. Georgen Nonnenklosters und einem Teil der ursprünglichen Burganlage. Die Burgstraße war damals noch etwas kürzer und hinter dem (heutigen) Gasthof "Thüringer Hof" musste eine Holzbrücke über einen Wassergraben überquert werden, der die ganze Burg umgab, danach ging es durch drei mit Fallgittern versehene Tore in den Hof des Schlosses. Deswegen war das gesamte Gebiet der Burgstraße übrigens weit übers Mittelalter hinaus landesherrlicher Grund und Boden und unterstand damit auch landesherrlicher Rechtssprechung.

Hans Weithaas hat das Problem des Standortes der alten markgräflichen Burg im "Leipziger Almanach 2009/2010" recht gründlich diskutiert. Heute ist natürlich schwer vorstellbar, dass man durch die Schlossgasse auf das alte Schloss des Landesherrn zulaufen könnte.

Dass die Schlossgasse jetzt zur Fußgängerzone umgebaut wird, hat natürlich auch mit der Sanierung des Merkurhauses auf der Südseite zu tun, das natürlich da steht, wo hier im 18. Jahrhundert auf den alten Festungsanlagen erste Gärten entstanden waren.

Im Zusammenhang mit dem Ausbau der Schlossgasse verlegt die Telekom eine Leitung neu und saniert Schachtabdeckungen. Die anliegenden Geschäfte sind während der Arbeiten immer erreichbar, der Fußgänger- und Anliegerverkehr wird gewährleistet, betont die Stadtverwaltung.


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