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Grenzlinde Alte Salzstraße: Am Radweg vor dem Tore fällt bald ein Lindenbaum

Gernot Borriss
Die Grenzlinde in der Alten Salzstraße.
Die Grenzlinde in der Alten Salzstraße.
Foto: Gernot Borriss
Leipzig verliert in Kürze eines seiner Naturdenkmale. Die Grenzlinde Alte Salzstraße muss wegen Pilzbefall und zur Wahrung der Verkehrssicherheit gefällt werden, teilt das städtische Umweltschutzamt mit. Der Baum markierte einst den Grenzpunkt zwischen den Gemarkungen der Dörfer Lausen, Miltitz und Schönau.

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Leipzig ist ein Ort der Linden. Das wussten schon die Slawen, die hier einst siedelten. Deshalb gaben sie ihrer Ansiedlung besagten Namen, natürlich in ihrer Sprache. Daraus wurde später „Leipzig“.

Linden gibt es auch heute noch viele an Weißer Elster und Pleiße. Doch eine muss in Kürze fallen. Noch dazu eine sehr markante und besonders geschützte.

Vom Pilz befallen: Die Grenzlinde in der Alten Salzstraße.
Vom Pilz befallen: Die Grenzlinde in der Alten Salzstraße.
Foto: Gernot Borriss

Es geht um das städtische Naturdenkmal Nr. 95: die Grenzlinde Alte Salzstraße. „Anlässlich der Winterkontrolle im November 2011 wurde durch den Sachverständigen für Baumsanierung und Bewertung der Verkehrssicherheit von Bäumen attestiert, dass die Grenzlinde abgestorben und die Fällung zur Herstellung der Verkehrssicherheit erforderlich ist“, teilte dazu jüngst das Umweltschutzamt der Stadt mit.

Bereits 2007 sei an dem geschichtsträchtigen Baum ein beginnender Pilzbefall festgestellt worden. Und nun ist Gefahr im Verzug: für Anwohner der Kirschbergsiedlung und alle, die dort die Alte Salzstraße zu Fuß oder mit dem Fahrrad passieren. Auch sind die Pilzkulturen auf dem Baum deutlich zu erkennen.

Die Grenzlinde vor 25 Jahren.
Die Grenzlinde vor 25 Jahren.
Quelle: Gesellschaft für Heimatgeschichte Leipzig im Kulturbund der DDR: Historisches rund um Grünau, Leipzig 1986
„Die Fällung ist im Monat Dezember 2011 vorgesehen“, heißt es aus dem Umweltamt gegenüber L-IZ, „ein genauer Termin konnte von der beauftragten Firma noch nicht benannt werden.“

Zugleich prüft das Amt die Möglichkeit einer Ersatzpflanzung. „Als kritisch ist zu bewerten, dass unmittelbar am jetzigen Standort diverse Leitungen verlaufen“, so ein Stadtsprecher.

Doch wie kommt ein Grenzbaum mitten nach Grünau? Ist hier seit 1976 nicht einfach nur freies Feld bebaut worden? Im Prinzip ja, aber eben dann doch nicht so ganz. Zum einen entstanden bereits in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts auf dem Gebiet des heutigen Stadtbezirks West verschiedene Siedlungen. Neben der Siedlung Grünau, die später dem ganzen Wohngebiet den Namen geben sollte, auch die Kirschbergsiedlung.

Und an deren Westrand, unweit der Krakauer Straße, steht besagte Grenzlinde. Hier stoßen nämlich die Gemarkungen der ehemals selbstständigen Dörfer Lausen, Miltitz und Schönau aufeinander. Für diese sind Ersterwähnungen aus dem 13. Jahrhundert überliefert. Zeitweise gehörten sie zum damaligen Bistum Merseburg, von dem sie die Stadt Leipzig erwarb. Als Ratsdörfer lagen sie weiterhin weit vor den Mauern der Stadt.

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Schönau wurde 1930 nach Leipzig eingemeindet. Den Ausschlag gab letztlich der bis heute unvollendete Kanal- und Hafenbau im Westen der Stadt. Den wollte die Messemetropole unbedingt innerhalb der eigenen Grenzen realisieren.

Im Dezember 1979 kamen Teile der Miltitzer und Lausener Flur nach Leipzig, um den Bau des neuen Plattenbaustadtteils realisieren zu können. Seit gut einem Jahrzehnt gehören die Dörfer komplett zu Leipzig.

Überdauert hat all diese Gebietsreformen die Grenzlinde Schönau, wie sie lange hieß. Sie steht mitten auf der Alten Salzstraße, der historischen West-Ost-Verbindung. Auch in der Broschüre „Historisches rund um Grünau“, den die Gesellschaft für Heimatgeschichte Leipzig im damaligen Kulturbund der DDR 1986 herausgab, ist sie in voller Pracht fotografisch festgehalten. Doch nun macht ihr ein heimtückischer Pilz den Garaus.


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