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Friedenspark: Torflügel am Eingang zum ehemaligen Neuen Johannisfriedhof werden demontiert

Ralf Julke
Das Tor zum Friedenspark.
Das Tor zum Friedenspark.
Foto: Ralf Julke
Am Mittwoch, 14. Dezember, so teilt das Dezernat Umwelt, Ordnung, Sport mit, kommen die Schlosser. Dann werden am Eingangsportal zum Friedenspark, dem sogenannten Hospitaltor, in der Liebigstraße 28 die vier Torflügel demontiert. Grund dafür sind Reparatur- und Korrosionsschutzarbeiten. Das Tor stammt noch aus der Zeit des ehemaligen Neuen Johannisfriedhofs.

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Der wurde von der wachsenden Stadt Leipzig als zweiter städtischer Friedhof im Jahr 1846 eröffnet. 20 Hektar umfasste das Gelände vor den Toren der Stadt. Der neue Friedhof sollte den seit 1563 bestehenden und nicht mehr erweiterungsfähigen Alten Johannisfriedhof ersetzen, der im Jahr 1883 endgültig als Friedhof geschlossen wurde. Der seinerseits war angelegt worden, weil ab diesem Zeitpunkt Beerdigungen innerhalb der Stadtmauern vom Kurfürsten untersagt waren. Einzige Ausnahme blieben in den Folgejahren die Bestattungen von Universitätsangehörigen und Honoratioren der Stadt Leipzig in den Grüften der Paulinerkirche. Mit der Verlegung des Friedhofs vor die Tore der Stadt sollte die Seuchengefahr deutlich gesenkt werden.

Doch 1846 genügte der Johannisfriedhof der steigenden Einwohnerzahl Leipzigs nicht mehr. Ein neuer, größerer Friedhof musste her. Als er ab 1883 der alleinige Hauptfriedhof der Stadt wurde, war die Bevölkerungszahl Leipzigs von 60.000 auf 170.000 angewachsen. Einiges erinnert noch an weitere Relikte der Stadtgeschichte, die aus dem Stadtbild verschwunden sind. So schreibt die Website des Grünflächenamtes dazu: "Das Tor des Johannishospitals - der Vorgängerbau des Neuen Grassimuseums - wurde in das Eingangsportal des neuen Friedhofes einbezogen. Kapelle und Leichenhalle entstanden zwischen 1881 und 1884 nach Entwürfen des Architekten Hugo Licht. Sie, wie auch weitere Kunstwerke des Friedhofes, wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört."

Schon 1879 zeichnete sich ab, dass auch der neue Johannisfriedhof den Bedürfnissen der wachsenden Stadt nicht genügen würde. Noch während man dort baute, wurden die Planungen für einen noch größeren Friedhof vorangetrieben - den 86 Hektar großen Südfriedhof, der 1886 eröffnet wurde. Da hatte Leipzig die 200.000-Einwohner-Marke gerade überschritten, zehn Jahre später waren es schon über 300.000, 20 Jahre später schon über 500.000. Man staunt, wie weitsichtig damals die Friedhofsplanungen waren.

Der Neue Johannisfriedhof wurde deshalb nicht aufgegeben. Bestattungen fanden hier bis zum 31. Dezember 1950 statt.

Das Tor zum Friedenspark - gelegen Am Hospitaltore.
Das Tor zum Friedenspark - gelegen Am Hospitaltore.
Foto: Ralf Julke

Doch dann begann die schwierige Zeit. Der Friedhof wurde säkularisiert. Die Abteilungswände und die Gruftanlagen wurden abgebrochen und die Gräber von 1973 bis 1975 eingeebnet. Aus dem Friedhof sollte ein öffentlicher Park werden - der heutige Friedenspark.

Dabei war man sich durchaus anfangs noch bewusst, dass man es hier auch mit einem kulturgeschichtlich wichtigen Ort zu tun hatte. Die Denkmalpfleger insistierten darauf, "zumindest die den Friedhof umfassende Mauer zu erhalten, um möglichst viele kunst- und kulturhistorisch wertvolle Wandstellen in ihrer Gesamtheit zu bewahren. Heute sind von der Umfassungsmauer nur noch dem Verfall preisgegebene Teilstücke mit einzelnen Schriftplatten vorhanden", bedauert das zuständige Amt.

Und für Bedauern gibt es auch noch einen anderen Grund. Denn einen Teil der geborgenen Denkmale wollte man durchaus auch noch retten. Die Information der Stadt dazu: "Nach der Säkularisation des Neuen Johannisfriedhofs wählten Denkmalpfleger etwa 120 Einzelobjekte mit stadt- und kunstgeschichtlicher Bedeutung aus, welche auf dem Alten Johannisfriedhof untergestellt werden sollten. Bereits beim unsachgemäßen Transport kam es zu erheblichen Schäden. Der überwiegende Teil der Grabmale lagerte schließlich 23 Jahre lang unter freiem Himmel. Durch Diebstahl und Vandalismus waren weitere Verluste zu beklagen. Im Jahr 1991 waren noch 58 Grabmale vorhanden, konnten saniert und im südöstlichen Teil des Alten Johannisfriedhofs entlang der Prager Straße aufgestellt werden."

Zu den geretteten Grabmalen gehören auch die der Familie Brockhaus, die auf dem Alten Johannisfriedhof heute ein eigenes Ensemble bilden.

Aus dem Neuen Johannisfriedhof wurde eine öffentliche Parkanlage, die dem Naherholungsbedürfnis der Bürger aus der Umgebung dienen sollte. "1983 wurde die erste Ausbaustufe des ehemaligen Neuen Johannisfriedhofs mit verschiedenen Sport- und Spielanlagen als Friedenspark an die Leipziger Bevölkerung übergeben", heißt es auf der Website der Stadt.

Mittlerweile hat nicht nur der Apothekergarten der Universität Leipzig im Friedenspark seinen Ort gefunden, 2007 wurde auch der eindrucksvolle Duft- und Tastgarten eröffnet und im Mai 2011 konnte der Gedenkort für die Opfer des Leipziger Euthanasie-Programms eingeweiht werden.

Das Eingangstor, über das man von der Prager Straße aus kommend, den Park betreten kann, ist - neben einigen Gebäuden, die vom heutigen Amt für Stadtgrün und Gewässer genutzt werden, die letzte Erinnerung an den einstigen Neuen Johannisfriedhof.


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