Alles bereit für 1813-1913-2013: Doppeljubiläum der Völkerschlacht soll ein europäisches Fest des Friedens werden
Matthias Weidemann
26.01.2012
Wie gut, dass es Marketenderinnen gibt.
Foto: Matthias Weidemann
300.000 Tonnen Porphyr dräuen am südlichen Horizont Leipzigs im wahrsten Sinne monumental. Einst grau und drohend, jetzt strahlend und verheißungsvoll. Und das in jeglicher Hinsicht. Jedenfalls wenn man der Botschaft der Auftaktveranstaltung im Congress Center Leipzig am Dienstagabend, 24. Januar, zum Völkerschlacht-Doppeljubiläum 2013 Glauben schenkt.
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„Leipzig 1813-1913-2013. Eine europäische Geschichte“ lautet das Motto der Feierlichkeiten, die auf ganz Europa ausstrahlen sollen.
Wie wichtig man es mit dem gewichtigen Steinklotz nimmt, ließ schon die Liste der politischen Schwergewichte erahnen, die es sich nicht nehmen ließen, mit mehr oder weniger originellen Redebeiträgen zu glänzen. Ob Oberbürgermeister Burkhard Jung, Ministerpräsident Stanislaw Tillich oder Ex-Ministerpräsident Kurt Biedenkopf, sie alle ließen es sich nicht nehmen, ein wenig in der großen Kiste der europäischen Geschichte herumzustöbern.
Jung konnte seinen Stolz nicht verbergen, als er anmerkte, dass das Völkerschlachtdenkmal zum Jubiläumsjahr 2013 komplett fertig sein werde: „Und zwar vom Scheitel bis zur Sohle, aus einem schwarzen Koloss ist dann ein strahlendes Monument geworden.“ Eine Frischzellenkur, die allerdings auch ihren Preis hat. 20 Millionen Euro sind schließlich kein Pappenstiel. 12 Millionen kommen von der Stadt, 7,8 Millionen vom Land und der Rest wurde durch Spenden eingefahren.
Martin Buhl-Wagner, Burkhard Jung und Kurt Biedenkopf beim Appell.
Foto: Matthias Weidemann
„Eine enorme Summe“, wie der OB zu Recht anmerkte. Bei aller Freude, so das Stadtoberhaupt, bleibe dennoch ein Stachel im Fleisch der Denkmalfreunde: „Und das sind die Außenanlagen. Die sind leider noch in einem sehr schlechten Zustand. Die werden noch einmal etwa 6,7 Millionen verschlingen. Aber wenigstens die Treppe sollten wir bis dahin geschafft haben, so dass wir im Jahre 2013 ein großes europäisches Fest im Sinne des Friedens feiern können.“
Dass unser graumelierter Landesvater alles andere als ein mitreißender Redner ist, dürfte hinlänglich bekannt sein. Und so öffneten sich bei vielen der 300 geladenen Gäste die Augen erst wieder ruckartig, als Stanislaw Tillich am Ende seiner Rede versprach, dass man Mittel und Wege finden werde, sich bei den Kosten für die Treppe zu beteiligen. Leipzigs OB habe ihn gebeten, in Berlin vorzusprechen, was er auch getan habe. Applaus dafür.
Professor Kurt Biedenkopf hält den Anwesenden schnell mal eine Vorlesung über Europa.
Foto: Matthias Weidemann
Last not least durfte auch ein erstaunlich fit wirkender Ex-MP Kurt Biedenkopf (der am 28. Januar seinen 82. Geburtstag feiert) ans Rednerpult. Er ist der lebende Beweis dafür, dass Politik so ungesund nun auch nicht sein kann und ihren Mann respektive ihre Frau wohl nährt. Und was soll ein Professor, der am Rednerpult steht, wohl machen? Er hält eine Vorlesung. Und zwar eine Kurzvorlesung in europäischer Geschichte mit der Quintessenz, dass die europäische Vorherrschaft, die einst mit Schwert und Feuer behauptet wurde, lange vorbei sei angesichts der Tatsache, dass die Europäer nur noch sieben Prozent der Weltbevölkerung repräsentierten: „Die neuen Kämpfe werden mit dem Geist, Ideen und Innovationen gefochten und das Völkerschlachtdenkmal wird die Gelassenheit ausstrahlen, die einem Fest der Freiheit zukommt.“
Völkerschlacht ist eine ernste Sache - jedenfalls für diesen Franzosen.
Foto: Matthias Weidemann
Das war auch das Stichwort für Volker Rodekamp, den Direktor des Stadtgeschichtlichen Museums, der das Programm der Festwoche im Oktober 2013 vorstellte. Den Auftakt wird ein Gedenkgottesdienst am 17. Oktober in der russisch-orthodoxen St.-Alexij-Gedächtniskirche machen, der an die 22.000 russischen Gefallenen der Völkerschlacht erinnert. Am Freitag, 18. Oktober 2013, gedenken auf den Tag genau 100 Jahre nach der Weihe des Völkerschlachtdenkmals politische Vertreter aus ganz Europa am historischen Ort mit einem Festakt der Gefallenen der Völkerschlacht. Zugleich wird das restaurierte Monument symbolisch der Öffentlichkeit übergeben.
Der 19. Oktober steht ganz im Zeichen des Feierns und der Begegnung für das Publikum. Musik, Theater und Lichtinszenierungen laden die Leipziger und Gäste aus ganz Deutschland und Europa zum Monument ein. Der Sonntag ist dann wieder den Darstellern der lebendigen Historie gewidmet, wenn rund 6.000 Darsteller in Uniformen der napoleonischen Ära die Ereignisse der Oktobertage des Jahres 1813 erneut lebendig werden lassen. Dann kann man nacherleben wie es damals zur Schlacht war, wie es im Feldlager zuging und wie das Leben der Zivilisten durch die Last der militärischen Auseinandersetzungen beeinträchtigt wurde.
Doch schon in den kommenden Monaten werfen zahlreiche Ereignisse und Veranstaltungen ihre Schatten auf das kommende Ereignis voraus. Darunter Bürgerfeste, Buchpräsentationen oder Kinder- und Jugendprojekte. Fest steht auf jeden Fall, dass das anstehende Jubiläum Leipzig wieder mal in den Mittelpunkt des europäischen Interesses rücken wird. Und das kann letztendlich nur gut sein. Das Völkerschlachtdenkmal wurde am 18. Oktober 1913 durch Kaiser Wilhelm II. eingeweiht. Es ist mit seinen 91 Metern eines der größten Denkmale Europas. Mit den Außenanlagen umfasst das Denkmal eine Fläche von 80.000 Quadratmetern.
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