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Der Autofahrer der Generation Plus: Eine Zielgruppe mit Kaufkraft und ganz besonderen Ansprüchen

Robert Weigel
Mercedes A-Klasse auf der AMI 2008.
Mercedes A-Klasse auf der AMI 2008.
Foto: Leipziger Messe GmbH / Jens Schlüter
Der Deutsche an sich wird immer älter. Das wissen Krankenkassen und Rententräger schon länger und auch die meisten Bundesbürger, ob jung oder alt, haben schon davon gehört. Auch in der Autobranche dürfte sich der demografische Wandel schon herumgesprochen haben – doch was sollten Hersteller und Verkehrsplaner eigentlich tun für die stetig wachsende Generation plus?

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Denn eines ist klar: Der Autofahrer im reiferen Alter stellt eine ganz eigene Zielgruppe dar – mit veränderten Ansprüchen und ganz eigenen Präferenzen. Und in aller Regel hat er etwas, das jüngeren Käuferschichten in der breiten Masse fehlt: viel Geld! Dass er bereit ist, auszugeben, wenn das Angebot stimmt. So richtig erkannt haben die Autobauer diese Goldgrube aber scheinbar noch nicht.

Uwe Röhrig von International Car Concepts.
Uwe Röhrig von International Car Concepts.
Foto: ICC
„Bis jetzt haben die Hersteller das große Glück, dass die Autofahrer der Generation plus das Angebot auf dem Markt so wie es ist akzeptieren“, behauptet Peter Zauner und erklärt diesen Umstand mit dem in der Gesellschaft immer noch weit verbreiteten Jugendwahn. Zauner hat sich in seiner Dissertation zusammen mit Professor Bernhard Wolf vom Heinz-Nixdorf-Lehrstuhl für Medizinische Elektronik an der Technischen Universität München mit dem Autofahrer der Generation plus auseinander gesetzt und die Ergebnisse 2007 veröffentlicht.

Die Anforderungen älterer Autofahrer seien, so Zauner, generell die gleichen wie die Ihrer jüngeren Kollegen. „Allerdings mit deutlich stärkerer Ausprägung auf Qualität und Nützlichkeit.“ Dabei müssen Autos nach Ansicht von Uwe Röhrig, Chef von International Car Concepts (ICC), vor allem kompakt und übersichtlich sein. Außerdem wichtig für die Generation plus: Bequemer Ein- und Ausstieg. „Bis auf wenige Fahrzeugsegmente, die sich einfach so ergeben haben, gibt es kein Fahrzeugkonzept, dass speziell für diese immer wichtiger werdende Zielgruppe geplant und gebaut wird“, meint Röhrig, der bei ICC mit seinen Kollegen Autohäuser ganzheitlich berät und dabei auch immer den Kunden im Blick haben muss.

Für ältere Autofahrer geeignet: Mercedes A-Klasse auf der AMI 2008.
Für ältere Autofahrer geeignet: Mercedes A-Klasse auf der AMI 2008.
Foto: Leipziger Messe GmbH / Jens Schlüter
Und der legt, wenn Mobilität und Reaktionsfähigkeit altersbedingt nachlassen, größeren Wert auf Nützlichkeit und Qualität. „Der Handel muss daher mit deutlich mehr Argumenten zu punkten versuchen als bei den emotionaleren Kaufentscheidungen jüngerer Altersgruppen“, meint Diplom-Ingenieur Peter Zauner. Helfen würden vor allem elektronische Systeme wie Einparkhilfen, Rückfahrwarner oder Bremsassistenten. Nach Ansicht von Uwe Röhrig sind derartige Systeme “prädestiniert, um serienmäßig für diese Zielgruppe verbaut zu werden.“ Denn bisher seien die elektronischen Assistenten in geeigneten Fahrzeugen entweder gar nicht oder häufig nur gegen Aufpreis erhältlich.

Weshalb schon der Beratung älterer Autofahrer entscheidende Bedeutung zukomme. „Hier ist eine besondere Kundenansprache und Pflege erforderlich“, sagt Uwe Röhrig und mahnt Autohändler an, sich sich für ältere Autokäufer ausreichend Zeit zu nehmen. „Autofahrer der Generation plus kommen öfter zum Beraten und lassen sich alles genau beschreiben, vielfach ist dann die Fachkenntnis des Händlers nicht ausreichend um dem Kunden einen zufrieden stellenden Eindruck von den Vorteilen zu vermitteln“, meint auch Peter Zauner. Auch im Internet und in Autozeitschriften fehlten meist entsprechende Informationen, so dass der Kunde oftmals gar nicht wisse, welcher Mehrwert sich hinter den teilweise teuren Extras verbirgt.

Als geeignetes Fahrzeug für die ältere Genration sehen sowohl Zauner als auch Röhrig die Mercedes A-Klasse und deren Konkurrenzmodelle an. „Jeder Hersteller hat ein Modell im Produktportfolio was passen kann, bei vielen ist allerdings nicht für alle diese Modelle auch die Palette an elektronischer Assistenz gegeben“, schränkt Zauner ein. Die passende Größe des Autos hänge zudem stark von der Größe des Fahrers ab – je größer der Fahrer, desto eingeschränkter ist die Auswahl.

Schrieb seine Dissertation zum Thema „Der Autofahrer der Generation Plus“: Peter Zauner.
Schrieb seine Dissertation zum Thema „Der Autofahrer der Generation Plus“: Peter Zauner.
Foto: Peter Zauner
Doch nicht nur Autobauer stehen in der Pflicht, sich auf den älter werdenden Autofahrer einzustellen, auch Verkehrsplaner können ihr Scherflein dazu beitragen, dass die Generation plus komfortabler und sicherer ans Ziel gelangt. Kreisverkehre seien nach einhelliger Ansicht von Zauner und Röhrig generell weniger Unfall gefährdet als (Ampel-)Kreuzungen – kämen aber im Straßenbild noch zu selten vor. Peter Zauner nennt zudem Alleen als Problemschwerpunkt, der stetige Wechsel von Hell und Dunkel bei Sonnenlicht sei unnötig gefährlich. „Darüber hinaus sollten schnellstens die Straßenbeleuchtungen, auch und im speziellen außerorts und auf Autobahnen und Schnellstraßen optimiert werden“, fügt Uwe Röhrig hinzu und denkt für die nächsten Jahre schon einen Schritt weiter: „Ich gehe zu jetzigen Zeitpunkt noch nicht soweit, dass auf Autobahnen und Schnellstraßen eine separate Fahrspur einzurichten ist, doch in der Zukunft muss das ein Szenario sein, dem eine besondere Aufmerksamkeit zu widmen ist.“

Regelmäßige Tests und Schulungen der Fahrtüchtigkeit befürworten beide Experten – allerdings bevorzugt auf freiwilliger Basis. „Schon aus Selbstschutz, nur ist das natürlich ein ganz sensibles Thema und bedarf einer geschickten Kampagne, die aufklärt und nicht entmündigt“, meint Uwe Röhrig. Und Peter Zauner ergänzt: „Diskussionen über die Gefahr, die von 'fahruntüchtigen' älteren Autofahrern ausgeht, müssen wissenschaftlich geführt werden – oft missbrauchen Interessengruppen Einzelfälle um Stimmung für die Einführung gesetzlicher Vorschriften zu machen.“ Der Nutzen solcher schon in einigen Staaten gesetzlich verankerten Regelungen sei nach wie vor umstritten. Deshalb dürfe nach Ansicht von Röhrig “auf keinen Fall ein generelles Fahrverbot auf Altersbasis zugelassen werden, sondern nur vor dem Hintergrund der Eignung.“

Peter Zauner: Der Autofahrer der Generation Plus. Cuvillier Verlag, Göttingen, 2007. 27,- Euro.


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