Betreibervertrag für neues S-Bahn-Netz unterschrieben: Auftragsvolumen von 1,6 Milliarden Euro
Matthias Weidemann
09.02.2011
DB-Zug im Hauptbahnhof Leipzig.
Foto: Ralf Julke
Symbolhafter hätte der Ort für den Abschluss eines Geschäftes kaum sein können. Am Montag, 7. Februar, wurde in der Alten Handelsbörse am Naschmarkt der Betreibervertrag für das neue mitteldeutsche S-Bahn-Netz unterschrieben. Inhalt: neun Millionen Zugkilometer, eine zwölf Jahre laufende Vereinbarung, ein Auftragsvolumen von 1,6 Milliarden.
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Dazu 500 Arbeitsplätze und 51 neu angeschaffte, einstöckige Züge - das sind nur ein paar Rahmendaten des Vertrages der infrastrukturellen Superlative.
„Hier, wo einst Leipziger Kaufleute besonders wichtige Geschäfte besiegelten, wird auch heute eine solch wichtige Vereinbarung getroffen,“ meinte denn auch Stephan Georg Wigger, Geschäftsführer der Bahn-Tochter S-Bahn Mitteldeutschland. Zwei Konkurrenten mussten in einem harten Bieterverfahren aus dem „Weg geräumt“ werden. Darunter auch ein so starker Mitbieter wie der Veolia-Konzern, der ebenfalls an dem Großprojekt des Schienenpersonennahverkehrs im Ballungsraum Leipzig/Halle interessiert gewesen war.
Die Bahn wird das S-Bahn-Netz rund um den City-Tunnel Leipzig betreiben.
Foto: Ralf Julke
Frank Sennhenn, Vorstandsvorsitzender des Betreiberunternehmens versprach größte Anstrengungen: „Wir werden alles daran setzen, ein wirklich guter Betreiber zu sein und wollen das, wenn möglich hier und da noch übertreffen.“
Mit der Ausschreibung des Projektes im August 2008 hatte der Zweckverband Nahverkehrsraum Leipzig (ZVNL) eine der europaweit größten Ausschreibungen gestartet. Immerhin erstreckt sich das Schienennetz über insgesamt vier Bundesländer. Neben Sachsen sind Sachsen-Anhalt, Thüringen und Brandenburg Teil dieses Verkehrsverbundes. Aufgrund des Umfangs der Ausschreibung waren verschieden Bedingungen gestellt worden. So müssen in den nächsten Jahren in die neue Fahrzeugflotte von 51 einstöckigen Fahrzeugen über 200 Millionen Euro investiert werden. Die müssen natürlich auch entsprechend mit Personal bestückt werden, was Begleitpersonal, Fahrscheinverkauf in den Zügen sowie Kundenbetreuungszentren in den befahrenen Regionen bedeutet.
Das neue S-Bahn-Netz mit dem City-Tunnel als Herzstück.
Quelle: DB
Mit der Aufnahme des Betriebs im Mitteldeutschen S-Bahn-Netz wird es für die Kunden zahlreiche Neuerungen geben. Bei den neuen Fahrzeugen handelt es sich um Elektro-Triebwagen der Baureihe „Talent 2“ vom Hersteller Bombardier Transportation, die Geschwindigkeiten von bis zu 160 km/h fahren können.
Die neuen Züge sind klimatisiert und besonders umweltfreundlich. Je nach Linie und Abschnitt verfügen die Fahrzeuge über 150 und 400 Sitzplätze. Um eine hohe Flexibilität im Betriebsablauf zu gewährleisten, ist es eine wichtige Voraussetzung, dass ein sogenannter Flügelzugbetrieb möglich ist. Das heißt, die Triebwagen können an festgelegten Stationen im S-Bahn-Netz innerhalb weniger Minuten getrennt bzw. zusammengekuppelt werden.
Soll durch den Tunnel fahren: Zugmodell "Talent" aus Bautzen.
Quelle: DB
Laut ZVNL-Geschäftsführer Andreas Glowienka werde spätestens im April die zweite Stufe des mitteldeutschen S-Bahnnetzes europaweit ausgeschrieben. So sollen ab Januar 2016 noch weitere Leistungen über Bitterfeld/Delitzsch durch den Citytunnel zugeführt werden. Allerdings sei die Finanzierung dieser rund zwei Millionen Zugkilometer auf sächsischer Seite noch nicht gesichert. Der umstrittene Citytunnel war auch das Stichwort für Sachsens Wirtschaftsminister Sven Morlok (FDP), der zusicherte, dass das mittlerweile immer teurer gewordene Prestigeobjekt bis Dezember 2013 fertiggestellt sein würde: „Das Geld,das bereit gestellt werden muss, wird bereit stehen.“ Wenn der Tunnel dann im Dezember wie geplant fertig sei, werde man, so der Minister, sich in 20 Jahren bestimmt kaum noch vorstellen können, wie es jemals ohne ihn gehen konnte.
Ein Blick ins Innere des "Talent".
Quelle: DB
Info: Die Fahrzeuge der S-Bahn Mitteldeutschland GmbH werden künftig auf insgesamt sechs S-Bahn-Linien im mitteldeutschen Wirtschaftsraum unterwegs sein und diesen mit dem Umland verbinden.
S 1 Leipzig Miltitzer Allee–Leipzig Hauptbahnhof tief (CTL)–Wurzen–Oschatz
S 2 Bitterfeld–Delitzsch–Leipzig Messe–Leipzig Hauptbahnhof tief (CTL)–Markkleeberg–Gaschwitz
S 3 Halle-Nietleben–Halle (Saale) Hauptbahnhof–Schkeuditz–Leipzig Hauptbahnhof tief (CTL)–Leipzig-Stötteritz
S 4 Hoyerswerda–Torgau–Eilenburg–Leipzig Hauptbahnhof tief (CTL) Markkleeberg–Borna–Geithain
S 5 Leipzig/Halle Flughafen–Leipzig Messe–Leipzig Hauptbahnhof tief (CTL)–Markkleeberg–Altenburg–Zwickau
S 5X Halle (Saale) Hauptbahnhof– Leipzig/Halle Flughafen–Leipzig Messe–Leipzig Hauptbahnhof tief (CTL)–Markkleeberg–Altenburg–Zwickau
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