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Eine unwahre Weihnachtsgeschichte: Leipziger City-Tunnel wird komplett umgebaut fertig gestellt und umgenutzt

Michael Freitag
Neue Konzepte beim Citytunnel brechen den Weg frei für einen lebendigen Untergrund in Leipzig
Neue Konzepte beim Citytunnel brechen den Weg frei für einen lebendigen Untergrund in Leipzig
Foto: Ralf Julke (Archiv)
Die lange Planungszeit und zuletzt auftretende Finanzierungsschwierigkeiten haben nun zu einem radikalen Umdenken beim Projekt "City Tunnel" in Leipzig geführt. Auch die zuletzt diskutiert Schließung der Leipziger S1 nach Grünau hat die Sinnhaftigkeit einer höheren Vernetzung im Leipziger Raum zunehmend in Frage gestellt. Denn wo keine S-Bahnen, was soll dann noch der Tunnel? Nun ist eine preiswertere Variante für den Endausbau gefunden worden.

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So will man nach neuesten Planungen der DEGES als ausführenden Baubeauftragten seitens der Deutschen Bahn auf die kostenintensive Einbringung weiterer Schienen verzichten und stattdessen die Röhren mit Beton ausgießen, um in der ersten neuen Ausbaustufe einen ebenen Boden zu erhalten. So teilt es das Land Sachsen als Bauherr und Herr dieser Entscheidung heute mit. Damit hat man sich abschließend von dem Plan eines Nahverkehrstunnels unter Tage verabschiedet und sich für eine sofortige Umnutzung entschieden. Nicht zuletzt die immer wieder eindringenden Grundwasser des morastigen Leipziger Unterbodens hätten den Ausschlag für eine schnellere Refinazierungsvariante gegeben. Denn im Weiteren sollen Schneisen in die Röhrenwände geschlagen und mit Beton ausgegossen werden, um Platz für Ladengeschäfte, Clubs und zwei neue Museen in der Messestadt zu schaffen.

Gerade die beiden Museumsvorhaben sind neben der hier möglichen neuen Clubszenerie wegweisend für die Touristenmengen in der alten Handelsmetropole Leipzig. So wird hier nun endlich das lange debattierte Leipziger Sportmuseum mit seiner weltweit einzigartigen Sammlung an Sportdevotionalien ebenso Platz finden, wie auch das längste Eisenbahnmuseum - dieses natürlich traditionsgerecht am geplanten Zustiegpunkt Bayrischer Bahnhof angesiedelt.

Der sächsische Wirtschaftsminister Sven Morlok (FDP) in der Begründung dieses überraschenden Schrittes gegenüber L-IZ.de: "Wir haben aufgrund der langen Planungszeit seit den 90ern nun eingesehen, dass die Zeit das Projekt überholt hat. Sachsen setzt eben wieder verstärkt auf den Automobil- und Busbau, wie auch meine neuen Initiativen des Ausbaus der Busfertigungsstrecke in Plauen gemeinsam mit MAN und die Beibehaltung der Autobahnausbaubemühungen in Sachsen laut Haushaltsplan 2011/12 eindrucksvoll zeigen. Schienenverkehr ist ein Relikt aus dem späten 19. Jahrhundert und durch seine scheinbar kaum auflösbare Staatsnähe soundso unerträglich. Ich verweise hier nur auf die immer wieder torpedierte Bahnprivatisierung und die unsinnigen Zwänge der Bürgerbeteiligung bei Projekten wie S21. In Zeiten des Sparzwangs müssen wir alte Zöpfe abschneiden und auf die Eigeninitiative der Menschen setzen, da gehört nicht nur die individuelle Fortbewegung via Automobil oder für die weniger Betuchten eben der Fußmarsch dazu."

Mit sozialer Kälte wollte Morlok diese Aussage betont nicht verbunden wissen. Man schaue grundsätzlich in Deutschland zuviel auf den Staat, wenn man mal in Schwierigkeiten sei, sagte er mit Hinweis auf die USA.

Es wurde viel bewegt für die Tunnelidee -hier den Portikus um 30 Meter. Nun findet die Sache einen sinnvollen Abschluss als Partymeile und Ort für neue ungewöhnliche Attraktionen.
Es wurde viel bewegt für die Tunnelidee -hier den Portikus um 30 Meter. Nun findet die Sache einen sinnvollen Abschluss als Partymeile und Ort für neue ungewöhnliche Attraktionen.
Foto: Ralf Julke (Archiv)

Weiter führte er unbremsbar aus: "Ich habe auch bis heute keine nachvollziehbare Erklärung vom sächsischen Landesrechnungshof über die Kostenexplosionen bei diesem unterirdischen Projekt erhalten und die Deutsche Bahn schweigt weiterhin beharrlich über die Gründe der fulminanten Preisentwicklung der letzten Monate. Der Freistaat Sachsen und die Stadt Leipzig sollen das alles bezahlen? Damit ist nun Schluss, lieber ein Ende mit Schrecken, als Schrecken ohne Ende."

Man rechne mit einer Ersparniss gegenüber dem vormals geplanten Endbau als Nahverkehrsverbindung quer durch Leipzig in Höhe von zirka 100 Millionen und das noch ohne weitere Kostenerhöhungen bei der alten Planung. "Dieses Geld kann die Stadt Leipzig haben, wenn sie bis 20. Februar 2011 einen Antrag in dreifacher Ausfertigung an der Wandzeitung im Vorzimmer des sächsischen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich anpinnt. Und den Oberbürgermeister Leipzigs endlich aus dem Amt jagt - der hat mich schon in meiner Zeit als Stadtrat durch seine fehlende Privatisierungslust genervt." so der Wirtschaftsminister zu den sich damit ergebenden Chancen für Leipzig.

Was im ersten Ansatz wie "Per Anhalter durch die Galaxis" und in der zweiten Anforderung ein wenig an den Plot von Dürrenmatts "Besuch der alten Dame" erinnert, wird derzeit im durch die beständigen Spardebatten angeschlagenen Leipziger Stadtrat offen diskutiert, da man hier, spätestens seit der Personaldiskussion um Kulturbürgermeister Michael Faber, die politische Kultur zugunsten von Auflösungserscheinungen des "Leipziger Modells" begonnen hat, über Bord zu werfen.

In der Nähe des neuen Eisenbahn und des Sportmuseums - Der ausgebaute Eingang in die Leipziger Unterwelt am Bayrischen Bahnhof
In der Nähe des neuen Eisenbahn und des Sportmuseums - Der ausgebaute Eingang in die Leipziger Unterwelt am Bayrischen Bahnhof
Foto: Ralf Julke (Archiv)

Denn die Vorteile des neuen Konzeptes sind neben dem avisierten Geldregen unter sicherlich erneut harten Bedingungen auch für die Stadträte durchaus bestechend. Mit der Belebung des Leipziger Untergrundes durch schaulustige Touristen, welche schließlich nicht zuletzt die Hotels füllen würden, gemahnt das neue Konzept auch an die bezaubernden Bilder aus der Moskauer Metro mit den Klassikkonzerten in bestechender Akkustik und der großer Zuneigung der Moskowieter. Nicht zuletzt die Schutzfunktion für die Leipziger bei Terrorangriffen in und auf Leipzig stützt das neue Konzept in Zeiten der wachsenden Terrorangst.

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Durch die erhöhte Aufnahmekapazität in den errichteten Räumen und der Röhre selbst wäre so Platz für alle Bürger der Stadt gegeben - und zu trinken und zu essen gäbe es in solchen Zeiten durch die integrierten Gastronomieen genug für die ersten, entscheidenden Tage.

Die Nachfrage zu den augenscheinlich nicht durchgereichten Entwicklungsmitteln vom Bund an die Nahverkehrsanbieter durch das Land Sachsen beantwortete Morlok eher einsilbig mit einem: "Da kann doch jeder kommen und um Geld bitten. Schauen sie sich bitte mal die Situation im Sozialhaushalt an, das muss jedes Ministerium das Geld festhalten, auch wenn das in Leipzig kurzfristig Arbeitsplätze bei der LVB durch die Streichung der 50 Millionen für Heiterblick kostet. Langfristig tun wir dies schließlich für unsere Kinder. Und glauben sie mir, diese Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen - aber kann nun ja endlich revidiert werden, wenn Leipzig den erwähnten Antrag stellt."

Damit steht wohl fest - der City Tunnel kommt. Stellt sich also nur noch die Frage, wer dafür warum sein Amt verliert. Und wann endlich das junge Völkchen der Stadt im neuen Partytunnel "groovt".

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