Strompreiserhöhungen weit über 10 Prozent ab Januar: Was hinter den Erhöhungen steckt
Redaktion
18.12.2012
Private Stromkunden zahlen für Großunternehmen drauf.
Foto: Ralf Julke
Viele Verbraucher erhalten derzeit von ihren Stromversorgern die Information, dass sich im Januar die Strompreise erhöhen. Dabei kann es in Einzelfällen um Erhöhungen von bis zu 20 Prozent gehen. „Vielfach muss die Energiewende als Sündenbock für die Erhöhungen herhalten“, informiert Roland Pause, Energieexperte der Verbraucherzentrale Sachsen. Aber in der Regel ist die Energiewende nur eine faule Ausrede.
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„Sicher ist die Energiewende nicht kostenlos zu bekommen, aber wenn man genauer hinsieht, wird deutlich, dass die hohen Kosten für den Strombezug sehr ungleich verteilt werden", sagt Pause.
EEG-Umlage:
Die EEG-Umlage beträgt gegenwärtig 3,592 Cent/kWh und steigt 2013 auf 5,277 Cent/kWh für alle Privathaushalte und die mittelständische Wirtschaft. Allerdings werden bundesweit über 2.000 stromintensive Unternehmen von der EEG-Umlage befreit, was allein rund 0,6 Cent/kWh ausmacht. Diese Befreiung muss von den Verbrauchern und der mittelständischen Wirtschaft zusätzlich geschultert werden.
Umlage aus § 19 Stromnetzentgelt-Verordnung:
Ein weiterer Preistreiber sind die Netzentgelte, die 2013 noch weiter steigen werden. Nach dem so genannten Nachtparagrafen werden Unternehmen mit sehr hohem Stromverbrauch vollständig entlastet. Diese Kosten (0,178 Cent/kWh) belasten die Endverbraucher neben der EEG-Umlage ebenfalls zusätzlich.
Offshore-Umlage:
„Eine dritte große Ungerechtigkeit stellt die Offshore-Umlage dar, die 2013 neu eingeführt wird“, ärgert sich Roland Pause. Mit den Einnahmen dieser Umlage sollen die Betreiber von Offshore-Anlagen entschädigt werden, wenn Übertragungsnetzbetreiber betriebsbereite Anlagen nicht rechtzeitig ans Netz anschließen können. Damit entstehen keinerlei Kosten für die Übertragungsnetzbetreiber, die diesen Umstand verursachen, und erneut werden die Verbraucher mit 0,25 Cent/kWh zur Kasse gebeten.
KWK-Umlage:
Außerdem steigt auch die KWK-Umlage im kommenden Jahr von 0,002 auf 0,126 Cent/kWh.
Damit machen diese vier Positionen insgesamt eine Erhöhung von 2,237 Cent/kWh aus. Davon sind allein 1,028 Cent/kWh auf die Befreiungen der stromintensiven Unternehmen und der Übertragungsnetzbetreiber zurückzuführen. Zusätzliche Gewinne erwirtschaften die Stromversorger dadurch, dass gesunkene Börsenpreise nicht an die Endkunden weitergegeben werden und Verbrauchern somit eine Vergünstigung um durchschnittlich rund 2 Cent/kWh vorenthalten wird. „Es zeigt sich, dass die erhöhten Preise nicht ausschließlich auf die Energiewende geschoben werden können“, fasst Pause zusammen.
Gegen die Erhöhung dieser Einzelkomponenten können Verbraucher wenig tun. Neben konsequentem Energiesparen haben besonders Haushalte, die nach wie vor in der Grundversorgung stecken, finanzielle Einsparpotenziale. In Sachsen bezieht noch immer knapp die Hälfte der sächsischen Haushalte dieses teuerste aller Tarifmodelle. Bei einem Wechsel des Anbieters beläuft sich das durchschnittliche Einsparpotenzial für einen Musterhaushalt mit einem jährlichen Stromverbrauch von 3.000 Kilowattstunden in Sachsen auf knapp 180 Euro. Wobei bundesweit nur Stromanbieter ohne Vorkasse, ohne Kaution und ohne Boni in Betracht gezogen wurden.
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