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Leipzigs Musikszene
Kiss, Herbert Grönemeyer, Madonna, Queen, ... kennt man ja. Aber hat Leipzig eine eigene Musikszene wie Hamburg und Berlin? Brummt in den Musikmagazinen die Musik aus Leipzig in allerhöchsten Tönen? Wohl eher nicht. Doch das soll nicht heißen, dass Musiker in Leipzig weniger qualitätsvoll tönen wie anderswo. Sie werden nur nicht beachtet und wahrgenommen. Es gibt auch in der Messestadt viel zu entdecken. Die L-IZ war in Proberäumen, Clubs und Festivals unterwegs und hat so manche Geschichte hervorgeholt. Leipzigs Musikszene ist bunt und quirlig, so das Fazit.
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Herbsterwärmendes Planschen: In der Schaubühne Lindenfels stieg der 15. Swimmingpool

Maria Nova
Flo'Kern Expression im Planschbecken Schaubühne Lindenfels.
Flo'Kern Expression im Planschbecken Schaubühne Lindenfels.
Bild: Maria Nova
Schöner könnte man sich den Novemberstart nicht wünschen, mäßig kühl, dennoch sonnig und am Abend kuschelt es sich wunderbar in die Schaubühne Lindenfels zum allmonatlichen musikalischen Schwimmen in Leipziger Lokalkultur. Seit über zwölf Monaten heißt es einmal im Monat "Swimmingpool - die Konzertreihe für Leipziger Bands". Rund 50 Gäste folgen dem Ruf.

Die 15. Veranstaltung der „Swimmingpool“- Konzertreihe trägt sich herzerwärmend mit Nylonsaiten und Saitenstrümpfe und The Flo'Kern Expression in den Herbst. Uwe Brückner moderiert aus dem quietscheblauen Planschbecken in den mäßig gefüllten Saal und referiert über Frauenängste und Wetterlagen. Er springt für Stammmoderator Raschid D. Sidgi ein. Die Stimmung ist familiär aufgeheitert als Nadine Maria Schmidt gefolgt von ihrer Band die Bühne betritt. „Blaue Kanten“ soll ihr erstes deutschsprachiges Album heißen, dass im Juni nächsten Jahres erscheinen soll und heute Abend in kleinen Häppchen vorgestellt wird.

Die sympathische Vogtländerin schickt ihr Publikum auf eine Reise der Emotionen. Hinhören und mitfühlen - ihre facettenreiche Stimme berührt. Titel wie „Am Meer“, „Fliehen“ und „Sonne, Mond und Bären“ erfreuen das Leipziger und das zugereiste Plauener Publikum. Chris Turrak am Bass, Till Kretschmar an den Tasten und als neues Mitglied der Combo, Karl Blütchen am Schlagzeug, rücken die Intensität ihrer Stimme und die Geschichten ihrer Songs ins rechte Licht, so dass auch die letzten herbstverkühlten Köpfe verzückt und gebannt lauschen.

Nylonsaiten & Saitenstrümpfe planschten am 1. November mit.
Nylonsaiten & Saitenstrümpfe planschten am 1. November mit.
Bild: Maria Nova

„Raus hier“ singt sie als das Publikum Zugabe fordert und lässt es noch einmal richtig krachen. Das Publikum solle sie aber nicht falsch verstehen, sie wollen bitte noch bleiben, spielen doch gleich noch die befreundeten Musiker um Florian Kern.

Im obligatorischen Pauseninterview übernimmt die Sängerin gekonnt die Moderation und erzählt von ihrem deutschsprachigen Album, den besten Fans der Welt und lädt das Publikum ein, Teil ihres Monstersongs zu werden und bei der Aufnahme am 26.11. im Anker mit zu trällern. Nachdem das traditionelle Autogramm auf dem Planschbecken seinen Platz gefunden hat, nehmen The Flo'Kern Expression im Pool Platz. Sie erzählen von ungewollten Interviewfragen z.b. „Wie seid ihr eigentlich zur Musik gekommen?“ und Szenevergleichen zwischen Leipzig und Hamburg, berichten daher lieber aus dem Alltag der Band und den Plänen für die Zukunft.

Wenige Minuten trennen das adrette Trio von der Bühne. Heute erwartet das Lindenfelser Publikum keine explosiven Höhepunkte, eher romantischer Modern Blues mit Einflüssen von Country und Funk. Sänger Florian Kern schildert zur Einleitung jedes Songs Entstehungsgeschichten und Beweggründe und macht somit die Band-Zuschauer-Beziehung transparenter. Qualitativ hochwertiger Kneipenblues oder Sonntag-Nachmittag-Wiesenschwelgen.

Das Trio scheint eher auf den kleinen Bühnen zu Haus, dass aber im positiven Sinne, denn sie wissen so manche aufkommende Gefühlsregung wunderbar zu untermalen. Außerdem erfreuen die drei schicken Herren so manches Frauenherz im Publikum, eine Runde Sache also für Auge und Ohr.

Dieser Abend zeigt einen weiteren "Leipziger Swimmingpool" mit mehr als nur Metal und Punk an der musikalischen Drehtür. Man stellt sich angesichts der geringen Zuschauerzahlen berechtigterweise die Frage, ob das am Stadtteil, dem Werktag oder der Werbung liegt. An der musikalischen Qualität kann es so gehört und gesehen nicht liegen. Auch die Eintrittspreise sind besucherfreundlich. Gerade in der kalten Jahreszeit sind solche kulturellen Veranstaltungen innerhalb der Woche wahre Perlen des Alltags, entführen sie aus Sicht einiger Besucher doch für knapp über zwei Stunden aus dem kühlen Grau der Arbeitswoche.

Der nächste "Swimmingpool" öffnet für Glissa im Dezember die Pforte. Vielleicht wird diese Band als vorweihnachtliches Geschenk für das Plagwitzer Publikum gesehen. Denn diese Formation hat sich ausnahmsweise die L-IZ vor über ein Jahr entdeckt und für die Jahresabschlussausgabe ausgesucht. Vielleicht hüpft das Stadtmagazin "Kreuzer" noch mit ins Boot und schickt eine weitere viel versprechende Kapelle ins Rennen.


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