16. Swimmingpool: Schaubühne Lindenfels jubelt Sylvia und Glissa zu + Bildergalerie
Daniel Thalheim
08.12.2011

Ballbadespaß im "Swimmingpool" Ausgabe 16: Sylvia und Glissa necken mit Moderator Stahli.
Foto: Daniel Thalheim
Das war der dicke Nikolausstiefel für Macher und Gäste. Schon zum 16. Mal öffnete die Schaubühne Lindenfels für den "Swimmingpool" seine Pforten. Am Abend des 6. Dezember sorgte die Kulturredaktion der L-IZ und das Stadtmagazin "Kreuzer" für die Klänge. Beide suchten sich als Medienpartner der Konzertreihe zwei Leipziger Bands aus. Die Wahl fiel auf Sylvia und Glissa. Beide traten im Schaumregen auf.
Der 6. Dezember bleibt mit Sicherheit dick in der Erinnerung von "Bademeister" Peter Schneider, auf dessen Idee die Konzertreihe "Swimmingpool" zurück geht. Das große Planschbecken war wieder in der Mitte aufgebaut, gefüllt mit bunten Bällen statt mit Wasser. Später sollten sich Musiker drinnen tummeln. Rund 70 Musikfreunde verteilten sich im Ballsaal der Schaubühne Lindenfels und schauten gebannt zu Bühne. Wer oder was ist Sylvia? Und wie kommt "Glitza" zu ihrem Namen. Das fragt sich zumindest Ersatzmoderator "Stahli", der für den erkrankten Raschid D. Sidgi einsprang.
"Stahli" bewegte die Leute aus ihren gemütlichen Sessel. Wenn schon "Swimmingpool", dann richtig. Die Besucher strömten nach vorne, mussten aber noch aus der Reserve gelockt werden, bevor "Sylvia totally unplugged & Zona Problematica" ihren Auftritt absolvierten. Die stimmstarke Sängerin ist auch Gitarristin der Band Zona Problematica und stromert seit 2003 in der Leipziger Musikszene umher. Ihre "Unplugged"-Version bekam unlängst den Titel "Lama-Liebling" vom Lama-Musik e.V. - Verein zur Förderung musikalischer Vielfalt verliehen - Gastspielreise inklusive.

Bejubelt: Singer/Songwriterin Sylvia nahm im Schaumregen Platz.
Foto: Daniel Thalheim
Preise und Lob hagelten auch in der Vergangenheit auf die Band, die derzeit mit "Licht an!" eine CD-Produktion aus den Händen gibt. Im Planschbecken-Interview mit Stahli erfährt auch der geneigte Zuhörer, dass dieses Werk im Rahmen des Newcomerinnen-Wettbewerbs "On Stage Live!" des Leipziger Frauenkultur Leipzig e.V. entstand. Ihre zuvor absolvierte Show war wie Zartbitterschokolade mit Orangengeschmack. Mit Witz, Charme und Klampfe entzückten Sylvia und ihre Band sowohl mit großem als auch mit kleinem Besteck.
"So viele Konzerte zu spielen, ist nicht unser Ding", meinte Sylvia im Swimmingpool-Interview. "Dass wir beim Swimmingpool sind, ist eine große Ausnahme." Das sagt die Sängerin nicht ohne Augenzwinkern, denn Live-Auftritte braucht eine Band wie der Mensch die Luft zum Atmen. Während alle durcheinander plapperten, kam auch ein Mann vorbei, auf den alle sehnsüchtig gewartet hatten.

Glissa: Franz Belger locker und souverän.
Foto: Daniel Thalheim
Er kam frisch aus dem Kabarett. Glissa-Komponist und Keyboarder Helge Nitzschke setzte sich auf einen Sessel, und hörte zu, wie sein Sänger Franz Belger und Schlagzeuger Johannes Wünsch erklärten, dass "Glissa" nichts mit "Glitza" zu tun hat, sondern sich vom italienischen "Glissando" ableitet, was wohl alle Töne betrifft, die in einer Reihe abgespielt werden. Wie ein Rutsch der Finger über die Pianotasten.
Die Kapelle um Mikrofonbefeuchter Franz Belger und Helge Nitzschke hat hörbar mehr drauf als nur einen Akkord. Der Drummer ist auch im Orchestergraben zuhause, Franz Belger stammt aus einer Künstlerfamilie, Helge Nitzschke drückt in der "Leipziger Funzel" regelmäßig die Tasten. Hier stehen echte Mugger auf den Bühnenbrettern, von denen Peter Schneider und "Stahli" schier begeistert sind.
Ausdrücke wie "Ich fühle mich in meine Jugend zurück versetzt", "Solche Musik ist in bester Liedermachertradition der DDR", "Diese Musik nutzt sich nicht ab", "Franz Belger ist ein zweiter Dirk Zöllner", beschrieben ziemlich genau die einfühlsamen Balladen und Lieder, die die Band souverän aus den Boxen drücken ließ. Zuvor brachte Glissa ein umjubeltes Nikolausständchen für die Besucher zum Besten. Zugaberufe waren nach der regulären Show selbstverständlich, auch wenn die Besucherzahl aufgrund der fortgeschrittenen Stunde leicht abnahm. Für die übrig gebliebenen Anwesenden war eines klar: Glissa ist eine der großen Nummern in Leipzig. Nun muss das der Rest der Messestadt, des Freistaates Sachsen und die Bundesrepublik mitkriegen.
Eins war für Peter Schneider am Ende des Abends auch sicher: Swimmingpool setzt sich 2012 fort, wenn auch ab Februar zweimonatlich. Bitter für ihn jedoch, dass statt des publikumsträchtigeren Donnerstag der erste Dienstag des Monats weiterhin im Terminkalender angestrichen werden muss.
Glissa und Sylvia Online
www.glissa.de
www.myspace.com/sylviatotallyunplugged
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