Biss des Lebens: Dark Suns begeistert mit Heimspiel im UT Connewitz
Daniel Thalheim
27.11.2011

Dark Suns im UT Connewitz.
Foto: Michael Gebhardt/Rockzoom.de
Manchmal ändern sich Dinge. Im Fall von Dark Suns schreitet auch hier die Zeit voran. Die Leipziger Progressiv-Rocker haben einen Weg beschritten, der bis jetzt jeden begeistert. "Orange" heißt der Grund der Freude. Darauf ist eine völlig ausgewechselte Band zu hören. Dark Suns tobte in Höchstform durchs UT Connewitz.
Man könnte meinen, Dark Suns hat zum Leben gefunden. Hört man frühere Werke wie "Existence" und "Grave Human Genuine", dann spielt hier eine Band, die noch auf das achtet, was andere von ihr denken mögen. Auf "Orange" hat sich das geändert. Die neueste Geburt schmeckt so süß, wie sie sich anhört, ist saftig und eine runde Sache. Bevor aber die zahlreich versammelten Gäste im UT Connewitz diese Erkenntnis in sich aufsaugen, sehen sie auf ein Trio, das sich ebenfalls neu erfindet.
Safi eröffnet den ausgedehnten Abend mit brummigen und dröhnenden Tönen. Die Band um Sängerin Sandra könnte fast schon der brachiale Gegenentwurf der später technisch versierteren Rocker sein. Bei der intensiven Eröffnungsshow lässt es sich Safi nicht nehmen, auch neueste Stücke vorzustellen, die Sandra schüchtern als neues Album fürs kommende Frühjahr ankündigt.

SaFi heizte den Anwesenden tierisch ein.
Foto: Michael Gebhardt/Rockzoom.de
Die Frontfrau ist nicht nur stimmlich eine Zierde. Ihr getragenes Schwarz, ihre dick mit Kajal umrandeten Augen und ihre frisierten Haare verleihen der schreifreudigen Dame einen Habitus, der so manchen Verehrer und so manche Verehrerein ausflippen lässt. Nicht nur das vermag eine junge Frau zum Tanzen zu bewegen. Titel wie "Marsch Melo", "Weiter" und "Übersee" entfesseln immer noch die rohe Energie, die auf ihrem ersten Album "Kalt" so deutlich mit einem Ausrufezeichen gepresst wurde. Die neuen Klänge schürfen noch etwas rauer und kälter in den Ohren. Es ist unglaublich, welche Schreie die zierliche Frau am Mikro aus sich heraus holt. Mit jedem Beben ihrer Stimmbänder fiebert ein Zittern durch die Boxen.
"Gib mir Tiernamen", heißt es im Anschluss, als Dark Suns mit großem Besteck die UT-Bühne betreten. Acht Musiker vereint ein Ansinnen: pure Musik und echtes Lebensgefühl. Die Leipziger stellen jetzt ihren neuesten Rundling vor, der mit offenen Mündern und aufgerissenen Augen honoriert wird. Schon bei der vor wenigen Wochen anberaumten Hörsitzung murmelten Freunde von verzweigten Bäumen und stämmigen Stämmen. Und so ist es auch on stage. Dark Suns hat den Griff in die Authentizität gewagt und überzeugt weniger mit Zierrat und ausgeklügelten Kniffen, sondern vielmehr mit Gefühl.
Schnell merkt der Zuschauer, dass die Band bei der Record-Release-Show ihre Lieder bunt durcheinander würfelt, statt sie statisch wie auf CD wiederzugeben. Als dann noch das Stück "Child in times" von Deep Purple aus den Boxen strömt, flippt so mancher Gast innerlich aus. Die Vorauskopplung "Toy" fließt sogar in einer waschechten Jazzvariante daher. Die neuen Musiker um Sänger Niko Knappe und den Gitarristen Torsten Wenzel und Maik Knappe scheinen wie ein Stein der Weisen auf die vor wenigen Jahren noch in sich erschlaffte Band gewirkt zu haben.
Ein Stück wie "Elephant" kann da mehr als nur aufstampfen. Was "Orange" bei der Feuertaufe entfaltet, konstatiert so mancher Gast als "wirklich", "echt" oder einfach nur "wundervoll". Nicht nur "Orange" funktioniert live, auch als die Truppe als Zugabe ein Stück von "Existence" auspackt, scheint das Notengefühl von Dark Suns wie ausgewechselt. Ebenso Sänger Niko Knappe, der seine Freiheit vom Schlagzeug weidlich auskostet und auf der Bühne zappelt, hüpft und schleicht, als wäre er Cathedral-Sänger Lee Dorian, Led-Zeppelin-Frontmann Robert Plant und Deep Purple-Trällermann Ian Gillan zugleich.
Nichts mehr zu hören von der zittrigen Stimme, Knappe geht richtig aus sich heraus. Den Zuhörern gefällt die bewegungsreiche Show, die natürlich auch eine Achterbahnfahrt in die Musikwelt von Dark Suns ist - inklusive orangefarbenem Bühnenlicht. Dabei ist die kollektive Verbeugung der Band vor ihrem Publikum auch als Dankeschön an ihre Freunde zu werten, ohne die vielleicht "Orange" nicht so geworden wäre, wie sie jetzt aus den Boxen rollt.
Noch lange nach der Bühnenschau stehen Freunde und Liebhaber der Rocker und unterhalten sich über diesen Abend, der bald auch in Form eines Konzertfilms über die Augen kullern soll. Gleich mit mehreren Kameras wurde die Show mitgeschnitten. Wann allerdings der Streifen erscheint, steht noch nicht zur Sprache. Aber eins steht für so manchen Gast beim Lesen des Albumnamens fest: "Krasser Titel für eine Platte. Wer nennt sein Album auch Orange?"
Fotos mit freundlicher Unterstützung von Michael Gebhardt von
Rockzoom.de.
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