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Leipzigs Musikszene
Kiss, Herbert Grönemeyer, Madonna, Queen, ... kennt man ja. Aber hat Leipzig eine eigene Musikszene wie Hamburg und Berlin? Brummt in den Musikmagazinen die Musik aus Leipzig in allerhöchsten Tönen? Wohl eher nicht. Doch das soll nicht heißen, dass Musiker in Leipzig weniger qualitätsvoll tönen wie anderswo. Sie werden nur nicht beachtet und wahrgenommen. Es gibt auch in der Messestadt viel zu entdecken. Die L-IZ war in Proberäumen, Clubs und Festivals unterwegs und hat so manche Geschichte hervorgeholt. Leipzigs Musikszene ist bunt und quirlig, so das Fazit.
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Daniel Orange im Interview: Schweiß, Arbeit, Rock'n'Roll und treue Fans

Daniel Thalheim
Daniel Orange.
Daniel Orange.
Bild: Daniel Orange
Inzwischen hat sich Daniel Orange zu einer Institution gemausert, die auch Leipzigern hin und wieder untergekommen sein dürfte. Die fünf Rocker aus Altenburg sind in den letzten zwölf Monaten viel rumgekommen, haben viel erreicht. Ohne harte Arbeit läuft nichts. Am 5. November spielt die Truppe nun beim Leipziger "Rock Down" in der Halle 5. Zeit den Wahl-Leipzigern auf den Zahn zu fühlen. Bandleader Daniel Orange stand der L-IZ Rede und Antwort.

Seit 2010 hat sich bei euch viel getan - was denn genau?

So richtig los ging es, nachdem wir im Sommer 2010 das Glück hatten, durch unsere Fans ein Voting zu gewinnen. Damit durften wir zum „Mega-Rock in die Ferien Festival“ auf dem Erfurter Messegelände vor rund 8000 Zuschauern spielen. Bis dato das aufregendste Erlebnis in unserer Bandgeschichte. Backstage konnten wir den einen oder anderen neuen Kontakt knüpfen, der uns in der Zukunft sehr hilfreich sein sollte.

Ende 2010 begannen wir in den Picturesoundstudios mit den Aufnahmen zu
unserer aktuellen EP „Hearts on Fire“, die abschließend zum Mastering nach New York in die Hände von George Marino gelegt wurden.

Während der Platte der letzte Schliff verpasst wurde, haben wir uns auf eine kleine half-unplugged Tour durch Magdeburg, Jena, Berlin, Weimar, Erfurt und Leipzig begeben und haben das neue Songmaterial auf die Leute losgelassen.

Danach stand der Videodreh unseres ersten Musikvideos auf dem Plan. Dies geschah im April 2011 in den Gefilden des Theaterforums in Kreuzberg Berlin, zusammen mit Schauspielstudenten der ETI Berlin, die wir zuvor in deren eigens inszenierten Aufführung von Jean-Paul Sartres „Geschlossener Gesellschaft““erleben durften. Wir fanden die Idee, das Stück mit dem Musikvideo zu verbinden echt gut und stießen mit diesem Vorschlag auf äußerst großes Interesse. An einem Wochenende wurde das Video mit einem hoch motiviertem Team abgedreht, deshalb an dieser Stelle nochmals ein riesiges Dankeschön an alle Beteiligten.

Vier Wochen vor der Release der EP kamen wir in den Genuss, unser Video beim Musiksender imusic1 zu sehen.

Sänger Daniel beim "Wellen Machen" mit seiner Band.
Sänger Daniel beim "Wellen Machen" mit seiner Band.
Foto: Daniel Thalheim
Wenn ihr auf euren eigenen Weg schaut, scheint es machbar zu sein, dass eine neue Rockband aus Mitteldeutschland ziemlich viel rumkommt. Wie habt ihr alles bewerkstelligt: Shows, Musikvideo, EP-Produktion?

Das „Rumkommen“ einer Band liegt in erster Linie am Einsatz der Band selbst. Von nichts kommt nichts. Aus eigener Erfahrung können wir sagen, man braucht viel Ausdauer, Verhandlungsgeschick, Geduld und vor allem viel Zeit, um sich auf die Suche nach geeigneten und willigen Clubs zu begeben, um zum Beispiel eine Tour auf die Beine zu stellen. Nur in den seltensten Fällen kommt mal direkt eine Anfrage eines Veranstalters. Meist spielt man dann „gegen die Tür“ oder kann dem Veranstalter eine Unkostenpauschale (Sprit + Catering) entlocken, aber oftmals ist nicht mehr drin. Aber das nimmt man als Band gern in Kauf, um auch mal andere Städte und frisches Publikum zu bespielen. Wir haben das Glück mit einer Künstler- und Konzertagentur (All on Stage) zusammenzuarbeiten, die uns 2011 einige interessante Auftritte verschafft hat, u.a. auf Europas größter Jugendmesse – YOU! in Berlin oder zum NRW-Tag in Bonn.

Das Musikvideo war eine Zusammenarbeit mit Freunden und guten Bekannten auf freiwilliger Basis. Kameramann, Lichtassistent, Aufnahmeleiter, Regisseur usw. – alle arbeiteten für Lau und den Spaß am Projekt! Für die Besetzung der Komparsen haben wir einfach via Facebook einen Aufruf gestartet und fanden da auch reges Interesse. Somit fand der Dreh an einem Wochenende recht stressfrei und in familiäre Atmosphäre statt. Mit dem Ergebnis sind wir mehr als zufrieden!

Was hat euch in den letzten 12 Monaten besonders geprägt?

Geprägt hat uns auf jeden Fall das enge und kreative Zusammenarbeiten an neuen Songs, dem Musikvideo und der Produktion der EP. Jeder war gefragt und das hat uns bis heute noch enger zusammengeschweißt.

So langsam fasst ihr Fuß in der Profi-Sparte. Welche Eindrücke habt ihr vom "Musikbusiness"?

Das weiß eigentlich jeder zielstrebige Musiker, dass das Musikbusiness knallhart ist. Wenn Du dich auf deinen Lorbeeren ausruhst, hast du verloren. Um zu bestehen und überhaupt die Chance zu wahren Fuß zu fassen, musst du jeden Tag etwas tun, was dem Vorankommen der Band dient. Wir haben leider nur am Wochenende Zeit um miteinander zu proben, da alle durch Beruf/Studium unter der Woche, quer verteilt in Deutschland (Bremen, Erfurt, Aue, Leipzig) verhindert sind. Jedoch haben wir uns so organisiert, dass wir uns mithilfe des Internets verständigen, wenn es wichtige Fragen zu klären gibt. Dies betrifft ebenso das Austauschen von Ideen, das Mitschneiden und Onlinestellen von Probemitschnitten, um vor dem heimischen PC zu üben und damit haben wir eine recht gute Lösung gefunden.

Des Weiteren sind gute Kontakte in der Branche sehr wertvoll.

Mal rockig, mal gefühlvoll, mal hart: Daniel Orange fühlt sich auf kleinen und grpßen Bühnen wohl.
Mal rockig, mal gefühlvoll, mal hart: Daniel Orange fühlt sich auf kleinen und grpßen Bühnen wohl.
Foto: Daniel Thalheim

"Hearts On Fire" ist eure EP und eure Single: Vor welchem Hintergrund ist dieser Song entstanden?

Hearts on fire steht für die Unerreichbarkeit einer Person. Die Geschichte zweier Welten/Menschen, die unvorhergesehen aufeinandertreffen. Ein Weg, von dem man nicht weiß, ob er der richtige ist. Dem Risiko, dass man etwas wagen sollte, ohne zu wissen wo es hinführt. Die Gewissheit, dass diese Momente vom spontanen Entdecken, uns mehr aus der Bahn werfen als andere Erlebnisse.

Welche Themen habt ihr noch auf der Pfanne?

Emotionen - das ist, was uns Menschen ausmacht. Wir sind nachdenklich, offen, emotional und nicht fehlerfrei. In unseren Songs verarbeiten wir Ängste, Wünsche, Träume, Hoffnungen, Bedürfnisse und gelebte Ereignisse und therapieren uns damit in gewisser Weise selbst, in dem wir unsere Intentionen in jeden Akkord, jede Melodie und in jeden Text packen. Darüber können wir uns identifizieren und jeder andere, der sich die Songs zu Gemüte führt, wird sich in den Texten auf die eine oder andere Weise wiederfinden.

Wohin führt euch eure Reise, nachdem ihr im November beim Rock Down aufgetreten seid?

Die Reise geht am 19.11. in den Kasseturm, einen sehr gemütlichen Club in Weimar, mit einem äußerst sympathischen Team, dass mit uns schon im Frühjahr 2011 eine coole Party hingelegt hat. Zum Jahresabschluss spielen wir in der Geburtsstadt von Daniel Orange den „Christmas Rock“ in der Music Hall Altenburg. Nebenbei und darüber hinaus werden wir weiter an neuen Songs arbeiten, die dann Platz auf dem nächsten Album finden sollen. Alles weitere wird die Zeit mit sich bringen.

Bei Rock Down spielen nur "Newcomer"-Bands. Wie beurteilt ihr Festivals und Konzerte wie dieses?

Wir empfinden diese Art von Konzerten als Bereicherung für die Leipziger Musikszene. Dort bekommen Bands, auch die, die gerade frisch aus dem Proberaum entschlüpft sind, die Chance, in einem gut ausgestatteten Club ihr Show-und Songmaterial vor zahlreichem Publikum zu präsentieren. Dort wartet ein herzliches Halle 5 Team und ein chilliger Backstagebereich inkl. schmackhaftem Catering. Durch Förderung der Stadt Leipzig frohlockt dort sogar eine erste kleine Gage. Wir haben die Halle 5 schon das eine oder andere Mal bespielt und freuen uns immer wieder dorthin zurückzukehren, weil dort jedes Mal ein Gefühl von Heimat und Wohnzimmerfeeling aufkommt. Außerdem ergab sich Dank der Halle 5 die heutige Bandkonstellation von Daniel Orange.

Kennt ihr die Bands, die dort auftreten werden?

Harthoff und Baru kennen wir bis jetzt nur aus dem Internet, aber wir sind gespannt darauf, die Online-Information verspricht einiges. Die 3 Apes haben wir schon das eine oder andere Mal getroffen. A Desire to Hope haben wir auf dem 36/11 Weltrekordversuch am Richard-Wagner-Hain in Leipzig das erste Mal live gesehen und kennen den Bassisten Daniel Hartmann mittlerweile sehr gut, denn er hat uns im Namen von ARTRAIN - Artist Management Atelier zum Rock Down 4 eingeladen. Ein Mann der sich auf die Fahne geschrieben hat, der Leipziger Musikszene auf die Sprünge zu helfen und in Zusammenarbeit mit dem Halle 5 e.V. den Newcomern Leipzigs eine Plattform in Konzertform zu bieten. Guter Mann!

Kann man sagen, dass die (mittel-)deutsche Rockszene brummt?

Kann man so sagen ja. Die Bandlandschaft blüht. Was bezogen auf Leipzig fehlt, sind Räumlichkeiten für Proberäume zu guten Konditionen. Das Beispiel Bandhaus der Bandcommunity zeigt (innerhalb von wenigen Tagen voll besetzt), dass da Verbesserungsbedarf besteht. Mehr Angebote wie z.B. der Kaos e.V. und Villa e.V. bieten an, sich einfach stundenweise einzumieten, um sich mit bereits vorhandenem Equipment kreativ-musikalisch auszulassen. Was sich im Rest von Mitteldeutschland abspielt, können wir nicht beurteilen. Empfehlenswert sind Institutionen wie Local Heroes, die den Bands gern unter die Arme greifen.

Was haltet ihr von Band-Wettbewerben generell?

Ein zweischneidiges Schwert. Musiker sollten eigentlich nicht gegeneinander, sondern miteinander Musik machen. Aber wenn ein Contest coole Preise verspricht, wird das eher zweitrangig. Man sollte die Contests nur nicht überbewerten. Es ist auf jeden Fall eine coole Erfahrung mehr sowie eine weitere Referenz auf der Gigliste und zeigt, wo man steht, wie man bei Jury und Publikum ankommt, was allerdings von Contest zu Contest verschieden ist.

Was wir versuchen zu vermeiden ist, an Online-Votings teilzunehmen. Leider entscheidet bei dieser Art von Contests meist nur die Quantität, statt die Qualität. Da könnte sich für unseren Geschmack gern mal eine Jury mehr hinsetzen, um sich die Musik anzuhören und sich die Entscheidung nicht von einer Klickzahl abnehmen zu lassen. Aber alles schlecht reden wollen wir auch nicht. Auch wir haben an Votings teilgenommen und waren zweimal erfolgreich. Da waren die Preise zu verlockend, es nicht doch zu versuchen. Mit Erfolg. Der erste Contest lief über ein SMS-Voting, bei dem nur jeweils eine Stimme pro Handy abgegeben werden konnte. Der Preis war der Gig mit Jennifer Rostock und Culcha Candela auf dem Mega-Rock-Festival in Erfurt. Zweiter Erfolg war die Ausschreibung von Shure, bei der wir uns mit einem Video bewerben mussten, warum ausgerechnet Shure unserem Proberaum pimpen soll. Wir gewannen eine der Vorrunden und konnten uns über einen Besuch von Cosmo Klein freuen, der uns in unserem Proberaum Shure-Equipment im Wert von 2.000 Euro überreichte.

Was wünscht ihr euch zum Rock Down 4 am 5. November?

Wir wünschen uns ein Wiedersehen mit alten Freunden, einen familiären Abend, coole Bands mit coolen Sets und viele Leute, die mit uns feiern. Wir danken an dieser Stelle auch Dir und der Leipziger Internetzeitung für das Engagement, der Kulturszene Leipzig mit umfangreicher Berichterstattung Leben einzuhauchen!

Da werden wir ganz rot - vielen Dank für das Lob und das Interview.

Alles rund um Daniel Orange - Musik, Infos, Video - im Internet

www.geschlossenegesellschaft.org
www.picturesound-studios.de
www.shure.de/supportdownload/videos/proberaum-deluxe/proberaum-deluxe-daniel-orange
www.myspace.com/danielorangegermany/videos/video/106394606
im1.tv/video/10009


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