Emergenza in Leipzig: Lokalveranstalter Jan Mieles im Interview
Daniel Thalheim
20.01.2012

Qualität aus Bautzen: Café Jazz waren die Newcomer 2011 beim Emergenza Sachsen.
Bild: www.emergenza.net
Seit 20 Jahren gibt es das Festival für Newcomer schon. In Leipzig fand das "Emergenza" seit 2006 sein Zuhause. Inzwischen verliefen drei von sechs Sachsenrunden. Die nächste findet am 10. Februar im Werk 2 statt. Lokalveranstalter Jan Mieles gibt auch über die dort seit Jahren gängige "Pay-To-Play"-Praxis Auskunft, die durch Akteure wie etwa dem Dessauer "Metalfest" in Verruf geriet.
Was ist Emergenza eigentlich und wie lange gibt es das schon in Sachsen?
"Emergenza" ist das weltweit größte Newcomer-Festival. Es findet mittlerweile in über 100 Städten in Europa, Asien, Australien und Nordamerika statt. Wir holen die lokalen Bands auf die angesagten Bühnen ihrer Stadt. Mit besserem Equipment und Personal und vor mehr Zuschauern als bei Newcomer-Konzerten üblich spielen sich die Bands in einem als Wettbewerb angelegten Modus durch verschiedene Runden. Meines Wissens nach gibt es "Emergenza" seit 2006 in Sachsen. Relativ spät, wenn man bedenkt, dass das Festival 1992 in Rom von lokalen Bands gegründet wurde.
Wer kann teilnehmen?
Zwar sind für die Bewerbungen fürs Emergenza alle Messen gesungen. Aber Bands aller Genres wie Pop, Jazz, Hip Hop, Rock, Metal und andere können teilnehmen. Das Minimum an Bandmitgliedern bildet ein Duo. Die Bands dürfen keinen Major-Plattendeal haben, dürfen keine Coverband sein und dürfen keine Songs, die gegen das geltende Recht verstoßen, spielen.

Nahmen 2012 wieder an der Emergenza-Vorrunde in Leipzig teil: Pub'n'Steel aus Leipzig.
Foto: Daniel Thalheim
Was müssen Bands tun, um beim Emergenza mit machen zu können?
Die Bands sollten sich zwei Minuten Zeit nehmen! Auf unserer Homepage können sie sich ganzjährig für die Shows anmelden. Sie werden dann kontaktiert und alles Weitere wird mit ihnen besprochen. Wir organisieren im Vorfeld Meetings, um die Musiker kennenzulernen und den Konzertablauf durchzusprechen.
In den letzten Jahren ist die Pay-To-Play-Praxis gerade im Metal- und Gothic-Sektor stark in Verruf geraten. Wie handhabt ihr das?
Seit 2011 verzichtet "Emergenza" auf eine Anmeldegebühr. Lediglich eine einmalige Sicherheitsgebühr in Höhe von 90 Euro wird bei Buchung der Bands fällig. Diese kann mit selbstverkauften Konzerttickets wieder komplett ausgelöst werden. Die Bands haben also die Chance sich selbst zu engagieren und ihre Fans kostengünstiger zum Konzert zu holen. Jedoch alles ohne Verpflichtung.
Als Emergenza-Veranstalter in Leipzig: Was sind die Trends in Sachen Pop/Rock in Sachsen für 2012?
Ehrlich gesagt ist es schwer Vorhersagen zu treffen. Es haben sich wieder viele vielversprechende Musiker für "Emergenza" entschieden. Und diese finde ich nicht nur im Pop- und Rock-Bereich. Letztes Jahr räumte die Bautzener Band Café Jazz kräftig ab. Sie siegten in allen deutschen Finalrunden, gewannen etliche Sachpreise unserer Partner und Sponsoren und landeten im Weltfinale auf Platz 7. Das alles mit deutscher Popmusik. Ich glaube, die Band, die Spaß hat, für ihre Musik lebt und ehrliche Musik macht, setzt sich durch, egal aus welchem Genre. Egal in welcher Sprache. Mein Team und ich sind gespannt.
Gibt es Teilnehmer des Emergenza, die es nach dem Festival geschafft haben, einem großen Publikum bekannter zu werden?
Ja, durchaus. Die derzeit angesagte Band Royal Republic aus Schweden nahm vor zwei Jahren teil. Auch die aktuellen Weltsieger Envy aus Norwegen wurden von Universal Records unter Vertrag genommen, haben vor wenigen Tagen Goldstatus für ihre Platte erhalten, einen Award für das Beste Musicvideo abgegriffen und mit Snoop Doggy Dogg ein paar Gigs gespielt.
Wen gibt es noch...
Weitere deutsche Erfolgsgeschichten sind die Emil Bulls, Itchy Poppzkid und Empty Trash. Bei dem Großteil der Musiker geht allerdings erst nach der Teilnahme bei "Emergenza" ein kräftiger Ruck durch die Band. Zum Beispiel haben auch Frida Gold, unter anderem Namen, bei "Emergenza" mitgemacht. Außerdem haben wir einen Artistpool, welcher qualitativ gute und engagierte Bands fördert bzw. zahlreiche Partner wie das Sony ATV Publishing, die gerne ein Auge auf unsere Bands werfen.
Danke für das Interview.
Alles rund um Emergenza 2012 auf der Homepage des Festivals:
www.emergenza.net
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