Moderner Metal trifft auf packende Melodien: RORC im Interview
Daniel Thalheim
13.04.2012

RORC
Foto: Artrain
Sie sind zurück: RORC feiern nach längerer Bühnenpause ihr Comeback - mit neuem Programm und neuem Gitarristen - am 12. April auch in Leipzig. Das neue Album "Church of RORCology" soll dann im Juli 2012 erscheinen. Einen Vorgeschmack gibt's heute bei der Brute Night im Four Rooms. Gitarrist Tilman Scheinpflug stand der L-IZ vorab für ein Interview zur Verfügung.
Bei der Google-Suche fand ich einen Hinweis - "Royal Ocean Racing Club" - Was bedeutet eurer Bandname wirklich?
Vor kurzem bekam ich einen Anruf von bayrischen Segelfreunden, die wollten mir doch glatt eine Jolle abkaufen. Meine Nummer hatten sie vom Impressum unserer Homepage. Gerne hätte ich ihnen etwas verkauft, allerdings versteht die Band so viel von Wassersport wie der Papst von Verhütung. Im Ernst: Hinter dem Kürzel RORC verbirgt sich unser ehemaliger Bandname aus alten Tagen, mit dem wir uns heute nicht mehr identifizieren können. Wir entschieden uns daher, nur den Namen RORC als Marke weiterzuführen.
Wann ging es bei euch los?
Es war 2007 und aus heutiger Sicht waren wir anscheinend unausgelastet oder einfach nur infiziert vom Metal-Virus. Anders ist es nicht zu erklären, dass sich Slakter und ich unter dem Einfluss einer Flasche Doppelkorn zusammenfanden, um die Black Metal-Band „Reincarnation Of Rotten Christ“ zu gründen – ohne jemals eine Gitarre oder einen Bass in der Hand gehalten zu haben. Es war ein Selbstläufer: Innerhalb einer Nacht waren die Aufnahmen im Sack und auf die kurzerhand erstellte Myspace-Seite hochgeladen. Der Rest entwickelte sich von alleine.
Ihr gebt euch norwegische Künstlernamen wie Heimdall - was hat es damit auf sich?
Unsere fehlenden Instrumentenkenntnisse mussten wir 2007 ja irgendwie kompensieren, also versuchten wir unter dem Deckmantel des bösen Schwarzmetall-Images von unserer Unfähigkeit abzulenken, seriöse Musik zu machen. Es mussten Künstlernamen her. Im Online-Wörterbuch suchten wir nach bedrohlich klingenden Wörtern. Wir entschieden uns bewusst für die norwegische Sprache, da Bands wie Mayhem oder Gorgoroth aus Norwegen, der Wiege des Black Metal, stammen. Morderisk Kjetter steht beispielsweise für „Mörderischer Ketzer“, Heimdall überwacht die Brücke Bifrost von Midgard nach Asgard. Episch!

RORC feiern nach längerer Bühnenpause ihr Comeback.
Foto: Artrain
Ihr seid gerade im Studio - wo, bei wem und wie lange nehmt ihr auf?
Wir freuen uns, bei Andy Schmidt im Kick The Flame Studio aufzunehmen. Mit ihm haben wir unseren Wunschproduzenten gefunden. In Kürze beginnen die Schlagzeugaufnahmen, bis Ende April wollen wir dann mit dem Album durch sein. Wir sind gespannt auf die kommende Zeit!
... und dennoch findet ihr Zeit am 12. April im Four Rooms aufzutreten... kommen weitere Auftritte?
Es war Zeit für ein Lebenszeichen. Wir wollten herausfinden, ob die Songs live funktionieren und erhoffen uns aktives Feedback. Außerdem möchten wir unseren Fans wieder etwas bieten. Die vergangene Zeit im Proberaum war sehr produktiv, doch nun sind wir ausgehungert und gierig auf die Bühne. Wir freuen uns auf einen epischen Abend zusammen mit Portrait Of A Fall aus dem Erzgebirge sowie Hallucination und Priming Pressure aus Leipzig. Im Mai steht ein Auftritt in der Sächsischen Schweiz beim Wonnemond Festival an, für den Juli ist unsere Record Release Show in der Villa geplant. In der zweiten Jahreshälfte werden wir dann mit dem neuen Album im Gepäck einige Gänge hochschalten. Wir sind an einigen interessanten Sachen dran.
Machen die Aufnahmen Spaß?
Noch haben die Aufnahmen nicht begonnen, die Arbeit im Proberaum ist aber sehr produktiv und erfüllend. Wir freuen uns auf eine spannende Zeit, die wir auf Video dokumentieren und der Öffentlichkeit laufend präsentieren wollen.
Seid ihr mit kompletten Songs ins Studio gegangen, oder feilt ihr noch bei den Aufnahmen an den Songs?
Die Songs stehen soweit. Wir haben sehr genaue Vorstellungen von dem, was wir aufnehmen wollen. Aus diesem Grund werden wir auch einen Großteil des Albums am 12. April live präsentieren. Der Rest ergibt sich im Studio, wir vertrauen da ganz den Kompetenzen von Andy.

Das neue Album "Church of RORCology" soll im Juli erscheienen.
Foto: Artrain
Wann erscheint eure Langrille?
Wir peilen die Veröffentlichung für den Sommer an. Wenn alles klappt, ist das Album ab Juli erhältlich.
Worum geht's euch inhaltlich bei "Church of RORCology"?
Musikalisch besinnen wir uns auf das, wofür RORC steht: Moderner Metal trifft auf packende Melodien, frei von Konventionen und Genregrenzen. In unseren Liedern spiegelt sich die gesamte Entwicklung der letzten 5 Jahre wieder. Von der brachialen Death Metal Dampfwalze über knackige Melo-Death Riffs, epische Power-Refrains, finstere Schwarzmetallmonster und energiegeladene Abgehparts bis hin zu stumpfen Breakdowns ist für die ganze Familie was dabei. Auch eine Gastsängerin haben wir an Bord.
Man möchte „Church of RORCology“ nicht als Konzeptalbum bezeichnen, inhaltlich zieht sich aber ein roter Faden durch die Songs. So thront unsere Kirche wie ein schwarzes Monument über allen Hoffnungen, inmitten einem vernichtenden Chaos. Auch wenn es stumpf klingt, aber Wörter wie Krieg, Tod, Zerstörung und ewige Dunkelheit beschreiben den Inhalt unserer Lieder nun mal am besten. Wir lieben das Weltuntergangsthema und das spielen wir auch aus.
Was erhofft ihr euch nach der Veröffentlichung eurer Scheibe?
Wir hoffen, möglichst viele Leute mit unserer Musik zu erreichen und zu begeistern. Daher wollen wir zu gegebener Zeit mit dem Album auf Tour gehen und viele neue Live-Erfahrungen sammeln. Natürlich hofft man auf positive Resonanzen. Wir haben jedoch keine utopischen Erwartungen - wir sind nicht auf materiellen Gewinn aus, sondern wollen in Erfahrungen und unvergessliche Momente investieren, wie man sie nur gemeinsam mit seinen Fans auf der Bühne erlebt. Wir wollen Spaß haben; einen Ausgleich zu unseren Jobs und Studienaktivitäten finden. Das Rad können wir nicht neu erfinden, aber wir können uns auf unsere Stärken besinnen. Man muss seinen Fans etwas bieten. Deshalb werden wir nie schlaffe Routine-Gigs oder unmotivierte Mucken spielen, wie ich es teilweise bei anderen Bands erlebe – zumindest darf man sich dann nicht über leere Konzertsäle wundern. Es ist in Leipzig nicht einfach, die einschlägigen Konzerthallen zu füllen, aber es ist möglich. Wir arbeiten daher kontinuierlich an unserer Live-Präsenz weiter und können nur jeden zu einem unserer Konzerte einladen, um sich von unserer Schaffenskraft zu überzeugen.
Brute Night am 12. April im Four Rooms. Los geht' 20:30 Uhr, Eintritt 5 Euro.
RORC bei Myspace:
www.myspace.com/rorcmetal
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