Neu im Plattenregal: Grabak tüncht mit neuem Album Sünde tiefschwarz
Daniel Thalheim
28.10.2011

Schwarzweiß gemalte Burschen mit bösem Blick - Grabak aus Leipzig.
Bild: www.grabak.de
"Nobody is perfect", heißt ein geflügelter Satz im Englischen. Die Leipziger Musiker von Grabak erzählen davon in ihrem neuesten Werk "Sin". Black Metal nennt sich ihr Musik- und Lebensstil. Die 1995 gegründete Formation hat kürzlich ihre fünfte Veröffentlichung unter die Leute gebracht. Was klingt in den rund vierzig sündigen Minuten an?
Grabak: Sin
Krächzen, Schreien und Brüllen gehört seit 30 Jahren zum guten Ton beim Black Metal. So manchem Leipziger Szenegänger ist dieser Klang untergekommen, den Musiker in den Achtzigern und frühen Neunzigern mit einfachsten Mitteln aufs Tonband gebannt hatten und so danach eine Masse an schwarz-weiß angemalten Männern und Frauen entfesselten. Inzwischen verwenden nur noch Puristen Rekorder oder Diktiergeräte, um den kalten Klang menschlicher Seelenpein aufzunehmen. Die Leipziger von Grabak haben wie andere Bands inzwischen das Aufnahmestudio für sich entdeckt und sind vor einigen Wochen der L-IZ über den Weg gelaufen.
Nebenbei hat die Band erzählt, dass es ihr um mehr als nur plumpe Teufelsprovokation geht. Bei "Sünde" denkt der Kenner an die sieben Todsünden in der Bibel, die aber bei den Leipziger Musikern nicht im christlichen Sinn gedeutet werden, sondern einen blasphemischen Anstrich bekommen. Und dieser Anstrich wird nicht etwa wild an die Wand getüncht, sondern mit wohl gesetzten Strichen erzählt. Hinter "Sin" steckt nämlich ein Konzept, bei dem Teufel und Gott eine Wette abschließen. Schon hier wird deutlich, wie blasphemisch das Ganze wird - Wetten ist eine Sünde und die hat der Teufel gemacht. Währenddessen werden die Protagonisten wie Menschen, Engel und biblische Figuren zu Sündern vor dem Herrn. Niemand ist fehlerfrei, steht das doch alles in der Bibel.

"Sin" heißt das Machwerk aus den Händen von Grabak.
Bild: www.grabak.de
Dabei kommen auch historische Sünder wie Papst Sergius II. zu Wort. Dass dieser im 9. Jahrhundert zu den Sündern gehört haben soll, erzählt das im frühen Mittelalter geschaffene "Liber Pontificalis" nicht ganz interpretationsfrei. Aber im Gegensatz zum Renaissancepapst Alexander VI., der eigene Kinder zeugte und auch sonst nicht viel von Keuschheit hielt, Nebenbuhler ausschaltete und mehr Machtpolitik als Kirchenpolitik betrieb, war dieser Sergius noch ein Waisenknabe. So erzählt es die Geschichtsschreibung mehr oder weniger.
Solche Gedankengänge, Assoziationen und Geschichten werden von wild hämmernden Takten untermalt, zu denen Frontmann Jan Klepel düster kreischt. Schon die ersten Töne lassen erahnen, wohin die Reise auf "Sin" geht: Aggressionen paaren sich mit Melodien, als ob Krieger wütende Hymnen aus ihren Kehlen in Richtung Feinde schleudern, während sie wild auf ihre Schilde klopfen. Der böse Blick gesellt sich wie von selbst dazu. In den neun Titeln heulen die E-Gitarren auf, ergänzt von nach vorne preschenden Trommelwirbeln, peitschenden Beckenschlägen und pumpenden E-Bass-Schlängellinien.
Nach Liebe und Trost klingt "Sin" also nicht. Auf dem Zweitling der Leipziger regiert der pure Zorn auf alles das, was von der Kanzel gepredigt wird. Grabak besudelt verbal all jene Heuchelei von Kirchenmännern, die Wasser predigten aber Wein tranken. Da kann man schon recht zornig werden. Aber warum immer nur überschäumen? In gewissem Maß gehen die Musiker auf "Sin" trotz all der Wut recht stimmungsvoll zu Werke. Raum für geigende Keyboardpassagen und trällernde Opernstimmen ist auf dem dunklen und finsteren Machwerk ebenfalls vorhanden, wird aber nicht weidlich ausgebaut, wie es ihre Musikerkollegen von Dimmu Borgir aus Norwegen seit Jahren machen.
Grabak haben sich im Unterschied zu ihrem Erstling "Agash Daeva" Zeit genommen, ihre neuen Lieder abwechslungsreich zu arrangieren und zu strukturieren. So schleichen sich die Hochgeschwindigkeitssongs mit mehr Nachdruck in die Gehörgänge. "Sin" schiebt sich entweder in die zahlreichen Veröffentlichungen dieser Art aus Skandinavien oder findet als Gegenpart von Bibel und historischen Abhandlungen seine passende Ergänzung. "Sin" verschafft so eine gewisse Freude, sich wieder mit den alten Aufzeichnungen aus dem Mittelalter zu beschäftigen und zu lesen, wie fehlbar Menschen eigentlich sind und wie schwer es ist, auf den Pfad der Tugend zurück zu kehren. Die Bibel kann dabei helfen - vielleicht.
Veröffentlichungsdaten
Album: Sin
VÖ: Bereits erschienen
Label: Kick The Flame
Webseite:
www.grabak.de
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