Neu im Plattenregal: Jörg Schneider füttert den Mississippi-Blues mit Feuer
Daniel Thalheim
30.10.2011

Jörg Schneider und Franz Schwarznau zupften bei Last Fair Deal den Blues.
Bild: www.schneider-schwarznau.de
Ja, er macht noch immer Musik. Jörg Schneider gehört zu den alten Blues-Recken Leipzigs. Mit der Band Last Fair Deal feierte er unter anderem zusammen mit Thomas Hanke große Erfolge in der ostdeutschen Bluesszene. Zusammen mit den beiden Last-Fair-Deal-Musikern Franz Schwarznau und als Gast Thomas Hanke hat er mit "Feed that fire" seine erste CD veröffentlicht.
Jörg Schneider & Franz Schwarznau: Feed that fire
Schneider-Schwarznau sprechen vom "Delta-Blues", wenn es um ihre Musik geht. "Feed that fire" ist das jüngste Resultat der warmen Klänge aus dem amerikanischen Mittleren Westen, das beim Leipziger Kult-Label "Löwenzahn" kürzlich erschien. Schneider bleibt sich mit seinem neuesten Werk treu. Er lässt wie schon bei Last Fair Deal den viel besungenen "Akustik-Blues" anklingen, der anders als seine lauten Kollegen aus Amerika und England nicht die E-Gitarre malträtiert, sondern ruhig die Sechssaitige streichelt.

Goldstück zum Kaufen: "Feed that fire".
Bild: www.schneider-schwarznau.de
Der Staub von der Straße wird nicht aus den Klamotten geklopft. Die in den Midas-Studios und im Haus der Demokratie von Schneider & Schwarznau selbst produzierte Scheibe beschränkt sich in seinem äußeren Erscheinungsbild auf das Wesentliche. Keine Bilder, keine Texte, dafür knapp 50 Minuten Musik in 12 Titeln, die wie in "I all alone", "Who's that guy" und "Marrakech" neben den schwarzen Blueswurzeln auch kleine Einsprengsel von Jazz und Folk anklingen lassen.
Kenner sprechen von "Americana" - einem Klang, der sich aus den verschiedenen Musikeinflüssen zusammensetzt und wie der Name schon sagt, aus Amerika stammt. Wer zurück in die Geschichte dieser Musikrichtung schaut, wird recht schnell auf Bob Dylan stoßen, oder Neil Young und Johnny Cash. Jene Männer haben den Sound aus Stimme, Sechssaitige und Mundharmonika erst groß gemacht. Zuvor tingelten Musiker an den Bahngleisen von Ort zu Ort entlang. Nach Dylan, Cash & Young ging's von Konzertsaal zu Konzertsaal.
"Feed the fire" ist Reisemusik für den kleinen Koffer. Der entschlackte Klang beeindruckt ganz ohne elektrischen Firlefanz mit seiner Wärme und Tiefe. Wenn "A good soul" anklingt, meint man, dass Schneider sowohl mit dem alten Johnny Cash am Küchentisch gesessen hat, als auch Miss Emily Brown und andere kanadische Folkkünstlerinnen augenzwinkernd umgarnte. Sensibel und fragil die kompakten Kompositionen, die stimmungsvoll den Blick für die weite Prärie öffnen oder die leeren Straßen Leipzigs in der Nacht.
Zusammen mit dem Dresdner Drummer Matthias Macht (u.a. Tijuana Mon Amour, Chris Withley, Paul Sprawl) und den Gästen Thomas Hanke (Mundharmonika) und Ingeborg Freytag (Violine) ist es Schneider-Schwarznau gelungen, ein besinnliches und einfühlsames Album aufzunehmen. Die angenehme Unaufgeregtheit auf "Feed that fire" tönt nicht aufgesetzt und laut auf, will sich nicht aufdrängen und die Hörgänge mit dem heute so sinnentleerten "Shalala" zukleistern, das nur den Anschein erweckt, es handele sich um Musik. Auf "Feed that fire" hört der Musikfreund statt des wirbelnden Hitparaden-Tanzes echte Könner an ihren Instrumenten, die für ihre Musik brennen. So muss das sein.
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