Nach LVV-Aufsichtsratssitzung: ver.di kritisiert Aussagen des OBM zur Konzernkonsolidierung
Ralf Julke
31.10.2011
Sitz der Perdata am Martin-Luther-Ring.
Foto: Ralf Julke
Was jene Leipziger Stadträte, die sich von Anfang an gegen den Versuch gestellt hatten, wieder einmal Leipziger Kommunaleigentum auf dem Markt zu verkaufen, befürchtet hatten, scheint genau so einzutreten: Die Leipziger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft mbH (LVV) kann die 49,9-Prozent-Anteile der beiden Stadtwerke-Töchter HL komm und Perdata nicht so teuer verkaufen, wie sie das gern möchte. Trotzdem sagt der OBM nicht "Stopp!"
Anzeige
Wenn die Nachrichten aus dem Aufsichtsrat der LVV stimmen, dann liegen bis dato nur zwei Angebote vor - für jedes der beiden Unternehmen eines. Für HL komm ist schon seit Wochen ein Bieter im Gespräch: die Versatel AG. Doch das Gebot soll, wie man so hört, weit von dem entfernt sein, was sich die LVV-Geschäftsführung und die Verwaltungsspitze als Erlös für 49,9 Prozent des Kommunikationsdienstleisters erhofft hatten. Oder errechnet hatten. Auch wenn die Zahl so offiziell nie bestätigt wurde - von 35 Millionen für beide Anteilsverkäufe zusammen war die Rede. Dabei sollten rund 20 Millionen Euro eingesetzt werden, die Entschuldung der LVV zu beginnen, die auf einem Schuldenberg von über 700 Millionen Euro sitzt.
10 Millionen Euro hat Finanzbürgermeister Torsten Bonew (CDU) schon für den Haushalt 2011 eingeplant. Anfangs hatte die LVV sogar vorgeschlagen, 74,9 Prozent der HL komm und 49,9 Prozent der Perdata zu verkaufen - der Stadtrat deckelte beide Anteilsverkäufe auf 49,9 Prozent, um die strategische Steuerung der Geschäftstätigkeit in der Stadt zu behalten.
Bislang sollten 49,9 Prozent der Perdata verkauft werden.
Foto: Ralf Julke
Für die Perdata, die 80 Prozent ihres Umsatzes als Dienstleister der Muttergesellschaft Stadtwerke Leipzig generiert, gibt es als einziges Angebot eines der Bertelsmann-Tochter Arvato Systems über 18 Millionen Euro. "Arvato habe für acht Jahre den Erhalt des Standortes Leipzig zugesagt, ebenso für diese Zeit die Arbeitsplatzsicherheit der 150 Perdata-Beschäftigten garantiert", schrieb die LVZ dazu in ihrer Ausgabe vom 29. Oktober. Und hatte auch gleich ein Zitat von Oberbürgermeister Burghard Jung (SPD) parat: "Die Veräußerung scheint mir Sinn zu machen."
Womit, so spekuliert die LVZ, der Teilverkauf wohl vom Tisch wäre. Etwas, was so freilich im Aufsichtsrat der LVV nicht besprochen wurde. Die Vertreter der Gewerkschaft ver.di im Aufsichtsrat der LVV zeigten sich nach Lesen der Zeitungs-Botschaft entsprechend konsterniert. Meinten sie doch, aufmerksam und auch bis zum Schluss an der ordentlichen Sitzung des Organs teilgenommen zu haben.
„Wir möchten hiermit ausdrücklich dem sich aufdrängenden Eindruck widersprechen, dass die vom OBM dargestellten Fakten zum Anteilsverkauf HL komm und Perdata sowie zum Konsolidierungsprozess der LVV Bestandteil der Sitzung waren“, erklärt Ines Jahn vom ver.di-Bezirk Leipzig-Nordsachsen. „Aus der Zeitung vom Oberbürgermeister zu erfahren, dass jede zehnte Stelle im LVV-Konzern mittelfristig eingespart werden soll, ist ziemlich starker Tobak. Augenscheinlich handelt Herr Jung nach dem leicht abgewandelten Motto ‚Ich bin die Stadt‘.“
Sol die SWL-Tochter Perdata jetzt komplett verkauft werden?
Foto: Ralf Julke
Burkhard Jung hatte von einem richtigen Konsolidierungsprogramm für den LVV-Konzern gesprochen, mit dem die rechnerisch drohende Deckungslücke von 123 Millionen Euro bis zum Jahr 2014 vermieden werden soll. „Wir schnüren ein Gesamtpaket, um die LVV aus der Lücke herauszuholen“, sagte Jung der LVZ.
Die Deckungslücke ist übrigens nicht durch schlechtes Wirtschaften der LVV-Töchter Stadtwerke, Wasserwerke und LVB entstanden, sondern durch die schlichte Tatsache, dass die Stadt Leipzig die Holding LVV mehrfach benutzt hat, um lukrative Käufe und Rückkäufe für die Stadt zu tätigen. Dazu gehört der Rückkauf der Stadtwerke-Anteile, der Kauf von Anteilen an der EEX und der Kauf von VNG-Anteilen.
Die LVV zahlt dafür die fälligen Zinsen - hat aber keine eigene Erlösquelle, um den Schuldenberg aus eigener Kraft abzutragen. Die Konzerntöchter Stadtwerke (SWL) und Wasserwerke (KWL) sind mit Ergebnissen von 60 und 20 Millionen Euro jedes Jahr profitabel - die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) haben ihre Struktur in den letzten Jahren so weit optimiert, dass der städtische Zuschuss von einst über 60 Millionen Euro mittlerweile auf unter 50 Millionen Euro gesenkt werden konnte.
HL Komm und Perdata haben ihrerseits zum Konzernergebnis der Stadtwerke beigetragen - 2010 immerhin in der Größenordnung von 3,5 und 2,8 Millionen Euro. Ob bei solchen Gewinnabführungen und der engen Bindung an die Muttergesellschaft SWL ein Gesamtkaufpreis von 18 Millionen Euro für die Perdata tatsächlich angemessen ist, darf zumindest hinterfragt werden.
Eine Konsolidierung der LVV und damit eine Verbesserung ihrer finanziellen Lage erhofft sich Burkhard Jung nun durch Synergieeffekte. Der LVZ gegenüber sprach er von 10 Prozent der Arbeitsplätze, die dadurch eingespart werden könnten - 500 über den Daumen gerechnet. Doch in dieser Form scheint das im Aufsichtsrat der LVV nicht besprochen worden zu sein.
Ines Jahn: "Offensichtlich hat sich der OBM, ohne Beratungen, Rückfragen, Berücksichtigung der Beteiligung von Betriebsräten und der Mitbestimmung von Aufsichtsräten, ein Untersuchungsergebnis von zwei beauftragten Beratungsunternehmen zueigen gemacht. Damit düpiert er nicht nur Aufsichtsräte, sondern auch all die Beschäftigten, die seit vielen Monaten in einem gemeinsamen Projekt aller LVV-Unternehmen mitarbeiten. In diesem Projekt sollen mittels verschiedener Teilaufgaben Synergien für den Gesamtkonzern gehoben werden."
Denn es gibt zwar einzelne Aufgabenfelder, die in allen drei Tochtergesellschaften der LVV relativ kompatibel sind. Doch teilweise kooperieren die Unternehmen in diesen Bereichen längst, teilweise erbringen diese Abteilungen oder Enkelunternehmen selbst wieder Aufträge für Dritte und es sind nicht unbedingt die personalintensiven Abteilungen, die hier für Synergien geeignet sind. Ob das Potenzial einer solchen Synergie überhaupt bei 500 Stellen liegt, ist noch längst nicht belegt. Zumindest hat ein wirklich fundiertes Konzept weder Burkhard Jung als Aufsichtsratsvorsitzender noch eine der von ihm beauftragten Beratungsgesellschaften vorgelegt.
„Die Beschäftigten müssen jetzt darüber aufgeklärt werden, welcher Informationsstand den Aufsichtsräten tatsächlich vorlag", fordert Ines Jahn. "Klar ist auch, solche Alleingänge des Stadtoberhaupts sind absolut inakzeptabel. Von den benannten Wegen, wie die Konsolidierung der LVV geschehen soll, ganz zu schweigen.“
Die Fotoausstellung "Es ‚messet’ wieder." ist Teil des Pilotprojekts „Leipziger Verlagsarchive: Reclam als Erinnerungsspeicher und Labor“ im Rahmen der Forschungsförderung „Geistes- und sozialwissenschaftliche Forschung“ des Freistaates Sachsen. Die Studenten und Wissenschaftler des Fachbereichs Buchwissenschaft an der Universität Leipzig erforschen seit dem Wintersemester 2009/10 die vom Stuttgarter Stammverlag zur wissenschaftlichen Erschließung zurückgeführten Archivdokumente des Leipziger Parallelverlagsteils. mehr…
Die LVB planen für August 2012 eine weitere Erhöhung der Fahrpreise. Ein Einzelfahrschein wird zum Beispiel 20 Cent mehr kosten. Insgesamt werden die Tarife um rund 10 Prozent erhöht. Die Grüne Hochschulgruppe kritisiert diese Entwicklung scharf. Sie sieht die Attraktivität des Öffentlichen Nahverkehrs gefährdet und findet, Busse und Bahnen sollten für alle bezahlbar bleiben. mehr…
Wagner ist Leipziger. Irgendwie schon. Am 22. Mai 1813 hier geboren. 1834 fortgegangen Richtung Würzburg. "Als fertig ausgebildeter Komponist", betont Thomas Krakow, Wagner-Beauftragter der Stadt Leipzig und Vorstandsvorsitzender des Richard-Wagner-Verband Leipzig e.V. Wagner-Beauftragter ist er, weil Leipzig 2013 im Mittelpunkt steht, wenn der 200. Geburtstag des kleinen Wilhelm Richard Wagner gefeiert wird. mehr…
Im Rahmen einer Tournee zu ihren Schwesternhochschulen in Aachen, Mainz und Hannover macht die Big Band der Hochschule für Musik und Tanz Köln auch Station in Leipzig. Sie tritt am Mittwochabend, 23. Mai, in der Hochschule für Musik und Theater, Grassistraße 8 auf. Gespielt werden zwei Kompositionen des Big-Band-Leiters Joachim Ullrich: „No Better Blues Suite“ und „Second Crime Suite“, die die Band in der letzten Phase erarbeitet und aufgenommen sowie in zwei Konzerten in Köln präsentiert hat. mehr…
"agra - Brücke B2. Und wie weiter?" Unter dieser Überschrift lädt die Arbeitsgruppe Landschaftspflege des Grünen Ringes Leipzig am Mittwoch, 23. Mai, in den Kleinen Lindensaal des Rathauses Markkleeberg ein. Verschiedene Planungen für den Bereich der agra sollen näher vorgestellt, näher beleuchtet und mit allen Beteiligten diskutiert werden. mehr…
Annaberg ist eigentlich nur die halbe Stadt. Annaberg-Buchholz heißt die Doppelstadt an der Sehma seit 1945. Die Sehma war 1497 noch Landesgrenze zwischen dem ernestinischen und dem albertinischen Sachsen, als die Neustadt am Schreckenberg gegründet wurde, die ab 1501 Annaberg hieß. Der Grund für die Gründung mitten im wilden Erzgebirge: das Erz natürlich, das große Berggeschrei, das genau von hier aus losging 1491. mehr…
In ihrem ersten Heimspiel der neuen Football-Regionalliga-Saison mussten sich die Leipzig Lions den Rostock Griffins glatt mit 0:41 geschlagen geben. Gegen die Greife von der mecklenburgischen Küste fanden die heimischen Löwen am Sonnabend einfach keine Mittel. Für Running Back Daniel Teubert war es zugleich das letzte Spiel im Lion-Dress. mehr…
Es ist eine Mischung aus Volksfest und hochklassigem Sportevent. Die 9. Auflage der „Sparkassen Neuseen Classics – Rund um die Braunkohle“ war auch am Sonntag, den 20. Mai, eine Erfolgsstory. Über 50.000 begeisterte Zuschauer jubelten bei strahlendem Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen Profis wie Amateuren auf ihren Rennrädern entlang der Strecke und im Gewerbepark Zwenkau zu. mehr…
Im Prozess um den Tod einer Leipziger Arabistik-Studentin gibt es ein Geständnis. Verteidiger Ralf Juhnke verlas zu Beginn des zweiten Verhandlungstags eine Erklärung. Sein Mandant Sebastian T. (28) habe Franziska S. (25) im Streit mit einem Hammer erschlagen. Im Studentenwohnheim in der Johannes-R.-Becher-Straße lauerte der Berliner seiner Ex-Freundin auf, um sie zur Rede zu stellen. mehr…
Am Dienstag, 29. Mai, beginnt die große Festwoche am Neuen Nikolaigymnasium, mit der das 500-jährige Bestehen der Schule gefeiert wird. Im Gegensatz zur Thomasschule wissen die Nikolaitaner sogar recht sicher, dass ihre Schule ihre Wurzeln im Jahr 1512 hat. Und selbst das Schulgebäude existiert noch am Nikolaikirchhof. Hier könnte man in diesem Jahr auch feiern. Das tut man auch. Am 29. Mai eröffnet dort die Ausstellung "Bürgerstolz und Bildung". mehr…
Wissenschaftler der Universität Leipzig haben einen Meilenstein auf dem Gebiet der Erforschung von Gliazellen gesetzt. Sie konnten in einer internationalen Zusammenarbeit den Nachweis führen, dass Nervenzellen und Gliazellen ähnliche Wirkmechanismen haben. Beide setzen zur Kommunikation Botenstoffe frei. Bislang wurde den Gliazellen diese Fähigkeit abgesprochen, sie galten nur als "Stützgerüst" für die Nervenzellen. mehr…
Nach dem überraschenden Rücktritt von Lok-Trainer Willi Kronhardt hat beim 1. FC Lok Ernüchterung Einzug gehalten. Präsident Michael Notzon rekapituliert noch einmal für L-IZ.de die Ereignisse am Sonntagvormittag und bezieht Stellung zur Finanzsituation des Vereins. mehr…
Ein Film über eine einzigartige Begegnungsreise durch die Krisenregion Nahost ist am Dienstag, dem 22. Mai, um 19:30 Uhr der naTo, Karl-Liebknecht-Str. 8, zu sehen. Für den Film „Wir weigern uns Feinde zu sein“ begleiteten Stefanie Landgraf und Johannes Gulde zwölf deutsche Jugendliche. mehr…
Am Mittwoch, dem 23. Mai um 19:30 Uhr wird Wolfgang Tiefensee, MdB (SPD), im BüroCafé Tiefensee, Gottschedstraße/Ecke Zentralstraße in Leipzig, mit Günter Gloser, MdB (SPD), Staatsminister a.D., Mitglied des Auswärtigen Ausschusses und Berichterstatter der SPD-Fraktion für den Nahen und Mittleren Osten, über den Aufstand in Syrien und die Auswirkungen auf die Region sowie den „Arabischen Frühling“ sprechen. mehr…
Eine Riesenanspannung auf dem Markt hat Frank Sennhenn, Vorstandschef der DB Regio AG, ausgemacht. Denn der Schienenpersonennahverkehr befinde sich inmitten einer „Vergabespitze“. Zwischen 2012 und 2014 werden insgesamt 260 Millionen Zugkilometer ausgeschrieben. Zwischen 2014 und 2017 werden weitere 100 Millionen folgen. mehr…