Buchmessesplitter - Mit Silbermond diskutiert: Wem gehört die Popgeschichte?
Jan Kaefer
19.03.2010
Stefanie Kloß und ihre Silbermond-Kollegen diskutierten auf der Focus-Bühne mit.
Foto: Jan Kaefer
"Popgeschichte geht uns alle an!", behaupten die Autoren Gerd Gebhardt und Jürgen Stark. Auf der Focus-Bühne stellten sie am Donnerstag ihr Buch "Wem gehört die Popgeschichte?" vor. Als Diskussionspartner hatten sie sich die Band Silbermond mit aufs Podium geholt.
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Das Buch zur Popgeschichte.
Foto: Jan Kaefer
In ihrer knapp 400 Seiten starken Neuerscheinung schauen die Musikexperten "einem illustren Personenkreis der politkulturellen Popgeschichte 'aufs Maul'", wie es der Verlag Bosworth Music formuliert. Von Panikrocker Udo Lindenberg über Ex-Silly-Sängerin Tamara Danz, den Hells Angels oder Schauspieler Götz George bis hin zu Rolling-Stones-Sänger Mick Jagger oder Altpunk Billy Idol ist ein spannendes Spektrum interessanter Figuren der Popgeschichte zwischen den Buchdeckeln vereint.
"Das Buch ist ein großes Musikbekenntnis, eine Hommage an die Musik als solche.", bringt es Gebhardt auf den Punkt. Er habe schon immer davon geträumt, sein Hobby Musik zum Beruf machen zu können. Diesen Traum hat er sich längst erfüllt. Er zählt zu den Erfindern der Echo-Preises und arbeitete für Weltfirmen wie Wea Records oder Warner Music. Seine Mission sieht er darin, den Menschen klar zu machen, was für eine wichtige Rolle die Musik für das tägliche Leben spielt.
Jürgen Stark: Musik aus dem Bauch heraus.
Foto: Jan Kaefer
Diese Einstellung teilt sein Mitautor Jürgen Stark. Der studierte Sozialpädagoge und Germanist entwickelte deshalb im Jahr 1999 das Projekt "Schooltour". Zusammen mit der Bundeszentrale für politische Bildung tritt er damit für mehr Musik und Kreativität an Schulen ein. Innerhalb einer Woche befähigt er die Schüler dazu, eine Band zu gründen, Instrumente zu benutzen und einen Song im mobilen Tonstudio aufzunehmen. Als Ergebnis können die jungen Leute ihre erste kleine CD mit nach Hause nehmen. "Die Botschaft ist: Du sollst den Schülern etwas zutrauen!", sagte der Hamburger, "Die Musikpädagogen unterschätzen immer noch gewaltig, dass die Schüler aus dem Bauch heraus Musik machen können." Das Konzept funktioniere besonders gut auch an sogenannten Problemschulen.
Silbermond-Sängerin Stefanie Kloß.
Foto: Jan Kaefer
Dass es älteren Generationen manchmal schwerfällt, den Jungen etwas Vernünftiges zuzutrauen, konnte Silbermond-Sängerin Stefanie Kloß mit einer Familien-Anekdote bestätigen. Als ihr Opa zum ersten Mal auf ihre langhaarigen Bandkollegen traf, konnte er sich das Urteil nicht verkneifen, dass man denen erst mal "ordentlich um die Haare" gehen müsse. "Er hat so langen nicht geglaubt, dass wir etwas Vernünftiges machen, bis er uns zum ersten Mal beim Echo gesehen hat.", schmunzelte die Bautznerin. Damit hat die Musik einmal mehr dazu beigetragen, dass die Generationen miteinander ins Gespräch kommen.
Die Band wurde kürzlich mit zwei Echos geehrt.
Foto: Jan Kaefer
Dazu passt, dass auch den Autoren Gebhardt und Stark die gesellschaftliche und politische Komponente ihres Buches besonders stark am Herzen liegt. "Popkultur hat immer die gesellschaftlichen Zustände reflektiert.", sagte Jürgen Stark und warnte vor einer schleichenden Einschränkung der Meinungsfreiheit. Diese werde seiner Meinung nach durch die in Deutschland hochgehaltene "Political Correctness" beschnitten. "Durch 'Political Correctness' werden Tabus aufgebaut.", so Stark. Sie seien deshalb auch ein Werkzeug von Diktaturen. Als Beispiel hierfür nennt er den Iran. Für ihn steht deshalb fest: "Wenn man für irgendetwas plädieren kann, dann für Freiheit!".
Buch-Infos: "Wem gehört die Popgeschichte?" von Gerd Gebhardt und Jürgen Stark, voraussichtlicher Preis: 19,95 Euro "Das Liederbuch 2004-2010" von Silbermond, voraussichtlicher Preis: 19,95 Euro
Beide Bücher sind bei Bosworth erschienen. www.bosworth.de
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