Buchmesse für Kinder: Bleiläuse, jüngste Autoren und Buchkinder locken
Daniel Thalheim
20.03.2011
Bleiläuse auf der Leipziger Buchmesse 2011: Workshops für Kinderbücher und Kunstdrucke.
Foto: Daniel Thalheim
In Messehalle 2 ist zur Buchmesse der Bildungssektor zu finden. Dort stehen meist die Erwachsenen. Kinder werden von anderen Ständen in der Halle angelockt. Der Bleilausverlag, der Buchkinder e.V. und das Podium jüngster Autoren sind ganz für die Kinder da. Hier sitzen die Leser von Morgen. Sie sind schon die Autoren von heute: Kinder.
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Bunte Bücher über den bösen "Metzger Tofu", "Bei Oma essen wir nur mit Fleisch", "Indianfood esse ich nicht so gerne. Das ist, wenn Papa kocht" stehen in den Regalen. Druckstöcke, fetziges Krikelkrakel im Kinder-Design ist überall aufgestellt. Der Bleilausverlag und der BuchKinder e.V. haben sich den Jüngsten verschrieben.
Hier schreiben Kinder für Kinder - und für Erwachsene: unbefangen, frei und völlig ohne Geltungsbedürfnis so mancher "großer" Autoren, die sich rund um und in der "LVZ-Autoren-Arena" tummeln. In der Halle 2 stehen Kinder im Mittelpunkt. Da sitzt im benachbarten Podium jüngster Autoren auch ein kleines Kindergartenkind, hat schon vor der Einschulung ein Buch veröffentlicht. Applaus von den umringenden Eltern und Kindern für die Leistung. Wie man das ohne Lesefähigkeit tun kann? Ganz einfach: Bilder malen, Geschichte ausdenken, erzählen und Blätter zusammen heften.
BuchKinder e.V. Leipzig: Birgit Schulze-Wehninck
Foto: Daniel Thalheim
Nach der Schule, wenn die Bemmenbüchsen und Mägen leer sind, kommen die Kleinen zu den BuchKindern. Hier können sie neue Energie tanken, sich Geschichten ausdenken, gestalten und drucken. Heraus kommen bunte Bücher, Poster, Kunstdrucke. Die BuchKinder haben verschiedene Standorte in Leipzig, unter anderem in der Steinstraße, im Leipziger Osten, in Lindenau. Der Grafische Hof ist ihr Hauptstandort. "Die Kinder schreiben, illustrieren, das heißt, malen und ritzen ihre Bilder", erklärt Vereinsvorstandsvorsitzende Birgit Schulze Wehninck. Sie ist seit 2004 dabei, muss den BuchKinder e.V. aufgrund drohender Kürzungen in den Bereichen Jugend/Soziales und Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (AGH) zukunftsfest schnüren. Die Kinder müssen weiterhin eine Anlaufstelle haben, ohne Geld und Mitarbeiter ist das schwer möglich. Deswegen kann man jetzt eine Fördermitgliedschaft für 6 Euro monatlich beantragen und so das kunstpädagogische Projekt tatkräftig unterstützen.
Kinder sind schon ab vier Jahren dabei, wenn die Handmuskulatur ausgebildet ist, weiß Birgit Schulze Wehninck zu berichten. Die Kleinsten dürfen hier schon Lust und Laune auf Bücher haben. Das macht den kleinen Autoren auch riesigen Spaß. "Das ist ein Erlebnis für die Kinder. Sie sehen, sie haben ein Bild angefertigt, können unendlich viele drucken. Und das noch in unterschiedlichen Farben. Dabei entstehen Textideen, Geschichtenskizzen. Wenn ein Kind eine Kuh gedruckt hat, deren Farbigkeit sich von ocker über rot, blau zu gelb erstreckt, dann hat es schon die Geschichte geschaffen. Das macht Kindern Spaß."
Mit Blockflötenmusik am Podium jüngster Autoren.
Foto: Daniel Thalheim
Bei den BuchKindern ist es ein freies Arbeiten. Keine von Erwachsenen ausgedachten Vorgaben und Themen, das Kind erschafft seine eigenen Welten. "Das steht in unseren Buchkinderregeln, bezieht sich auf die Inhalte und Rechtschreibung", erläutert Wehninck die Arbeitsweise im Verein. "Die Kinder sollen so schreiben, wie es aus ihnen heraus kommt. Oft ist es so, dass sie die Bilder zuerst malen. Jüngere Kinder haben noch nicht diese Schriftsprache, haben ihre Bilder, die dann die Geschichten erzählen. Wer schon mit Kindern zu tun hatte, weiß, dass man die Kinder nur zu fragen braucht und dann erzählen sie die buntesten Geschichten zum Bild. Wir schreiben das dann auf, was die Kinder uns erzählen, entweder weil sie noch nicht schreiben und lesen können oder weil das Vermögen noch nicht in Gänze ausgebildet ist."
Die BuchKinder-Mitarbeiter stellen sich in den Dienst der Kinder, indem sie deren Sprache verschriftlichen. Die Eltern sind über die Idee ziemlich begeistert, weiß Wehninck zu erzählen. Denn die Eltern sind stolz darauf, was ihre Sprösslinge an Bild und Text erzeugen. Die Kinder holen sich so in der Familie mehrfach Lob ab, und das wissen die Kleinen recht bald: Es lohnt sich mehr, als wenn man einen Satz in den Raum spricht. "Sie merken, dass das geschriebene Wort eine ganz andere Wirkung hat, als das gesprochene." Dadurch sind die Kinder motiviert und wollen mehr schreiben. Das ist die Intention des Vereins.
Das Podium jüngster Autoren: Hier stellen die Kleinen schon vor ihrer Einschulung ihre Geschichten vor.
Foto: Daniel Thalheim
Nun sind die Buchkinder mit einem großen Stand auf der Buchmesse vertreten. Das entspricht der vierten BuchKinder-Regel: dem Präsentieren. Auf der Buchmesse geschieht es natürlich in größerem Rahmen als sonst bei den wöchentlichen Treffs, wo die Kinder einander ihre Werke zeigen und darüber reden. Auf der Buchmesse ist es unruhig, überall sind fremde Menschen, gibt es jede Menge Ablenkung und die Kinder zeigen und lesen ihre Werke ganz anderen Leuten vor, als sie vom BuchKinder e.V. kennen. "Das ist natürlich eine Herausforderung. Das trauen sich nicht alle Kinder sofort zu", sagt Wehninck weiter. "Wenn sie sich nicht trauen, schauen sie anderen dabei zu und wissen später, wie es funktioniert. Natürlich ist es toll, wenn man Applaus bekommt."
Irgendwann traut sich das Kind auch selbst ans Mikrofon oder es sitzt neben einem Erwachsenen, der den Text vorliest. Wie beim kleinen Mädchen am Freitagnachmittag in der Halle 2 beim Podium jüngster Autoren, gleich neben den Ständen des Bleilausverlags und des Buchkinder e.V. Noch bis zum 20. März gibt es das Vollverwöhnprogramm. Am Samstag tauchen Zuschauer in Geschichten wie "Nö, du hast Flö!" ein, können Bücher von unterwegs einsammeln - auch gesponnene Geschichten von Kindern aus dem bundesweiten Buchkinder Netzwerk. "Die Legende von Ribbeck" und "The Monster Forest" locken bereits am Nachmittag neugierige Messebesucher an.
Am Sonntagvormittag sitzt dann MDR Figarino-Moderator André Kudernatsch in der gemütlichen Runde und erzählt Geschichten vom Büchermachen. Dabei plaudert er mit Kindern über ihre besten Ideen und darüber, wie ein eigenes Buch auf die Welt kommt. Kulinarische Abenteuer aus dem stinknormalen Buchkinderalltag können auch noch mitgenommen werden.
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