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Durchgeblättert: Leipziger Verlage auf der Buchmesse (2)

Marko Hofmann
Na was gibts wohl? Bücher!
Na was gibts wohl? Bücher!
Foto: Jan Kaefer
Tag drei auf der Leipziger Buchmesse: Der Besucherstrom reißt nicht ab und ein Rankommen an die Verleger oder zumindest deren Stände wird auch durch am Wochenende traditionell fehlende Schulklassen nicht einfacher. In drei ruhigen Minuten gelingt es mir mit Mark Lehmstedt vom gleichnamigen Verlag zu plaudern, dann muss er weiter.


Beim Buchverlag für die Frau gestaltet sich eine Kontaktaufnahme noch schwieriger. Alle wollen etwas hören, vom „Essen im Mittelalter“. Beim ersten Versuch bin ich gescheitert. „Mark Lehmstedt ist bei der Verleihung des Kurt-Wolff-Preises, gegen halb drei ist er wieder da“, wird mir am Stand des Verlages zugeraunt.

Kein Problem, gehe ich einfach um die Ecke zum Buchverlag für die Frau, da wird schon nicht soviel los sein. Doch meine unterbewusste, männliche Arroganz ließ mich träumen. Am Stand ist richtig was los. Autorin Carola Ruff stellt gerade ihr Buch „Essen im Mittelalter“ vor und trifft damit offensichtlich den Nerv der Vorbeigehenden. Erst als sie weiter muss, löst sich die spontane Demonstration für natürliche Ernährung auf und ich kann mir den Weg zum Stand bahnen.

Die spontane Demonstration für natürliche Ernährung am Stand des Verlages für die Frau
Die spontane Demonstration für natürliche Ernährung am Stand des Verlages für die Frau
Foto: Jan Kaefer
Ulrike Winckelmann vom Verlag nimmt mich gleich in ihre Obhut und führt mich im Schnelldurchlauf durch das aktuelle Verlagsprogramm. Angeführt wird dieses von einem weiteren Buch von Carola Ruff „Ayurveda im Alltag“. Ich hielt Ayurveda immer für eine Mode-Erscheinung, die sich durch nervtötende Werbung mit dem „grünen Daumen“ und wenig Wirkung selbst ins Abseits manövriert, aber im Verlauf des Gesprächs mit Frau Winckelmann muss ich mir eingestehen, dass ich damit wohl nicht den Nerv der Zeit treffe. „Das Buch folgt dem Trend der gesunden Lebensweise. Vom Tee bis zur Yoga-Übung finden Sie hier alles“.

Tatsächlich: Das Buch ist gespickt mit Tipps und Rezepten für den alltäglichen Gebrauch. Auch Atemübungen zur Entspannung sind dabei und die hätte ich mir vor diesem Messetag mal reinziehen sollen. Mit einer neuen Reihe namens „Typisch“ versucht der Verlag zudem, Reisen, Kochen und Lesen zu paaren. Der erste Band heißt „Typisch Ostseeküste“. „Das Buch gibt nicht nur Aufschluss darüber, wo der Bismarck-Hering herkommt, sondern warum er auch so heißt“. Wissen Sie außerdem schon, wie man eine Milchsuppen-Flut zubereitet? „Wenn Sie schon immer mal Käse und Öl selbst machen wollten, sollten Sie sich dieses Werk kaufen“.

Wieder neue, hochwertige Bildbände im Angebot- der Verlag Mark Lehmstedt
Wieder neue, hochwertige Bildbände im Angebot- der Verlag Mark Lehmstedt
Foto: Jan Kaefer
Winkelmann hält das Buch „Alles selbstgemacht. Butter, Käse, Öl und mehr“ in der Hand. Das erscheint zwar erst im Mai, hat allerdings gut Chancen im allgemeinen „Küchen-Heimwerker-Trend“ gut anzukommen. „Die Autorin Heidi Thaler erklärt hier Stück für Stück, wie Frauen die Zubereitung bestimmter Lebensmittel selbst in die Hand nehmen können“. Likör ist auch dabei, wie ich erfahre. Wenn das kein Grund ist. Das Buch lässt sich wahrscheinlich auch wunderbar mit dem „Essen im Mittelalter“ kombinieren, denn das Wort „Lebensmittelindustrie“ war damals noch unbekannter als das Wort „Buchverlag“.

Diesmal erwische ich Mark Lehmstedt ruhig sitzend am Tisch seines Standes. „Was gibt’s denn Neues Herr Lehmstedt?“, frage ich. „Bücher“, antwortet er. Wäre auch schlimm, wenn nicht. Lehmstedt legt mir prompt zwei Fotobände vor. Einer mit Portraits von Fritz Eschen, der im Berlin vor dem Zweiten Weltkrieg und im Berlin nach dem Zweiten Weltkrieg so ziemlich alle die vors Objektiv bekommen hat, die damals die Zeit prägten. Konrad Adenauer, Willy Brandt, aber auch Hermann Hesse oder Friedrich Dürrenmatt. Ein Band, dem sich L-IZ.de bereits gewidmet hat. Auch dem Werk über die Fotokünste des Berliners Gerd Danigel, den mir Lehmstedt ebenfalls präsentierte.

Unbesprochen blieb dagegen bisher, dass Lehmstedt im April seine Reiseführer-Reihe fortsetzen wird. „Musikstadt Leipzig – Ein Stadtrundgang“, verfasst von Doris Mundus, befasst sich mit den Stätten Leipziger Musikgeschichte, die nicht direkt ins Auge fallen, sprich teilweise lange vergessen sind. Zum neuen „Sächsischen Volkswörterbuch“ von Gunter Bergmann kommen wir nicht mehr. Ein wichtiger Gast nähert sich dem Stand. „Wenn Sie mal wissen wollen, warum man hier Modschegiebschn sagt, müssen Sie das lesen“, ist der letzte Satz, den er mir sagen kann. Mein „Isch mach mich jetzt erste ma heeme“ ging im Messetrubel unter.

Informationen zu den Leipziger Verlagen unter
Lehmstedt Verlag
Verlag für die Frau



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