Edition PaperONE und Schillerndes Dunkel zur Buchmesse: Szene-Autoren lesen im Darkflower
Redaktion
04.03.2011
Michael Schweßinger und Hauke von Grimm lesen im Darkflower zur Buchmesse 2011.
Bild: www.michaelschwessinger.de
Die Leipziger Buchmesse wird schwarz. Der Club Darkflower öffnet seine Türe zur Hainstraße und holt Hauke von Grimm, Michael Schweßinger, H.C. Roth, André Kudernatsch und Dirot in die Hütte. Es lesen auch Myk Jung und Klaus Märkert. Alexander Nym will sein "Schillerndes Dunkel" an die schwarze Frau und den dunklen Mann bringen.
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Am 19. März versammeln sich ab den späten Nachmittag illustre Leute im dunklen Szeneclub in der Innenstadt. Eine fast ideale Nacht für Freunde des schwarzen Humors, bizarrer Geschichten in Verbindung mit verschnörkelter Sprache.
Zunächst eröffnen die Autoren der Edition PaperONE die buchstaben- und wortreichen Stunden im sonstig dunkeldüstren Bewegungsraum namens Darkflower. Hauke von Grimm, bekannt für seine "RevierKöter", Leipziger Szene-Urgestein und Mitleser der "Lesebühne Schkeuditzer Kreuz" trägt die Tradition der Geschichtenerzähler wie einen gut sitzenden Mantel mit sich herum. Seine Erzählungen sind unterhaltsam, sorgen durch ihre ironisch zwinkernden Beschreibungen stets für Lacher. Er trägt aus den "RevierKöter"-Büchern oder Short Stories aus seinem Erzählband "Fracht" vor.
Michael Schweßinger liest.
Bild: www.michaelschwessinger.de
Michael Schweßinger hat mit seinen Büchern "in darkest Leipzig" und "Aufzeichnungen eines Tagelöhners" seine Beobachtungs- und Erzählgabe ebenfalls längst unter Beweis gestellt - er berichtet von seltsamen Eigenheiten spezieller Leipziger Bewohner und von Jobs, die man machen muss, wenn auf dem Konto der Monat schon mehr als vorüber ist.
Anders als der in Lindenau lebende Schweßinger, wohnt, lebt, singt und schreibt H.C. Roth in Graz/Österreich. Er ist aber nicht weniger "Szene" als seine beiden Vorleser an diesem dicht bestückten Abend. Der Schriftsteller hat mit "Wie ich verflucht wurde und die Zeit still stand" den ersten Heavy Metal-Roman und mit "Der Tag, als Berta Bluhmfeld starb" einen unglaublich vielschichtigen Kurzgeschichten-Roman veröffentlicht.
"die Pest"-Bandmitglied André Kudernatsch liest hingegen aus seinem Krimi "Deadly Slippers". 80 Tote auf 220 Seiten lassen sich bei ihm leider nicht vermeiden und auch in Vorankündigungen nicht totschweigen. Denn Protagonist Charlie Slippers erwischt sie alle in Oaktown City: Vampire, Mutationen, Hexen, die Russenmafia, die eigene Großtante und viele Unschuldige, die einfach zu ungeschickt im Weg stehen. Dieser Mann ist ausgebuffter als Buffy und blutiger als Bloody Mary.
Sind wir schon "durch" - nein, sind wir nicht - Dirot nennt sich der Hallenser Journalist und Autor Dirk Rotzsch auch in dieser 19. Märznacht. Der ehemalige Keyboarder von Lament hat für das lesehungrige Publikum "Michel - Eine Generation frisst ihre Kinder" auf Lager. Es ist schlicht gesagt ein ziemlich düsteres Bild, aber vielleicht gerade deshalb zutreffendes der Demographie.
Aber es sind keine nuklearen Katastrophen, keine Aliens oder intergalaktischen Eruptionen, welche die westliche Hemisphäre für ihn bedrohen, sondern die ungelösten Probleme, die von Generation zu Generation weitergegeben werden. Nachdenklich geht an einem solchen Treffen der "Verrückten" durchaus - hier zeigt sich auch, wer eigentlich richtig steht, wenn das Licht angeht.
Alexander Nym mit "Schillerndes Dunkel" zur Stelle.
Foto: Daniel Thalheim
Nach so viel "Leipzig-Prominenz" kommen die "Schementhemen" aus dem Ruhpott. Genauso schwarz, noch ein bisschen näher an der Basis. Hinter den "Schementhemen" verbergen sich Myk Jung und Klaus Märkert, die für eine Dreiviertelstunde mal ganz pure schwarze Ironie zu Wort kommen lassen.
Myk Jung ist seit 1984 in der Independent Musik-Szene u.a. als Frontmann von The Fair Sex aktiv, arbeitet er als freier Autor für diverse Musikmagazine und hat mit seiner liebevollen Parodie "Der Herr der Ohrringe" von sich lesen gemacht. Mit einer ordentlichen Portion Selbstironie bannt Jung das Publikum mit Geschichten aus den Abgründen des (etwas anderen) Alltags.
Klaus Märkert , gemeinsam mit Myk Jung Gastgeber der skurril-humoresken Lesebühne "Schementhemen", stellt sein brandneues Short-Story-Buch "Der Tag braucht das Licht - Ich Nicht" vor und erläutert damit gründlich, was er unter "Nachthumor" versteht.
Passend für die späten Abendstunden wird's dann noch wortwörtlich "dunkel" im Darkflower. Alexander Nym hat vergangenes Jahr seine schwarze Bibel "Schillerndes Dunkel" herausgegeben. Darin tummeln sich verschiedene Autoren, die auch mitunter bekannte Szene-Musiker sind und über die Anfänge der schwarzen Szene in den späten Siebzigern und frühen Achtzigern geschrieben haben. Das Werk muss zwar nicht den Anspruch auf Vollständigkeit erheben, fehlen beispielsweise tiefer gehende Geschichten aus der DDR-Szene und den Anfängen des Wave Gotik Treffens, welches nach wie vor allzuoft nur in der Rückschau von ganz anderen Protagonisten beschrieben wird, als damals wirklich Beteiligten.
Ein DJ Orlög und ein Cornelius Brach können nicht die vielen Facetten wiedergeben, die rund um die schwarze Szene in der DDR und das Wave Gotik Treffen zu Tage traten. Gerade wenn es um das Pleite-Jahr 2000 des WGT geht, wird es reichlich neblig, damalige Protagonisten kommen nicht zu Wort. Aber es soll in dieser Nacht auch wieder nur ein Überblick über ein geheimnisumwittertes Festival sein.
Vielleicht liest Kultur- und Medienwissenschaftler Nym aus den betreffenden Passagen, wird sicher hin uns wieder das Buch hochhalten, worin eindrucksvolle Fotos die lesenswerten Texte illustrieren. Der Herausgeber freut sich im Anschluss auf eine rege Diskussionsrunde.
Dreimal Schwarz heißt es also im dunkelsten Club Leipzigs am 19. März ab 16 Uhr bis in die Nacht. Der Eintritt kostet fünf Euro, inklusive anschließender Abendveranstaltung des Clubs.
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