"Eure Armut kotzt mich an": Buch zur Armut in der Kunst der Moderne erscheint zur Buchmesse mit Ausstellungseröffnung
Daniel Thalheim
16.03.2011
Kunstgeschichte über Armut in der Kunst der Moderne, ab der Leipziger Buchmesse für Kunstinteressierte im Handel.
Bild: www.galeriekub.de
Druckfrisch wird es am 20. März erscheinen. "Armut in der Kunst der Moderne" heißt das Werk, in dem sich 17 Beiträge über das Thema Armut tummeln. Natürlich geht's nicht um den "armen Künstler", sondern darüber, wie Künstler Armut sehen. Eine Ausstellung und eine Podiumsdiskussion in der Galerie KUB begleiten den Band.
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Das Bild der Armut faszinierte schon die alten Meister. Eigentlich gehen Darstellungen von armen Menschen auf Bibeldarstellungen zurück. Raffael hat arme Menschen gemalt, Rembrandt auch. Hans Holbein d.J. malte den "Der Triumph der Armut" schon 1530. Darüber wurde schon geforscht, fabuliert und dargestellt.
Das ist in der Kunst der Moderne natürlich etwas anderes. "Armut in der Kunst der Moderne" soll das ändern, dessen Herausgeberin Franziska Eißner ist, die zusammen in kollegialer Verbundenheit mit PD Dr. Michael Scholz-Hänsel vom Institut für Kunstgeschichte an der Universität Leipzig einen Blick auf den künstlerischen Blick auf das Leben ohne Geld, Reichtum und Wohlstand wirft. Jenem Scholz-Hänsel, der mit seinen Forschungen zur spanischen Kunstgeschichte einigen aufgefallen sein dürfte. Unter anderem mit Publikationen wie "Juseppe de Ribera 1591 - 1652. Meister der spanischen Kunst", "ElGreco. Der Großinquisitor: Neues Licht auf die Schwarze Legende", "Inquisition und Kunst: Convivencia in Zeiten der Intoleranz" oder "El Greco: Domenikos Theotokopoulos 1541 - 1614".
"Armut in der Kunst der Moderne", ab 20. März im Handel für 20 Euro, broschiert.
Bild: www.galeriekub.de
"Das ist in dem Sinne etwas neuartiges, da diese für das 20. Jahrhundert nicht in dieser Durchgängigkeit untersucht wurden, wie es für das Mittelalter und die frühe Neuzeit das in Ansätzen gibt und so werden Lücken geschlossen und eine Grundlage für eine weiterführende Auseinandersetzung mit dem Thema erst geschaffen und die Möglichkeit geboten, einzele Themen tiefergehend zu untersuchen", so Kunsthistorikerin Franziska Eißner über das kommende Werk.
"Es ist eine sehr kunsthistorische Publikation. Der Künstler an sich und seine Lebenswirklichkeit werden im Großen und Ganzen bewusst ausgespart, da zunächst empirisch nachvollziehbare Daten auf Grundlage der Kunstwerke erhoben werden sollen. Um das zu kompensieren, ist die anschließenende Podiumsdiskussion im MdbK anberaumt, wobei hier der Schwerpunkt auch, aber nicht ausschließlich, auf den Kunstwerken liegt", erzählt Eißner zur Blickrichtung des Buches.
Weiter gibt Eißner einen Blick auf die kommenden Veranstaltungen rund um das neue Blätterwerk rund um die Armut: "Mit Göran Gnaudschun kommt eben auch der Künstler zu Wort und mit Andreas Pitz auch ein Sozialarbeiter, der die Situation von Armut betroffener von der menschlichen und subjektiven Seite kennt. Da Andreas Pitz auch Kurator der Ausstellung 'Kunst trotz(t) Armut' (Eine Wanderausstellung der Evangelischen Obdachlosenhilfe in Deutschland e.V. und des Diakonischen Werkes der EKD e.V. mit Gegenwartskunst zum Thema Obdachlosigkeit, Armut und soziale Ausgrenzung, Anm. d. Red.) ist, hat er sich aber auch mit Kunstwerken auseinander gesetzt, die zum Teil von sehr bekannten Künstlern stammten (Sigmar Polke, Jörg Immendorff, Felix Droese), aber auch von beispielsweise von Obdachlosigkeit Betroffenen selbst."
In diesem Kontext eingebettet, soll es auch die Ausstellung in der Leipziger Galerie KUB geben. Unter dem Titel "Eure Armut kotzt mich an! Der Obdachlose als role model in der zeitgenössischen Kunst" werden laut Eißner Kunstwerke von Künstlern ausgestellt, in denen das Thema der Obdachlosigkeit zur Sprache kommt. "Zur Eröffnung kommt die Leipziger Tafel und Verkäufer der Kippe, mit Benjamin Nover ein Obdachloser, der seine Geschichte und sein Kinderbuch dann am 20. März bei uns präsentiert. Und die Podiumsdiskussion am 16. April soll sich dem Thema Armut von der menschlichen Seite annähern und sich direkt auf die Situation in der Stadt Leipzig beziehen."
17 Beiträge von jungen Kunsthistorikern und anderen Wissenschaftlern beleuchten die Armut ganz typisch auf ihre distanzierte Weise. So sollen die Bilder von Käthe Kollwitz und Heinrich Zille das "Milljöh" und die Arbeiterwirklichkeit des frühen 20. Jahrhunderts zeigen, gibt es natürlich auch das Genre der Fotografie, womit sich gleich mehrere Beiträge beschäftigen. Natürlich taucht auch der am kunsthistorischen Institut in Leipzig überstrapazierte Begriff der "Propaganda" auf, wahrscheinlich ohne eine notwendige Begriffserklärung dieses in erschütternderweise gebrauchten Wortes im Dritten Reich. Auch während des 1. Weltkrieges und in totalitären Systemen des Ostblocks wurde der Begriff "Propaganda" für jene "Werbung" verwendet, um eine bestimmte Ideologie möglichst "schmackhaft" zu verkaufen. Im Falle von "Armut in der Kunst der Moderne" soll auch gezeigt werden, dass Armut auch gerne instrumentalisiert wird.
Die in vier Abschnitte gegliederte Publikation beleuchtet auch mal im nicht ganz für den üblichen Normgebrauch abgenutzten Kunsthistoriker-Sprech wirklich jede Form der materiellen Armut in der heutigen Zeit.
"Eure Armut kotzt mich an" Vernissage: 17. März um 20 Uhr in der Galerie KUB. Dauer der Ausstellung: 17. März – 16. April 2011. Buchpräsentation zur Buchmesse am 19. März 2011 (Museum der bildenden Künste Leipzig). Performance "Gut Leben ohne nix" am 2. April 2011 sowie Podiumsdiskussion am 16. April 2011 in der Galerie KUB.
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