„Exoten“ auf der Leipziger Buchmesse: „Eiferbibsch, wen ham mer denn da?“
Marko Hofmann
20.03.2011
Schriftproben auf der Messe
Foto: Marko Hofmann
Verlage, Fernsehsender, Radiostationen, Imbissbuden, Zeitungen. Was mehr sollte es auf einer BUCHmesse geben? Eine ganze Menge. Den amerikanischen Präsidenten etwa oder mobile Leipziger Amtsstuben, Aufklärer über die verschiedenen Formen deutscher Schrift oder eine Schule ohne Bücher.
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Schräg gegenüber von Österreich liegt Amerika. Was topografisch fachlich und fachsprachlich die Note 6 verdient, ist auf der Leipziger Buchmesse Realität. Direkt beim Oberösterreichischen Literaturforum hat sich das US-Generalkonsulat platziert. Und es ist voll, rings umher gibt es nicht mal Poller. „Guten Tag, was machen Sie denn hier?“ Der Konsul für öffentliche Angelegenheiten wird zu mir gewinkt. „Wir machen hier unseren Job“, erklärt James W. Seward einfach wie einleuchtend. „Die Buchmesse gibt uns die Gelegenheit, unser Land zu präsentieren. Die Gesellschaft, die Kultur und die Geschichte“, und gleichzeitig auch mit Vorurteilen aufzuräumen.
„Die Leute wissen viel über die USA, aber vieles ist verzerrt. Letztens kam jemand zu diesem Stand und sagte: ‚ Die USA ist eine Diktatur’“, so Seward, der daraufhin das Gespräch suchte und Argumente austauschte. „Wir hatten dann ein tolles Gespräch über die amerikanische Außenpolitik und unsere Ziele. Die Freundschaft zwischen Europa und den USA ist wichtig, denn wir können unsere Ziele jeweils nicht alleine erreichen“. Außerdem bewirbt der Stand natürlich amerikanische Autoren. Auch hier gibt es volle Bücherregale. „Ein großes Thema ist dieses Jahr der Amerikanische Bürgerkrieg, der im April 1861, also vor 150 Jahren begann“. Für Seward optimal, denn der amerikanische Bürgerkrieg ist sein Steckenpferd. „Viel Zeit zum Lesen habe ich trotzdem nicht. Es gibt viel zu tun“.
Kaum zu entziffern, aber zu erlernen - alte Schriften auf der Leipziger Buchmesse
Foto: Marko Hofmann
Immer wieder Blitzlichter im Umfeld des Standes, denn großes Aufsehen erregt Barack Obama mit dem sich viele Gäste fotografieren lassen. „Für die Leute ist es schön, dass die Sicherheitsmaßnahmen hier nicht so hoch sind und sie so ganz nah rankommen. Hoffentlich nimmt ihn keiner mit“. Obama ist nämlich ein simpler, aber täuschend echt aussehender Pappaussteller.
Vor seiner Zeit in Leipzig war Seward in Frankfurt, die dortige Buchmesse kennt er deshalb ebenfalls. „Was in Leipzig und Frankfurt los ist, ist Wahnsinn und es ist schön zu sein, dass die Leute weiter soviel Lesen. Ich denke, dass dies ein Grund für die wirtschaftliche Leistung Deutschlands ist“. In Amerika ist das Lesen allerdings auch weiter sehr beliebt. „Ich kann aber nicht sagen, ob nun mehr oder weniger als in Deutschland."
Nicht ganz so exotisch, aber irgendwie doch skuril, wirkt der Stand des „Bund für deutsche Schrift Sprache“ (BfdS). Ein Stand, an dem nicht alles sofort entziffert werden kann. Hanno Blohm hat trotzdem oder gerade deswegen alle Hände voll zu tun, um zusammen mit seinen Kollegen dem Zulauf an dem winzigen Stand Herr zu werden. Aber warum stellt sich jemand mit Schriften, die sowieso keiner mehr lesen kann und, in der Regel, muss, auf die Buchmesse? „Wir sind der Meinung, dass die alten Schriften auf dem Büchermarkt fehlen. Außerdem braucht der, der heute mit alten Schriften konfrontiert wird, Fachleute. Das muss nicht sein“, so Blohm. Der Bund hilft mit verschiedenen Büchern und Broschüren zum Lesen und Schreiben alter deutscher und gotischer Schriften.
Sütterlin ist natürlich auch dabei ...
Foto: Marko Hofmann
Der ehemalige Lehrer Blohm hat schon zu Schulzeiten Arbeitsgemeinschaften zu alten Schriften, wie Sütterlin, was fälschlicherweise für jede deutsche Schrift vor 1942 gehalten wird, angeboten. „Ich konnte mich kaum retten und war ständig überbelegt. Interessanterweise waren vor allem Schülerinnen interessiert“. Nach dem Eintritt ins Rentenalter wollte er „irgendetwas tun, was für viele wichtig und interessant ist“. Also engagierte er sich im BfdS und erlebt dabei dasselbe wie in der Schule. Großes Interesse. „Leider haben wir hier in Leipzig nicht soviel Platz, aber auf anderen Messen bieten wir Schreibübungen an. Dann üben die Leute und üben und üben“. Hier können sie nur um Rat bitten oder eine der Broschüren kaufen. An der „Leseschule der deutschen Schrift“ hat Blohm selbst mitgewirkt. Hier sind Schriften enthalten, die man beim ersten Blick für altarabische Schriftzeichen halten würde.
Sie sind aber tatsächlich im deutschsprachigen Raum verwendet worden. Kann man das überhaupt jemals fließend lesen? „Wenn man sich in der Woche ein paar Stunden damit beschäftigt, kann man das in vier-fünf Wochen schaffen“, macht Blohm Mut. Und wer das nicht schafft, kann immer noch den Kontakt am Stand suchen. Morgen das letzte mal auf der Leipziger Buchmesse.
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