Forschung über Grenzen hinweg: Ibero-Amerikanisches Forschungsseminar bei „Leipzig liest“
Matthias Weidemann
16.03.2011
Arturo Fontaine.
Foto: Uni Leipzig
Es gibt universitäre Institutionen, die sich mehr um internationale Beziehungen verdient machen und als gute Botschafter ihres Landes fungieren, als so manche Politiker, die sich mehr oder weniger geschickt auf dem glatten Parkett der Auslandsdiplomatie- und -beziehungen bewegen. Das Ibero-Amerikanische Forschungsseminar der Uni Leipzig (IAFSL) ist so eine Einrichtung.
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Gegründet wurde das IAFSL 1994 in Leipzig im Rahmen des Instituts für Romanistik von dem renommierten Gelehrten für Romanische Literaturwissenschaft und Kulturstudien, Prof. Dr. Alfonso de Toro. Die Ibero-Amerikanistik bezieht sich auf die iberische Halbinsel, also Spanien und Portugal, sowie auf Lateinamerika. Dr. Claudia Gatzemeier vom Institut für Romanistik ist wissenschaftliche Mitarbeiterin des IAFSL und in dieser Funktion auch für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig: „Ibero-Amerikanistik spielt spätestens seit dem 19. Jahrhundert eine wachsende Rolle an deutschen Universitäten, auch wenn das Fach meist unterrepräsentiert war.
Dies hat jedoch in keiner Weise die Faszination geschmälert, die seit den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts in zunehmendem Maße von Spanien und Portugal, von den zwanzig spanischsprachigen Ländern Lateinamerikas sowie Brasilien und auch den portugiesischsprachigen Ländern Afrikas, wie Mosambik oder Angola, ausgeht, die mit über 300 Millionen Menschen nicht nur ökonomisches, sondern auch enormes kulturelles Potential haben.“
Im Vordergrund der Arbeit des IAFSL steht die Zusammenarbeit und Forschung über Disziplingrenzen hinweg. Berührungsangst ist hier ein Fremdwort. So arbeiten Historiker, Politikologen, Soziologen, Theaterwissenschaftler, Sprachforscher oder Kunsthistoriker über Fachgrenzen hinweg wie selbstverständlich zusammen. Dr. Claudia Gatzemeier: „Eine solche Bündelung von Kompetenzen und länderübergreifender Kontakte bringt nicht zuletzt eine hohe Qualität in Lehre und Forschung mit sich. So werden beispielsweise Auslandsaufenthalte im Rahmen von Universitätspartnerschaften oder universitätsübergreifenden Projekten realisiert. Auch die Durchführung von Fachkongressen oder Kompaktseminaren steht im Dienst des wissenschaftlichen und universitären Austauschs und ist damit ein zentrales Anliegen des IAFSL.“
Roberto Ampuero.
Foto: esacademic.com
Nicht zuletzt ist die Förderung hochbegabter Studenten und Nachwuchswissenschaftler ein wichtiges Ziel des IAFSL, das sich nicht als reine Forschungseinrichtung, sondern auch als internationale Lehr- und Begegnungsstätte versteht. Leipzig ist mit dem IAFSL mittlerweile eine nationale und internationale Adresse für die auf Ibero-Amerika ausgerichtete Lehre und Forschung geworden, die als Einrichtung an der Universität Leipzig verankert ist.
Neben dem Ausbau eigener Publikationsreihen, in denen herausragende wissenschaftliche Arbeiten zur Ibero-Amerikanistik erschienen sind, neben der Veranstaltung zahlreicher Tagungen, der Durchführung von Forschungsvorhaben und dem Gastdozentenaustausch sowie der Bildung eigener Forschungsschwerpunkte wurden Beziehungen zu zahlreichen Institutionen lateinamerikanischer Länder aufgebaut. Auch die Förderung und Bekanntmachung latein-amerikanischer Literatur hat sich die IAFSL auf die Fahnen geschrieben. Schon seit vielen Jahren ist das Forschungsseminar auf der Leipziger Buchmesse aktiv.
Dr. Claudia Gatzemeier: „Wie schon in den vergangenen Jahren sind wir auch diesmal mit zwei Veranstaltungen im Rahmen von „Leipzig liest“ vertreten. Am Mittwoch beginnen wir um 19 Uhr unser diesjähriges Messeprogramm mit einer Lesung mit den beiden chilenischen Autoren Roberto Ampuero und Arturo Fontaine im Haus des Buches Leipzig.“
Roberto Ampuero.
Foto: esacademic.com
Roberto Ampuero ist als Schriftsteller, Essayist, Kolumnist der Zeitung LaTercera und als Universitätsdozent tätig und kann auf eine reiche Romanproduktion zurückblicken, die mit „Ein Känguruh in Bernau“ begann. Mehrere seiner Kriminal- und Detektivromane, spannend und brillant erzählt, sind ins Deutsche übersetzt worden. Ampuero hat der Gattung Kriminalroman ganz neue Impulse gegeben.
Arturo Fontaine ist eine der bedeutendsten intellektuellen und literarischen Stimmen Lateinamerikas und Chiles. Er ist Essayist und Direktor des "Zentrums für Öffentliche Studien" in Santiago de Chile, einer Institution, die unter seiner Leitung zu einem der fünfzig weltweiten führenden Think Tanks avanciert ist. Fontaine hat eine Reihe von bemerkenswerten Lyrik-Sammlungen sowie Essays zu Themen aus Literatur, Politik und Kultur veröffentlicht. Sein internationaler Ruf als Schriftsteller gründet sich auf seine Romane wie Oír su voz (1992, "Ihre Stimme hören") Cuando éramos inmortales (1998, "Als wir unsterblich waren").
Die Moderation der Lesungen hat Prof. Dr. Alfonso de Toro, Dr. Claudia Gatzemeier ist für die Übersetzung zuständig.
Mittwoch, 16. März, 19:00 Uhr im Haus des Buches (Gerichtsweg 28): "Erzählwelten - Blickpunkt Chile" mit Prof. Dr. Alfonso de Toro, Botschafter Jorge O' Ryan Schütz, Claudia Gatzemeier, Roberto Ampuero und Arturo Fontaine.
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"agra - Brücke B2. Und wie weiter?" Unter dieser Überschrift lädt die Arbeitsgruppe Landschaftspflege des Grünen Ringes Leipzig am Mittwoch, 23. Mai, in den Kleinen Lindensaal des Rathauses Markkleeberg ein. Verschiedene Planungen für den Bereich der agra sollen näher vorgestellt, näher beleuchtet und mit allen Beteiligten diskutiert werden. mehr…
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