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Leipziger Buchmesse 2011: Mehr Aussteller, mehr Vielfalt, mehr Neuigkeiten

Daniel Thalheim
Neuigkeiten gar nicht so neu, aber frohe Gesichter für eine Literaturstadt zur Buchmesse.
Neuigkeiten gar nicht so neu, aber frohe Gesichter für eine Literaturstadt zur Buchmesse.
Bild: Matthias Weidemann
Die Pressekonferenz am 16. März ist mäßig besucht. Viel Neues erwarten die Presseleute scheinbar nicht, als Martin Buhl-Wagner, Geschäftsführer der Leipziger Messe, Michael Faber, Leipziger Kulturbürgermeister, Gottfried Honnefelder, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels und Oliver Zille, Direktor der Leipziger Buchmesse vor ihnen sitzen und sich über leichte Zuwachse bei den Ausstellern freuen. Nach 20 Jahren fast ein Routinevorgang zum Start.

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Routine auch die großen Zahlen aus Leipzig. 2.150 Aussteller insgesamt aus 36 Ländern stellen auf einer Gesamtfläche von 67.000 Quadratmetern ihre Bücher aus. Das ist ein leichter Zuwachs zum Vorjahr, wo noch auf 65.000 Quadratmetern 2.071 Aussteller aus 39 Ländern zugegen waren. 2008 waren es noch 2.348 Aussteller insgesamt, die aus 39 Ländern für Lesevergnügen sorgten. 2007 nur 2.200. Der Anstieg der Ausstellerzahlen ist erfreulich und wohl auch dadurch begründet, das viele Klein- und Kleinstverlage die Leipizger Bücherschau Jahr um Jahr mehr für sich als Präsentationsmöglichkeit entdecken.

Nicht einmal beim Börsenverein des Deutschen Buchhandels müssen diese gemeldet und gelistet sein. Die Gründe für die positive Kunde des Ausstellerzuwachses ist also neben den Großverlagen den aufstrebenden "Kleineren" zu vedanken und so nähert man sich in Leipzig langsam wieder den Rekordzahlen von 2008. Also alles beim Alten. Doch es gibt 2011 auch "Neuigkeiten".

Denn jährlich grüßt ein ernstlich wachsendes Murmeltier. Das 20-jährige Jubiläum der Leseveranstaltung "Leipzig liest" klingt im Vergleich zur Ausstellermesse wirklich rekordverdächtig. Über 2.000 Veranstaltungen und 1.500 Autoren an mehr als 300 Orten im Leipziger Stadtgebiet laden die Leseratten zum viertägigen Buchmesse-Marathon. Mit Taucha und seit diesem Jahr auch Halle/Saale ("Halle liest mit") sind es sogar noch weit mehr. Für Martin Buhl-Wagner ist Sache auch geschäftlich klar, wenn er sagt: "Die Buchmesse ist für uns nicht nur eine ‚Messe der Herzen‘, sondern auch eine stabile Säule im Portfolio der Leipziger Messe."

2010 konnte Martin Buhl-Wagner bereits verkünden, dass "Leipzig ... eine extrem lebendige Literaturstadt“ sei. Das ist bei Verlagsweggängen wie Brockhaus, De Gruyter, Reclam, Kiepenheuer zwar im Reigen der großen Häuser nicht wirklich der Fall, doch an diesem 16. März 2011 hat man sich schließlich getroffen, um frohe Kunde vom Jahreshöhepunkt zu bringen. Leipzig steht nicht mehr als buchstäbliche Verlagsstadt da, doch zur Buchmesse selbst dreht sich die ganze Stadt wenigstens einmal im Jahr um das hiesiges Traditionsthema "Buch".

Und so ging es denn auch munter weiter in den Erläuterungen durch Buhl-Wagner rund um die Themen "Umsätze" und Mengen beim "größten Lesefestival" von allen. So hätte natürlich die Leipziger Buchmesse mit "Leipzig liest" als ein Nebeneffekt ein super Modell gefunden, um die Hotelbetten und Lokale der Messestadt und Umgebung auszulasten. Der weiche Wirtschaftfaktor, sonst gerne als Bonus wahrgenommener Zusatznutzen, wird immer wichtiger für die Leipziger Wirtschaftsregion. Das Geld liegt hier eben nicht auf der Straße. Da ist "Leipzig liest" auch fürs Gaststättengewerbe ein klasse Polster für schwächere Zeiten und für die Messeleitung ein wirkungsvoller Bestandteil der Leipziger Wirtschaft.

Empfiehlt Literatur aus Südosteuropa und verehrt Clemens Meyers Hundelyrik: Buchmessedirektor Oiiver Zille.
Empfiehlt Literatur aus Südosteuropa und verehrt Clemens Meyers Hundelyrik: Buchmessedirektor Oiiver Zille.
Bild: Matthias Weidemann
Und wie auch schon im vergangenen Jahr schwimmt im Hintergrund der Buchmesse der Slogan "Das Buch ist tot, es lebe das Buch" mit. So teilen zwar Prof. D. Gottfried Honnefelder und Martin Buhl-Wagner mit abwägenden Kopfnicken mit, dass natürlich elektronische Medien in der Buchwelt im Vormarsch seien. Jedoch sei es eben noch lange nicht soweit, das sie das klassische Buchformat ablösen könnten.

So gesehen eine fast baugleiche Aussage wie im Jahr 2010 - auch da wusste Honnefelder bereits zu sagen, dass das klassische Buch nicht tot zu kriegen sei, der Absatz an Büchern gegenüber zum Vorjahr sogar leicht anstieg. Einer der Gründe ist schnell zur Hand, Tilo Sarrazins Pamphlet ist das meist verkaufte "Buch" 2010 gewesen - eine Million verkaufte Exemplare. Populismus zahlt sich eben aus. Der Zuwachs um 0,4 Prozent gegenüber 2009 wird als freudiges Ereignis heraus gestellt, für 2011 erwarte man hier ungefähr gleichbleibende Werte.

Das heißt natürlich auch, dass sich der Buchmarkt nicht mehr exorbitant entwickelt, in Fachkreisen nennt man dies auch einen zumindest quantitativ gesättigten Markt. Das können die teuren Investitionen im E-Book-Sektor derzeit nicht kompensieren. Es sei denn, man möchte statt eines Bücherregals, das jeden Umzug teuer macht, ein E-Book im Regal stehen sehen. Eine Krise gibt es also nicht, Umsatzeinbrüche werden auch nicht erwartet. Im Gegenteil, laut Honnefelder herrsche Aufbruchstimmung eben wegen E-Book, iPad & Co. "Aber es ist nicht so, als ob alles Friede, Freude, Eierkuchen" wäre und verweist auf die Janusköpfigkeit der Buchbranche. Heißt dann einfach - was der Bürger als E-Book kauft, legt er sich wahrscheinlich nicht mehr als Blätterwerk zu. Auch wenn die Verleger zum großen Teil (35 Prozent) das E-Book einführen wollen, beziehungsweise schon im Angebot haben, verhält sich der Buchhandel noch zurückhaltender. "Im März 2011 hat das E-Book in Deutschland noch keinen Markt", so Honnefelder. Er erwartet erst in drei Jahren einen Boom in diesem Sektor.

Dennoch ist es für die Buchmesse ein Ansporn, sein Profil durch Entwicklung neuer Themenbereiche kontinuierlich zu schärfen. Einige Premieren in diesem Jahr sollen dabei helfen. Und da sind sie, die Neuigkeiten - Hörspiel-Fans haben erstmals eine Hörspiel-Arena im Hörbuch-Bereich der Halle 3. Für Endverbraucher bekommt das Thema Digitalisierung ein eigenes Forum auf der Buchmesse im neuen Elektronischen Bereich in Halle 5. Erfreut ist Buhl-Wagner über die Rückkehr der Zeitungs- und Ratgeberverlage, die 2009 und 2010 aufgrund der angespannten Marktsituation pausiert hatten. Ihre Umsätze schwächeln laut Honnefelder zwar immer noch, aber ein bisschen Werbung kann scheinbar doch nicht schaden. Auch der Sortimentsbuchhandel hat Einbußen hinzunehmen. 2,8 Prozent weniger Buchgeschäfte. Hugendubel und Co. decken in Großstädten ohnehin viel ab, der Internetversand tut sein übriges.

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Der Zuwachs der Ausstellungsfläche geht laut Buchmessedirektor Oliver Zille erwartungsgemäß vor allem auf das Konto kleiner, unabhängiger Verlage. „In Leipzig kommen die Kleinen, die in Zeiten zunehmender Konzentration für eine bunte und vielfältige Bücherlandschaft stehen, ganz groß heraus“, betont der Sprecher der Geschäftsführung. Zudem wächst das Kompetenzfeld Mittel- und Südosteuropa der Leipziger Buchmesse. "Die Leipziger Buchmesse präsentiert das größte Literaturprogramm der südosteuropäischen Länder seit dem Zerfall Jugoslawiens. Rund 100 Autoren aus Südosteuropa kommen nach Leipzig, um ihre aktuellen Werke vorzustellen“, so Buhl-Wagner. Gewohnt stark sind die Segmente Belletristik, Bildung/Leseförderung sowie Sachbuch. Bei den Musikverlagen, die sich 2010 erstmals in einem eigenen Bereich aufgestellt hatten, sei zudem eine Steigerung von 25 auf 50 ausstellende Verlage zu verbuchen. Der "explosive Zuwachs" bei den Bereichen Bildung und Kinder-/Jugendliteratur stellt Oliver Zille dann noch besonders heraus. "Wir werden dieses Segment weiterhin bedienen." Die kleinen Leser sind also offensichtlich für die Literatur beileibe nicht so verloren, wie mancher angesichts Internet und mobiler Ablenkungen auf Handy und Co. zu verkünden weiß.

Zum Schluss legt Oliver Zille allen das große Serbien-Programm unter anderem mit "Balkan rockt" im UT Connewitz und das Südost-Europa-Forum ans Herz. Auch Schweiz und Österreich biete Verlagsnamen wie Clandestine, die neugierig machen. Vielleicht sieht man den Buchmessedirektor nachts im UT Connewitz zu Balkanmusik rocken und zieht sich einen dicken Schwall an serbischer Literatur rein, die auch in der Galerie Artae zwei Abende lang geboten wird. Underground gibt es bei Tanners Terrasse in der Helheim Kneipe und kleine Schmankerln im Café der Galerie für zeitgenössische Kunst. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Die Leipziger Buchmesse ist vom 17. bis 20. März von 10:00 bis 18:00 Uhr für Fachbesucher und Besucher geöffnet. Das Programm zu „Leipzig liest“ liegt an den Informationsschaltern der Messe aus. Zudem ist das Programm im Internet unter www.leipzig-liest.de sowie über die mobile Webseite für alle internetfähigen Mobiltelefone unter www.leipzig-liest.de/mobil verfügbar.

Leipziger Buchmesse Online
www.leipziger-buchmesse.de


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