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Sächsischer Sondermüll: Der Freistaat ist zum Müll-Import-Land geworden

Ralf Julke
Sondermüllimporte stiegen seit 2004 kräftig an.
Sondermüllimporte stiegen seit 2004 kräftig an.
Montage: L-IZ
Am Dienstag, 7. Juni, veröffentlichte das Sächsische Landesamt für Statistik die neuesten Zahlen zum Sondermüll in Sachsen. Ein heikles Thema. Auch wenn die jüngsten Zahlen nun aus dem Jahr 2009 stammen. Und die Statistik zeigt auch recht klar, wie der Müllimport nach Sachsen seit 2005 kräftig angekurbelt wurde. Sachsens Lieblingsimporteur mit weitem Abstand: Italien.


Das wäre vielleicht nicht besonders erwähnenswert, würden die Müllimporte nicht seit 2005 die in Sachsen selbst erzeugten gefährlichen Müllmengen deutlich überwiegen. Das sächsische Sondermüllaufkommen ist von 1,2 Millionen Tonnen im Jahr 2004 signifikant auf 979.203 Tonnen im Jahr 2005 gefallen. Seit 2006 liegt es relativ stabil bei 730.000 bis 740.000 Tonnen, während der Müllimport 2008 auf den Rekordwert von 1,4 Millionen Tonnen stieg.

Was mit 2 Millionen Tonnen relativ stabil blieb, war das Gesamtaufkommen an Sondermüll. Einen wesentlichen Anteil daran hat natürlich die in den 1990er Jahren völlig überdimensionierte Mülldeponie in Cröbern, die aktuell noch immer Thema des Untersuchungsausschusses des Landtages ist. Denn so ganz klar sind die Transportwege gerade des italienischen Mülls bis heute nicht. Ein Teil scheint - unter Umgehung der Richtlinien - in Cröbern deponiert worden zu sein, ein anderer Teil scheint ins benachbarte Sachsen-Anhalt weitertransportiert worden zu sein.

Was dann das Bild eines großen Sondermüllverschiebebahnhofs ergibt.

Besonders aus Italien stieg die Menge der Sondermüllimporte.
Besonders aus Italien stieg die Menge der Sondermüllimporte.
Montage: L-IZ

Von den rund 2,0 Millionen Tonnen gefährliche Abfälle, die 2009 von den sächsischen Entsorgungsunternehmen entsorgt wurden, stammten rund 733.000 Tonnen (37 Prozent) von Erzeugern aus dem Freistaat. Die restliche Menge wurde aus anderen Bundesländern (691.306 Tonnen = rund 35 Prozent) und dem Ausland (541 063 Tonnen = 28 Prozent) zur Entsorgung importiert.

Die meisten gefährlichen Abfälle kamen dabei aus Italien (432.678 Tonnen), Österreich (34.846 Tonnen) und der Schweiz (20.494 Tonnen). Damit wurde wesentlich mehr Sonderabfall zur Entsorgung nach Sachsen importiert als exportiert, betont auch das Statistische Landesamt. Während 2004 knapp die Hälfte (48 Prozent) der in Sachsen entsorgten Sonderabfälle eingeführt wurden, lag dieser Anteil 2009 bei rund 63 Prozent.

Rund 61 Prozent dieser 1,965 Millionen Tonnen wurden auch in Sachsen entsorgt. Knapp 39 Prozent wurden in andere Bundesländer verbracht, vorwiegend nach Sachsen-Anhalt, Thüringen und Brandenburg. Die Restmenge (2.324 Tonnen) wurde zur Entsorgung ins Ausland verbracht.

Für Johannes Lichdi, Obmann der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Sächsischen Landtag im Abfall-Untersuchungsausschuss, sprechen die Zahlen eine klare Sprache. "Trotz zahlreicher Skandale setzt sich die fatale Tendenz, Sachsen als Müllimportland im internationalen Wettbewerb zu positionieren, fort", sagt er. "Umweltminister Frank Kupfer sollte endlich für wirksame Kontrollen auf Deponien und in Behandlungsanlagen sorgen. Wenn die Staatsregierung schon alle Versuche unterlässt, dem Importanstieg entgegen zu wirken, sollte sie wenigstens eine Entsorgung nach Recht und Gesetz sicher stellen. Sonst leidet die Gesundheit der Bevölkerung oder Natur und Umwelt in Sachsen."

Die vom Statistischen Landesamt vorgestellten Ergebnisse stammen aus der sächsischen Sonderabfallbilanz, die vom Statistischen Landesamt für das Jahr 2009 in Zusammenarbeit mit dem Sächsischen Landesamt für Umwelt und Geologie erstellt wurde.

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