Kassensturz: Sachsen schmeißen immer weniger Müll in die Tonne
Ralf Julke
13.04.2009
Die Welt ändert sich. Langsam. Manchmal nur ablesbar an Zahlen wie etwa dem sächsischen Müllaufkommen. Es sinkt. Stetig. Insgesamt 1,4 Millionen Tonnen Haushaltsabfälle wurden 2007 in Sachsen durch die öffentliche Müllabfuhr eingesammelt, teilt das Landesamt für Statistik mit.
Das entspricht einem Abfallaufkommen aus Haushalten von 333,4 Kilogramm je Einwohner. 2004 betrug dieses Aufkommen noch 349,4 Kilogramm je Einwohner. Wie das Statistische Landesamt weiter mitteilt, ging die eingesammelte Menge an Haushaltsabfällen damit im Vergleich zu den Vorjahren weiter kontinuierlich zurück.
Der größte Mengenanteil der eingesammelten Haushaltsabfälle entfiel mit 654.463 Tonnen auf Haus- und Sperrmüll. Weitere 531.928 Tonnen Haushaltabfälle waren bereits getrennt gesammelte Wertstoffe (Papier, Glas, Holz, Textilien, Kunststoffe, Metalle, gemischte Leichtverpackungen). 217.438 Tonnen Abfälle stammten aus der Biotonne oder waren biologisch abbaubare Abfälle (Grünabfälle). Darüber hinaus wurden 3.269 Tonnen sonstige gefährliche und nicht gefährliche Abfälle der öffentlich-rechtlichen Entsorgung angedient.
Die getrennt gesammelten Abfälle (Papier, Glas, Holz, Textilien, Kunststoffe, Metalle, gemischte Leichtverpackungen und Bio- und Grünabfälle) machten in der Summe rund 53 Prozent der Gesamtmenge an eingesammelten Haushaltsabfällen aus. Damit liegt Sachsen knapp unter dem Bundesdurchschnitt von 55,6 Prozent. Von den 1,407 Millionen Tonnen Haushaltsabfällen konnten drei Viertel (1,062 Millionen Tonnen) der Verwertung zugeführt werden.
Zum Vergleich: Auch in Leipzig sinkt das eingesammelte Müllvolumen seit Jahren kontinuierlich. Möglicherweise direkter Effekt der drastisch gestiegenen Müllgebühren im Zusammenhang mit der völlig überdimensionierten Anlage Cröbern. Wurden im Jahr 2000 noch 103.250 Tonnen Restmüll und 76.400 Tonen Papier, Glas und Leichtverpackung eingesammelt, so waren es 2004 nur noch 86.088 Tonnen Restmüll und 58.400 Tonnen sortierter Wertstoffe.
2007 fielen nur noch 79.082 Tonnen Restmüll an und 57.000 Tonnen Papier, Glas und Leichtverpackung. Die Leipziger Zahlen für 2008 liegen auch schon vor: 76.672 Tonnen Restabfall und 57.000 Tonnen Papier, Glas, Leichtverpackung. Die Stadt wächst – das Müllaufkommen sinkt. Immerhin ein erstaunlicher Effekt, da es ja keine wirklich wahrnehmbaren Kampagnen zur Müllvermeidung gibt. Einzig die permanent steigenden Preise auch im Einzelhandel in enger Verzahnung mit gestiegenen Steuern und Sozialabgaben lassen darauf schließen, dass den Sachsen immer weniger Spielraum zur Konsumtion bleibt. Die Kaufkraft stagniert – oder sinkt sogar, wie in Leipzig wieder im Vorjahr zu sehen.
Weniger Konsum, weniger Müll. Der Umwelt tut es gut. Marktwirtschaftlich ist es ein Ausweis für fehlenden wirtschaftlichen Sachverstand auf einigen Entscheidungsebenen. Der Müll ist dann nur ein Zeichen für die ablaufenden Entwicklungen.
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